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Musikalische Lesung: Drei Künstler erzeugen mit deutschen Balladen eine magische Stimmung in der Musikschule

Mythen und Märchen der Geschichte werden lebendig

Bückeburg (mig). "Die ich rief die Geister ...": Eine gelungene Auferstehung hat dieser Tage die so oft totgesagte Deutsche Ballade erlebt. Gemeinsam mit Pianistin Gabriele Müller gastierten die Rezitatoren Antje und Martin Schneider in der Bückeburger Musikschule der Märchensänger.

veröffentlicht am 15.11.2008 um 00:00 Uhr

Beschwören Balladen-Geister: Gabriele Müller, Martin Schneider u

Die von derörtlichen VHS organisierte Veranstaltung befasste sich mit der rund 200 Jahre alten deutschen Kunstballade. Diese Form hat ihre Wurzeln im Lied und Märchen, an ihr versucht haben sich unter anderem Goethe und Schiller, Fontane und Bürger. Ein Thema der Ballade ist das Erlebnis des "ganz Anderen"- deutlich wird das beispielsweise am "Erlkönig" (Goethe) oder dem "Feuerreiter" (Mörike). Oft lief den Zuhörern angesichts des Irrationalen und Numinosen ein Schauder über den Rücken. Antje und Martin Schneider verstanden es - im Duett und in wechselnden Rollen - trefflich, die Mythen und Märchen der deutschen Geschichte lebendig werden. Clemens Brentanos Lorelei und Johann Gottfried Herders Erlkönig schufen im Verein mit der kongenialen Klaviermusik von Gabriele Müller eine fast magische Stimmung. Der zweite Teil des Programms setzte mit lustigen, fast epischen Balladen von Adalbert von Chamisso ("Die Weiber von Winsperg") und August Kopisch ("Die Zwerge von Pinneberg") den nötigen Kontrapunkt. Vorangestellt hatten Antje und Martin Schneider ihrer literarisch-musikalischen Reise Klabunds "Deutsches Volkslied". Diese reflexive, historisierende Ballade versammelt Fundstücke aus anderen Balladen zu einem neuen Ganzen - "Kaiser Rotbart im Kyffhäuser saß, An der Wand entlang, an der Wand, Wer nie sein Brot mit Tränen aß, Bist du mein Bayernland" - und versinnbildlichte so das literarische Programm des Abends. "Wir haben Ihnen eine explosive deutsche Mischung mitgebracht", meinte Martin Schneider zur Einleitung: "Ein Wechselbad der Gefühle zwischen wohliger Heimatverbundenheit und gefährlichem Nationalismus." Und so war die Rückschau auf die Deutsche Ballade zugleich eine Bestandsaufnahme "deutscher Geschichte". Hellsichtig mahnten - gerade auch an diesem besonderen Sonntag - Goethes "Zauberlehrling" und Heines "Belsazar".



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