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Weserüberschreitet 6-Meter-Marke

Nach dem Regen kommt die Flut - Unwetter-Alarm

Hameln/Rinteln (ube/kk). Es pladderte und pladderte - und es wollte nicht enden: Von Donnerstag bis Sonnabend fielen im Weserbergland 80 Liter Regen auf jeden Quadratmeter Boden. "Das ist die Menge eines Monats", sagt Andreas Böhmert vom Überregionalen Hochwassermeldedienst. Das Wasser stieg schnell, sehr schnell. Auch an der Weser. In Rinteln wurde für die Nacht zum Montag ein Höchstpegel von 6,20 bis 6,30 Meter erwartet.

veröffentlicht am 02.10.2007 um 00:00 Uhr

Rinteln: Land unter an der Hartler Straße.

Während in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden die Lage an vielen Stellen kritisch wurde und Feuerwehren und das Technische Hilfswerk viele Stunden gegen die rasant ansteigende Flut ankämpften, war die Lage weserabwärts in Rinteln bis gestern Mittag noch verhältnismäßig entspannt. Hartler Straße und Dankerser mussten gesperrt werden, eigentlich Routine bei stärkeren Hochwassern. Die "Alarmglocken" schrillten jedoch am Doktorsee, als das Wasser- und Schifffahrtsamt Minden für die Nacht vor einem Höchstpegel von bis zu 6,30 Meter warnte. Per Rundfunk wurden Dauercamper aufgefordert, ihre Wohnwagen in Sicherheit zu bringen - erstmals wieder seit 2003. Von größeren Schäden verschont blieb bis gestern Abend die Samtgemeinde Eilsen, die sonst häufig von Hochwasser in der Aue betroffen ist. Lediglich im Bad Eilsener Kurpark gab es Überflutungen - die sind hier aber fast Routine. Hunderte Freiwillige waren dagegen in den Nachbarkreisen im Einsatz - mit Erfolg: In Löwensen wurden 40 Kühe, in Großenwieden und Grohnde 60 Schafe und bei Hämelschenburg Pferde gerettet. Mit Rettungsbooten und sogar mit Fähren wurden die verängstigten Tiere von den überschwemmten Weiden geholt. Bei Großenwieden blieb am frühen Morgen ein Landwirt mit Trecker und Viehanhänger im Wasser stecken. Fünf Schafe drohten zur ertrinken - sie konnten mit vereinten Kräften in Sicherheit gebracht werden. In Emmerthal war die Lage zeitweise dramatisch: An der Brückenbaustelle trieben Dixi-Klo, Baucontainer und ein Auto ab. Ein Gerüst auf einem Schwimmponton wurde vom Wasser unter die Stahlkonstruktion der neuen Weserbrücke gedrückt und zerquetscht. "Da die Gefahr bestand, dass sich der große Ponton losreißt und ein 380 000-Volt-Kabel und die Telefonhauptleitung für Kirchohsen zerstört, war höchste Eile geboten", sagt Einsatzleiter Kay Leinemann, Chef der Ortswehr Kirchohsen. Vier Feuerwehren und das THW sicherten die schwimmende Plattform, fluteten die zwölf Kammern des Pontons und schweißten das verbogene Stahlgerüst auseinander. Mitglieder der Schnellen Einsatz-Gruppe (SEG) des DRK Marienau versorgten die erschöpften Helfer während des zehnstündigen Einsatzes mit Erbsensuppe und Getränken. Die Behelfsbrücke wurde bis auf weiteres für Fahrzeuge gesperrt. Nur Fußgänger und Radfahrer dürfen passieren. In Amelgatzen bedrohte die Emmer Haus und Hof zahlreicher Dorfbewohner. Feuerwehrleuten füllten 900 Sandsäcke, schützten damit die Häuser. Weser, Emmer, Saale und Lenne sowie anschwellende Bäche hielten auch die Feuerwehren Ockensen, Wallensen, Oldendorf, Salzhemmendorf, Kleinenberg, Thal, Hessisch Oldendorf, Großenwieden, Welsede, Hämelschenburg, Amelgatzen, Kirchbrak, Westerbrak, Linse und Bodenwerder in Atem - Sandsäcke mussten "verbaut", Straßen vom Schlamm befreit, Keller ausgepumpt und Autos aus dem Hochwasser gezogen werden. In Lügde mussten 35 Menschen vorsorglich ihre Häuser verlassen. Die Evakuierten verbrachten die Nacht zu gestern bei Verwandten oder in einem Hotel.

Großenwieden: Feuerwehrleute retten Schafe.
  • Großenwieden: Feuerwehrleute retten Schafe.
Emmerthal: Die Flut drückt ein Stahlgerüst gegen ein Brückenbaut
  • Emmerthal: Die Flut drückt ein Stahlgerüst gegen ein Brückenbauteil. Feuerwehrleute und THW-Helfer verhindern, dass ein 380 000-Volt-Kabel weggerissen wird. Fotos: ube/tol


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