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Die "Original Bückeburger Tracht" in der ganzen Welt bekannt gemacht

Nach 53 Jahren: "Trachten"-Chef Heinrich Weiland nimmt Abschied

Bückeburg. Mit den Worten "Ich schließe meinen Bericht für dieses Jahr und damit für immer", ist Heinrich Weiland nach 53 Jahren im Amt aus Altersgründen zurückgetreten. Als Chef der Trachtengruppe Röcke hat er die "Original Bückeburger Tracht" in der Welt bekannt gemacht.

veröffentlicht am 05.02.2007 um 00:00 Uhr

Vorsitzende Iris Lukaszyk (r.) schenkt Helga Weiland und Heinric

Autor:

Michel Grundmeier

Sardinien, Portugal, Schweden oder Frankreich - es gibt wohl kaum einen Ort, den Weiland mit seinen Trachtentänzern nicht besucht hat. Mit anderen Gruppen nahmen die Röcker an unzähligen Europeaden, Tourneen und Festen teil und traten viele Male im Fernsehen auf. Mit dem Abschied Weilands ist jetzt eine große Ära zuende gegangen: "Es ging einfach nicht mehr, ich werde ja auch nicht jünger", erklärte der langjährige Steuermann auf der Jahresversammlung seinen Rückzug. Dass der Verein so bekannt werden würde, ahnte bei seiner Gründung im Jahr 1953 noch niemand. "Wir hatten beobachtet, dass die Tracht immer mehr in Vergessenheit geriet - für die jungen Leute war das erste Erntefest 1948 deshalb Anlass gewesen, sich mit den Schätzen in den Truhen zu beschäftigen", erinnert sich der langjährigeVorsitzende an die Anfänge. Mit dem Vorhaben, eine Trachtengruppe zu gründen, stieß Weiland bei vielen Röckern aber zunächst auf Unverständnis - vor allem die alten Leute wollten nicht auf einer Bühne auftreten oder sich fotografieren lassen. "Richtig los ging es erst mit unserem ersten Fernsehauftritt in Petzen, danach hatten wir auf einmal viele Mitstreiter", erzählt der vormalige Trachtenchef. Diese Initialzündung zog über die Jahrzehnte viele weitere Veranstaltungen nach sich. Besonders gerne erinnert sich der inzwischen 74-Jährige an einen Empfang mit König Hussein von Jordanien auf dem Bückeburger Schloss, an Trachtentänze auf Sardinien und an die schönen Oktoberfeste. Am eindrücklichsten erzählt Weiland aber von einer Fahrt in die ehemalige DDR: Im Jahr 1960 hatte eine Delegation aus Schaumburg die Stadt Burg bei Magdeburg besucht und war dort begeistert empfangen worden. Auf der Rückreise wurden die Trachtentänzer dann vom Geheimdienst abgefangen - allerdings nichtvon der Stasi, sondern vom BRD-Verfassungsschutz. "Wir sind da hingefahren mit dem Gedanken, dass die Leute dort genauso Deutsche sind, wie wir auch", ärgert sich der Röcker noch heute über das Verhalten der "kalten Krieger". Sehr viel lieber erinnert er sich da an ein Treffen mit Michail Gorbatschow. Weiland: "Meine Frau konnte damals sogar einen kleinen Strauß übergeben." Rückblickend freut er sich deshalb vor allem über "die vielen Erlebnisse und die Persönlichkeiten, die ich treffen durfte, die vielen Freunde, die wir gewonnen haben". Weilands erfolgreiche Amtsführung hat allerdings nicht verhindern können, dass der Verein heute unter Mitgliederschwund leidet. 2006 erreichte die Zahl der Austritte sogar einen Rekordwert - und auch die Trachtenkreise werden immer kleiner. Ob die Volkstanzgruppe in 53 Jahren noch existieren wird, weiß deshalb auch Heinrich Weiland nicht. "Das kann ich nicht sagen", meint er traurig. Seine Bitte an den neuen Vorstand: "Bringt wieder Leben in die Gruppe - es ist erschreckend, dass nur noch so wenige mitmachen." Die neu gewählte Vorsitzende Iris Lukaszyk und Stellvertreter Ralf Diehl versprachen dem Vorgänger jedenfalls, sich ins Zeug legen. "Die Pflanze ist zwar eingeschlafen, aber wir werden sie wieder zum Blühen bringen", machte Diehl deutlich, "dein Lebenswerk wird weiterblühen". Berichtüber die Jahresversammlung der Trachtengruppe Röcke folgt in unserem nächsten Vereinsmagazin.

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