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Für den Etat: In diesem Jahr wird wieder gefeiert / Gesucht: Ein neuer Platz für die Mineraliensammlung

Nach 50 Jahren kommt der Lederhelm ins Museum

Obernkirchen. Dieältere Frau, deren Ehemann aus Röhrkasten stammt, hat sich extra aus Hannover auf den Weg in die Bergstadt gemacht um dem Museum einen ledernen Helm zu überbringen, den ihr Mann als Steiger im heimischen Bergbau getragen hat. Die Sache hat jedoch einen Haken - im Helm klafft ein scharfkantiges Loch. Diesen Helm, den habe ihr Mann damals im Schacht Lüdersfeld getragen, als der Träger runtergekracht sei und zur Querschnittslähmung ihres Gatten geführt habe. Das war 1953, jetzt sei ihr Mann verstorben. Vielleicht sei das fast ein halbes Jahrhundert gehütete Symbol für die schnelle Vergänglichkeit körperlicher Robustheit ja für das Berg- und Stadtmuseum geeignet?

veröffentlicht am 06.01.2007 um 00:00 Uhr

Völlig neu konzipiert und gestaltet: Wie in der Landfrauenschule

Autor:

Frank Westermann

Der Helm ist es. Und zwar bestens, denn nichts schätzt Historiker und Museumschef Rolf-Bernd de Groot mehr als Exponate, mit denen sich gelebte Geschichte erklären lässt: eine Öllampe, die den Steigern leuchtete, oder ein Hammer, mit dem die Kohle aus dem Berg geschlagen wurde. Vor allem Kindern sei die Stadt- und Industriegeschichte damit nahe zu bringen. Das trifft für die Mineraliensammlung des Museums nur bedingt zu. Sie wurde ihr über eine Stiftung einst von Heinrich Meier aus Rolfshagen vermacht, ist aber nur für Spezialisten hochinteressant - der gewöhnliche Besucher wendet sich nach einem kurzen Blick eher anderen Ausstellungsexponaten zu. Der mangelnde Publikumszuspruch ist nicht der einzige Grund, weshalb de Groot die umfangreiche Mineraliensammlung gerne reduzieren möchte. Denn ein großer Teil besteht aus Kali-Salzen aus dem Bereich Hagenburg, in Obernkirchen selbst wurde nie Kali abgebaut. De Groot würde größere Teile der Sammlung daher gerne dem Hagenburger Kali-Museum übergeben - und hätte wieder mehr Platz in der ehemaligen "Weißen Schule". Diesen Platz könnte er in diesem Jahr gut gebrauchen, denn es stehen ein bis zwei Jubiläen an. Vor hundert Jahren wurde der Grundstein für die katholische Kirche gelegt, nach gut 50 Jahren hatten die Mitte des 19. Jahrhunderts in das hundertprozentig evangelische Obernkirchen eingewanderten Bergarbeiter endlich genug Geld für den Bau ihrer eigenen Kirche gesammelt, die ein Jahr später eingeweiht wurde. Nicht nur wegen der engen Museumsverbundenheit der an der Stadtgeschichte höchst interessierten Kolping-Familie würde dies also passen, sondern auch wegen der angestrebten Aufmerksamkeit für die dannausgestellten Exponate - Stadtgeschichte wirkt auf Besucher erfahrungsgemäß immer am stärksten, wenn sie sich auf Jubiläen beziehen kann. Das zweite Jubiläum ist eigentlich schon ein bisschen vorbei: 1906 zog die Verwaltung in das jetzige Rathaus ein. Aber wie auch immer: Weil das Museum wegen des Symposiums sein traditionelles Fest ausfallen lassen musste, soll in diesem Jahr ein buntes Museumsfestprogramm mit viel Musik und Theater zusammengestellt werden. Denn das Fest istüberlebenswichtig für das Museum: Dort wird das Geld verdient, mit dem dann ein großer Teil der Rechnungen bezahlt werden kann, die für Strom, Wasser, Heizung oder Licht ins Haus flattern. Immerhin fallen pro Jahr fast 8000 Euro an Betriebskosten an, die der Trägerverein Kulturfenster zu zahlen hat. Da ist es schon eine nicht geringe Leistung, wenn darüber hinaus noch Mittel für Neuanläufe, Neustrukturierungen oder einfach nur Reparaturen zur Verfügung stehen. 2006 war ein Jahr, in dem im Museum vieles umstrukturiert wurde: der Sandsteinbereich ist jetzt deutlichübersichtlicher geworden, der Raum der Landfrauen ist (allein) schon einen Besuch wert. Dort ist auch, ganz nebenbei bemerkt, zu sehen, wie aufgeschlossen die Maiden der Landfrauenschule der modernen Technik waren: Sie waren mit die Ersten, die in Obernkirchen über die Trafostation Strom bezogen.So konnten einige Geräte auf elektrischen Antrieb umgestellt werden. Und wer je die Sahne so lange im berühmten Kollerfass hin und her bewegt hatte, bis sie zu Butter geworden war, der ahnt, welcher wirkliche Antrieb sich hinter der Fortschrittszuwendung verbarg. In diesem Jahr wird das Stadt- und Bergmuseum endlich auch dort zu Hause sein, wo sich schon die halbe Welt tummelt: Es wird eigene Seiten im Internet geben, auch ein virtueller Rundgang ist dort geplant. Mehr Platz könnte de Groot vielleicht schon Ende des Monats gut gebrauchen. Dann wird nämlich das Magazin in der Zehntscheune des Stiftes ausgelagert. Es ist ein Ort, so schwärmt Historiker de Groot, der bestens geeignet sei, um dort den zweiten Teil vom Namen der Rose zu drehen: Eine Scheune voller historischer Exponate, von denen jedes seine eigene Geschichte erzählt. Spannend und wahr wie die eines Lederhelms.



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