weather-image
24°
Bauherren können selbst bestimmen

Mythen und Missverständnisse zum Bauen nach Energiesparverordnung

veröffentlicht am 07.06.2017 um 14:23 Uhr

Bei einem energieeffizienten, EnEV-gerechten Neubau müssen Baufamilien grundsätzliche Kennwerte zum gesamten Energieverbrauch und den Wärmeverlusten einhalten. Foto: djd/Bauherren-Schutzbund

Wer heutzutage baut, kommt an der Energieeinsparverordnung (EnEV) nicht vorbei. Doch über das, was sie tatsächlich vorschreibt, sind oftmals falsche Vorstellungen im Umlauf. Erfüllen nur noch Wärmepumpen oder bestimmte Dämmungen die Vorgaben? Sind Lüftungsanlagen zwingend vorgeschrieben? Ist der Wandaufbau eines bestimmten Anbieters die einzig wahre Lösung zur Erfüllung der EnEV-Vorgaben?

„Die aktuelle EnEV 2014 ist prinzipiell systemneutral und systemoffen“, erklärt Dipl.-Ing. Marc Förderer, Bauherrenberater beim Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB). Sie verpflichte zwar zur Anwendung bestimmter Normen und Berechnungsregeln, bestimmte Baustoffe oder Anlagentechniken schreibe sie aber nicht vor, so Marc Förderer.

Zwei Kennwerte sind in der Nachweissystematik besonders wichtig: Der Primärenergiebedarf (QP) und der Transmissionswärmeverlust (HT), die beide gegen ein definiertes Referenzgebäude zu vergleichen sind. Der Primärenergiebedarf beschreibt den gesamten Energiebedarf eines Gebäudes. Zu berücksichtigen ist dabei ein sogenannter Primärenergiefaktor, der je nach Energieträger unterschiedlich ist, bei Gas etwa 1,1, bei Holz 0,2, bei Solarenergie 0,0 oder bei Strom 1,8. Darin abgebildet sind auch Energieverbrauch und Umweltbelastung für Erzeugung, Transport und Ähnliches. Der Transmissionswärmeverlust benennt die Energieverluste über die gesamte Hüllfläche des Hauses nach außen, also über Dach, Außenwand, Fenster und Kellerwände.

Wie sie bauen, können Bauherren selbst bestimmen, sofern das neue Haus bestimmte Kennwerte aus der EnEV einhält. Foto: djd/Bauherren-Schutzbund
  • Wie sie bauen, können Bauherren selbst bestimmen, sofern das neue Haus bestimmte Kennwerte aus der EnEV einhält. Foto: djd/Bauherren-Schutzbund

Wie die EnEV-Ziele erreicht werden, lässt der Gesetzgeber offen. So kann auch heute noch ohne Außendämmung gebaut werden, wenn die Wechselbeziehung zwischen Anlagentechnik und Gebäudehülle entsprechend ganzheitlich geplant sind.

Und auch eine Gasheizung ist heute noch einsetzbar, wenn dafür andere Komponenten verbessert werden, zum Beispiel durch bessere Dämmung oder Einbindung einer Solaranlage. Die Wärmepumpe ist also keine Pflicht, auch wenn sie durch die Verbesserung des Primärenergiefaktors für Strom von 2,4 auf 1,8 heute gut bewertet wird. „Grundsätzlich wird das Wohnhaus in Gänze betrachtet. Einzelne Komponenten können die Referenzvorgaben der EnEV erfüllen. Ob dies dann aber für das gesamte Gebäude der Fall ist, ergibt sich aus der Bilanzierung und Bewertung aller Komponenten“, erklärt Marc Förderer.

Bis Ende 2020 sollen alle neuen Gebäude Niedrigstenergiegebäude sein, also Häuser mit sehr hoher Gesamtenergieeffizienz und einem Energiebedarf gibt es folgende aktuelle Trends zur Erreichung dieses Ziels: zum Beispiel dezentrale Energieversorgungssysteme auf Basis erneuerbarer Energien, Kraft-Wärme-Kopplung, Fern-/Nahwärme und Wärmepumpen. Unter der Maxime „die günstigste Kilowattstunde ist die, die wir nicht verbrauchen“ gibt es auch Überlegungen, das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) und die EnEV stärker zu verzahnen. Auch dies wird Neubauten betreffen.

Verbraucher, die sich auf dem Laufenden halten wollen, finden auf www.bsb-ev.de Infos und unabhängigen Expertenrat zum Bauen heute und morgen.

Wer weitere Informationen zum Bauen mit EnEV sucht, findet auch unter den lokalen Experten kompetente Ansprechpartner. djd

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare