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Überzeugendes Festkonzert im Saal des Geburtstagsgebäudes

Musikalische Wertarbeit der Göttinger Symphoniker zum 100.

Bückeburg (dis). Dass die Göttinger Symphoniker und ihr agiler Leiter Christoph Mueller für das Jubiläumskonzert zum 100. Geburtstag des Rathauses genau die Richtigen waren, haben sie nachdrücklich bei ihrem festlichen Auftritt im großen Rathaussaal bewiesen.

veröffentlicht am 11.10.2006 um 00:00 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

Die langjährigen Gäste des Kulturvereins brachten für ihre klingenden Geistesblitze Ausdruckskraft, die nötige Wendigkeit und unbedingten Einsatzwillen mit. Bereits in Beethovens Ouvertüre zu dem Festspiel "Die Weihe des Hauses" gingen der temperamentvolle Dirigent und das Team in die Offensive und servierten eine akzentuierte Umsetzung von einem wenig bedeutenden Auftragsstück. Dieser Beethoven und später Wagners lebendig verwirklichter Kaisermarsch für großes Festorchester (und Volksgesang) kamen in abwechslungsreicher Ausleuchtung daher und deuteten an: Handwerkliche Sorgfalt ist nicht bloß eine Würzzutat, sondern geradezu die Grundsubstanz in Christoph Muellers Rezeptur. Beide Kompositionen erlebten übrigens am 8. Oktober 1906 zur Einweihungsfeier des Rathauses ihre Bückeburg-Premiere. Danach folgte das aus ganz anderem Holz geschnitzte, virtuose, zuweilen auch sentimentale Konzert für Violine und Orchester, Nr. 3, h-Moll, op. 61, von Camille Saint-Saen. Sympathisch perfekt und märchenhaft sicher spielte sich die vom Orchester gewandt und klug begleitete Geigerin Anna Reszniak mit warmem Ton durch die mit kniffligen Passagen gespickte Partitur. In sich selbst und in die Notenwelten versunken, ging die Solistin der typischen Saint-Saen Sanglichkeit nach, ohne im Andantino ins nur Süßliche abzugleiten - und dieGrenze dazu liegt verflixt nahe. Die Eleganz und Raffinesse des Franzosen blieben in Anna Reszniaks Dokumentation ebenfalls nicht außen vor. Langer Beifall, keine Zugabe, was nach solch einem "Brocken" (Widmungsträger: Pablo de Sarasate) verständlich ist. Christoph Mueller wusste, dass er nach der Pause mit Schumanns "Rheinischer Sinfonie" erneut die Chance zu einer Menge Gestaltungswillen haben würde. Die nutzte er zu plastischer Ausformung mit einem quirligen Rheinfall im Kopfsatz, bei dem er die Anweisung "lebhaft" genauso ernst wie im Schlusssatz nahm. Dazwischen viel Anschauliches und Beschauliches sowie eine Orchesterleistung, die herzlich gefeiert wurde und zwei Extrabeiträge - darunter ein feuriger "Ungarischen Tanz" - nach sich zog.

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