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Serie "Baudenkmale in unserer Stadt": Der Taubenturm auf Gut Dankersen

Nach Blitzeinschlag entstand der Turm

Todenmann. Die Stadt Rinteln mit ihren Dörfern ist reich gesegnet mit erhaltenswerten historischen Gebäuden. Schützen kann man nur das, was man kennt. In der Serie "Baudenkmale in unserer Stadt" stellen Mitglieder des Arbeitskreises Denkmalschutz einige dieser Objekte vor.

veröffentlicht am 14.02.2008 um 00:00 Uhr

Seine Entstehung verdankt der heutige Taubenturm einem Blitzeins

Autor:

Werner Zimmermann

"Was für ein Turm ist denn das?" Keine Führung für Jobst von Ditfurth-Siefken auf Gut Dankersen ohne diese Frage eines überraschten Besuchers. Der eigenartige Turm, unübersehbar zwischen Herrenhaus und Verwalterhaus, regt immer wieder die kreative Phantasie von Besuchern an. Stolz präsentiert der Hausherr das farbenfrohe Ölgemälde eines Stammgastes des benachbarten gutseigenen Campingplatzes Helenensee, und mit ihrer Erzählung "Vom Taubenturm zum Taubenberg" hat Autorin Marlies Kuhlmann dem 1892 errichteten Baudenkmal in ihren "Hier-Geschichten" sogar ein literarisches Denkmal gesetzt. Ganz nüchtern-knapp das Urteil der amtlichen Denkmalliste im Rathaus: "Zweigeschossiger Turm mit polygonalem Grundriss. Erdgeschoss in Massivbauweise, geputzt. Obergeschoss in Fachwerkbauweise. Turmdach in Schieferdeckung". Von der Schieferdeckung ist allerdings nichts mehr zu sehen. Sie wurde nach der Einschätzung des Gutsherrn vor 1914 durch rote Biberschwanz- Ziegel ersetzt. Augenfällig ist der Turm mit Wetterfahne vor allem durch den seltenen achteckigen Grundriss und die Fachwerk-Diagonalstreben in den Gefachen. Seine Entstehung verdankt der Turm einem Blitzeinschlag, der den um 1750 erstmals erwähnten Vorgängerturm zerstört hatte. Fotos im Familienarchiv zeigen: Dieser Turm stand genau an der gleichen Stelle und war im Stil ganz ähnlich gebaut, nur größer und am Fuß breiter. Das Fachwerk war bis unten hin geführt. Beide Türme wurden seinerzeit eigens für die Taubenhaltung des Rittergutes errichtet - und die galt früher generell als großes Privileg für Adel, Klöster und große Güter. Dementsprechend waren die Taubenhäuser repräsentativer Ausdruck der hervorgehobenen sozialen Stellung ihrer Besitzer. Wer sonst hätte sich zum Beispiel die teilweise erheblichen Schäden durch "feldernde" Tauben leisten können? Während der französischen Revolution wurden viele Taubenhäuser als Sinnbilder von Herrschaft und Adel zerstört, und mit der Aufhebung des Taubenprivilegs 1789 erhielten die Bauern das Recht, die ihre Felder heimsuchenden Tauben zu töten. Die Tauben auf Gut Dankersen hat von Ditfurth-Siefken selbst nicht mehr erlebt, wohlinformiert schmunzelt er aber über die beliebte Delikatesse seiner Vorfahren: "Das Fleisch war für die Küche nicht schlecht." Seit 1920 werden hier keine Tauben mehr gehalten. Der Betrieb war zu der Zeit verpachtet und der Pächter hatte kein Interesse an den Tauben und den vielen Schäden. In den 1990er Jahren drohte der taubenfreie Turm dann nach Westen zu kippen. Für von Ditfurth-Siefken kein Grund, das Schicksal seinen natürlichen Lauf nehmen zu lassen - im Gegenteil: Die westliche Turmwand mauerte er zu, die Wand im Süden wurde verputzt und gestrichen. Den markanten Turm will der Eigentümer unbedingt auch für die Zukunft erhalten. Das Erdgeschoss wird als Schuppen für Gartengeräte genutzt, das obere Geschoss ist leer. Mit seinem Engagement für den Erhalt des historischen Turms befindet sich der Todenmanner Gutsherr in bester Gesellschaft europaweit: Entwicklungsgelder der EU sorgen seit einigen Jahren im einst besonders taubenhausreichen Nordosten Portugals dafür, dass viele der verlassenen Taubenhäuser wieder restauriert werden. Mehr noch: Ebenfalls gefördert durch die EU fand dort jetzt zum dritten Mal ein Restaurant-Festival mit Taubengerichten statt. Auch Touristenangebote mit Routen zu typischen Taubenhäusern werden entwickelt. Für seinen eigenen Taubenturm dürfte Jobst von Ditfuth-Siefken allerdings von seinen überraschten Besuchern viel lieber die Frage hören: "Was ist denn das?"



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