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Gutachter bemängelt fehlende Infrastruktur / Aber: Bad Eilsen bleibt Kurort / Kurtaxe gesichert

Nach 55 Jahren: "Heilbad"-Status geht verloren

Bad Eilsen (tw). Die schlechte Nachricht zuerst: Bad Eilsen wird seinen Status als staatlich anerkanntes Heilbad, den es seit 1952 hat, voraussichtlich verlieren; das bedeutet zunächst einen erheblichen Imageverlust. Die gute Nachricht: Bad Eilsen bleibt Kurort und kann damit auch weiterhin Kurtaxe erheben; auch die Bezeichnung "Bad", kann der Ort, weil sie historisch bedingt ist, behalten. Und: Sofern Bad Eilsen an sich arbeitet, hat der Ort die Chance, binnen drei bis fünf Jahren den Heilbad-Status zurückzugewinnen. Ja, "das führende balneologische Bad Deutschlands zu werden", wie es Bürgermeister Horst Rinne (CDU) formuliert.

veröffentlicht am 17.11.2007 um 00:00 Uhr

Badehotel allein reicht nicht: Die Anerkennung Bad Eilsens als H

All das geht aus dem vorläufigen medizinisch-wissenschaftlichen Gutachten von Professor Dr. med. Christoph Gutenbrunner hervor, das der Gemeinde jetzt vorliegt. Über die wesentlichen Aussagen des Papiers informierte Rinne den Rat bereits während seiner jüngsten Zusammenkunft im Haus des Gastes; gegenüber der Presse gab es jetzt im Beisein von Dagmar Söhlke (CDU), Chefin des Ausschusses für Fremdenverkehr und Dr. Willi Dreves (CDU), Chef des Bauausschusses, vertiefende Informationen. Der Bürgermeister: "Das bisherige Prädikat für Bad Eilsen ist bereits 2003 abgelaufen. Wir haben es 2005 neu beantragt - mussten uns dabei allerdings bereits den verschärften Kriterien des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, respektive der Service-Agentur beim Heilbäderverband Niedersachsen stellen." Das ungemein aufwändige Anerkennungs-Verfahren kostete die Gemeinde 30 000 Euro. Der "Stempel" des Ministers, der Bad Eilsen abermals den Kurort-Status verleiht, wird in etwa vier Wochen erwartet. Im Einzelnen: In seiner Zusammenfassung schreibt Gutenbrunner, Balneologe an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH): "Wegen der nur im geringen Umfang bestehenden kurörtlichen Infrastruktur, insbesondere des fehlenden Kurortcharakters des Gesamtortes, wird die Vergabe des Prädikates ,Heilbad' zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfohlen." Demgegenüber würden die Anforderungen für das Verleihen der Bezeichnung "Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb" jedoch "in vollem Umfang erfüllt", so dass Gutenbrunner das Verleihen dieses Prädikats empfiehlt. Und: Bad Eilsen habe die "realistische Entwicklungsperspektive", innerhalb weniger Jahre die Bezeichnung "Heilbad" zu erreichen. Dafür gibt das Gutachten der Gemeinde eine Reihe von konkreten Ratschlägen - doch davon später mehr. Unter dem Punkt "Ärztliche Beurteilung der Luftqualität" schreibt der Professor: Die an die Lufthygiene gestellten Bedingungen werden in Bad Eilsen "sowohl im Ortszentrum als auch im Kurgebiet und im Verkehrszentrum" voll erfüllt. Unter Berücksichtigung der geforderten Grenzwerte stellt Gutenbrunner fest, dass Bad Eilsen eine "ausreichend niedrige Grobstaubbelastung" aufweist, um auch weiterhin als Kurort anerkannt zu werden. Allerdings würden die für die Indikation von "Atemwegserkrankungen" definierten Grenzwerte nicht eingehalten. Die Stickstoffdioxid-Konzentration der Luft erreiche nur grenzwertig die Anforderungen. Besagte Grenzwerte würden im Kurgebiet leicht über-, im Orts- und Verkehrszentrum leicht unterschritten. Der Balneologe unmissverständlich: "Das reicht für die Anerkennung als Kurort oder Ort mit Heilbrunnenkurbetrieb gerade noch aus." Allerdings dürften keinerlei Maßnahmen getroffen werden, welche die Verkehrsbelastung erhöhen. Vielmehr sei eine "Strategie zur Verbesserung der Luftqualität" erforderlich. Um das verloren gehende Prädikat "Heilbad" neu zu gewinnen, empfiehlt der Professor die folgenden Wege: Der Bereich des unteren Kurparks und der Bahnhofstraße sollte zu einem "sozialen Kurzentrum" entwickelt werden. Der Bereich eigne sich gut für Restaurants, Cafés und andere "kommunikative Gebäude" und Freiflächen. In diesem Zusammenhang empfiehlt Gutenbrunner eine Verkehrsberuhigung, in welche der Kurpark und das im Süden angrenzende Gelände einbezogen werden sollte. Auch im Ortskern und im Verkehrszentrum sollten Maßnahmen zur Beruhigung des Verkehrs getroffen werden - insbesondere im Bereich Bückeburger- und Bahnhofstraße. Der Balneologe rät der Gemeinde, zusätzlichen Ziel-, Quell- und Durchgangsverkehr im Gefolge der Ansiedlung von "Infrastrukturelementen" (Geschäften) nur außerhalb des Ortskern und des Kurgebiets zuzulassen. Um die Qualität der Luft zu verbessern, sollten in Bad Eilsen - noch - mehr Bäume gepflanzt werden. Durch mehr Therapie-, Freizeit- und Kulturangebote soll die Infrastruktur für ambulante Kuren verbessert werden. Außerdem sollten die "zweifellos hochwirksamen" Schwefelwässer, aber auch die "guten Voraussetzungen" für die Behandlungen von Rheuma-Patienten massiv beworben werden. Dies schließe auch das stärkere Öffnen der Kliniken für ambulante und teilstationärePatienten ein. Die Moortherapie sollte als zweites Standbein für die ambulante und stationäre Behandlung der Patienten reaktiviert werden. Um den Ort weiter entwickeln zu können, sollte der "zweifelsohne sehr hohe" Sachverstand der Ärzte und der Träger der Reha-Einrichtungen in die Strategien mit einbezogen werden. Die von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Braunschweig-Hannover freigegebenen Gebäude einschließlich des Kurtheaters böten ein großes Entwicklungspotenzial für Bad Eilsen. Wie gestern bereits berichtet, ist der Mediziner darüber hinaus der Meinung, dass ein großflächiger Einzelhandelsmarkt auf dem Gelände der früheren Schaumburg-Klinik die Qualität der Luft weiter verschlechtern und den Erholungscharakter des Bereiches durch den vermehrten Autolärm gefährden würde.



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