weather-image
53-Jährige aus Tel Aviv besucht Friedhof an der Ostertorstraße

Na'ama Brill auf den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren

Rinteln (dg). Na'ama Brill (53) kommt beruflich oft nach Deutschland. Sie lebt in Israel, in der Nähe von Tel Aviv, und ist Israel-Vertreterin auf der Kölner und Düsseldorfer Messe. Sie spricht gut deutsch. Und das nicht nur für den Beruf. Sie hat ihre Wurzel in Deutschland, genauer gesagt in Rinteln. Ihr Großvater Julius Brill wurde hier geboren.

veröffentlicht am 09.10.2007 um 00:00 Uhr

Na'ama Brill auf dem jüdischen Friedhof in der Ostertorstraße zw

Jetzt ist sie zum ersten Mal nach Rinteln gekommen, zusammen mit einer Freundin aus Osnabrück. Es war ein Geburtstagsgeschenk, das sie sich selbst gemacht hatte. Empfangen und durch die Stadt begleitet wurde sie von der Archivarin Dagmar Giesecke, die sich seit einigen Jahren intensiv mit der Geschichte der Juden in Rinteln beschäftigt und neben einem Stammbaum der jüdischen Brill-Familien auch aus Quellen des Staatsarchivs Bückeburg und des Stadtarchivs Rinteln Informationen über die Familie zusammengestellt hatte. Nach einem intensiven und bewegenden Informationsaustausch bei Kaffee und Eis auf dem Marktplatz folgte ein Besuch auf dem jüdischen Friedhof in der Ostertorstraße. Die meisten Familienmitglieder von Na'ama Brill liegen auf dem neuen Teil des Friedhofs. Nur Lina Brill hat ihr Grab auf dem alten Teil, der seit Anfang des 20. Jahrhunderts Eigentum der Stadt Rinteln ist. Tief berührt und gleichzeitig aufgewühlt verließ Na'ama Brill den Friedhof, konnte sie nun wieder "Puzzleteile" ihrer Familiengeschichte zusammenführen. Unbedingt sehen wollte Na'ama Brill auch die Häuser Seetorstraße 9 und Dauestraße 1, wo heute das Job-Center steht. Beide Grundstücke waren im Eigentum ihrer Vorfahren Adolf und Isidor Brill. Adolf Brill ließ das Haus Dauestraße 1 erst in den zwanziger Jahren erbauen. Und er war in Rinteln das erste jüdische Todesopfer in der NS-Zeit, umgekommen Ende 1938 im Konzentrationslager Buchenwald. Das Grundstück von Isidor Brill war in der NS-Zeit eines der beiden Judenhäuser, in dem die jüdische Bevölkerung 1941 zusammengepfercht wurde, bevor auch in Rinteln 1942 alle Juden deportiert wurden. Na'ama Brill war zum Ende ihres Besuches emotional sehr berührt. "Dieser Ort ist so ruhig und friedlich, wie konnte solch ein Unrecht hier passieren?", war ihr Fazit nach viereinhalb Stunden Aufenthalt. Es wird nicht Na'ama Brills letzter Besuch in dieser Stadt gewesen sein. Beinahe unbemerkt verließ sie die Stadt wieder - denn bislang werden derartige Besuche nur auf privater Ebene zur Kenntnis genommen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt