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Gedenktag "Gewalt gegen Frauen": Frauenhausbeirat weist auf Biss, Basta und Frauenhaus hin

"Mut haben, selber die Polizei zu rufen"

Stadthagen (sk). Der Frauenhausbeirat hat anlässlich des weltweiten Gedenktages "Gewalt gegen Frauen" am Dienstag auf die Arbeit dreier Hilfsorganisationen im Landkreis Schaumburg hingewiesen, an die sich Frauen, Mädchen und Kinder im Falle häuslicher Gewalt wenden können.

veröffentlicht am 27.11.2008 um 00:00 Uhr

Ingetraud Wehking (M.) wünscht sich in den Schulen mehr Aufkläru

Bis zur Entwicklung und schließlich Verabschiedung des Gewaltschutzgesetzes vor sieben Jahren habe sich die Politik kaum um das Thema "Gewalt in Familien" gekümmert, erinnerte die Beiratsvorsitzende Gudrun Wolter. Heute erhielten Frauen "Schützenhilfe vom Staat", zeigte Gabriele Dransfeld auf, Leiterin der Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt in Stadthagen (Biss). Im Gegensatz zur Mädchen- und Frauenberatungsstelle Basta e.V., die bereits seit 20 Jahren im Frauenzentrum existiert und die Frauen und Mädchen aus eigener Initiative aufsuchen, verfolgt die Biss einen proaktiven Ansatz. Tritt die Biss in Aktion und meldet sich bei einer betroffenen Frau, ist dem ein Polizeieinsatz vorausgegangen. Den allerersten Schritt jedoch wagen auch hier vermehrt die Betroffenen. Immer mehr Frauen "haben den Mut, selber die Polizei zu rufen", berichtete Marion Klose, im Stadthäger Polizeikommissariat zuständig für Kinder- und Jugendkriminalität. Früher hätten oft Nachbarn oder Freunde Alarm geschlagen. Als letzter Ausweg, um einer Bedrohung zu entfliehen, bietet sich Frauen das Frauenhaus an. Hier kommen Frauen "nicht zur Beratung, sondern sie leben bei uns", zeigte Frauenhausmitarbeiterin Doris Weide den Unterschied zu Biss und Basta auf. Um die Sicherheit der Hilfesuchenden zu gewährleisten, ist es inzwischen möglich, dass Frauen auch in Frauenhäuser anderer Landkreise oder gar Bundesländer untergebracht werden können. Das sei jetzt ganz unproblematisch, freute sich Dransfeld. Wolter lobte, dass Biss, Basta, Frauenhaus und Polizei gut vernetzt miteinander arbeiten und fest etabliert seien. Nach wie vor jedoch müsse man die Anlaufstellen für Hilfe immer wieder ins Gespräch bringen und Frauen einladen, sich Hilfe zu holen. Dies sei umso leichter, je früher man dazu den Mut fasse, betonte Wolter. Vor allem im Interesse betroffener Kinder sei es wichtig, nicht in einer negativen bedrohlichen familiären Situation zu verharren. Dass sich immer mehr Lehrer trauen, bei auffälligen, eventuell von häuslicher Gewalt betroffenen Schülern "hinzugucken", freut Basta-Leiterin Ingetraud Wehking. Lehrer fühlten sich zum Nachfragen und zu Gesprächen ermutigt, weil sie wüssten, wo Hilfe zu bekommen sei, eben bei Basta oder Biss. Wehking wünscht sich darüber hinaus an den Schulen mehr Aufklärungsarbeit in Sachen häuslicher Gewalt. Auch wenn andere Bereiche thematisiert würden, etwa Empfängnisverhütung oder Berufswahl, komme das Thema Gewalt schnell auf den Tisch. Es fehle den Schülern oft nur die gefühlte "Erlaubnis, dass man darüber reden darf."



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