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Thüringer Philharmonie beschließt musikalische Saison

Musikalische Vitamine gegen die Winterdepression

Bückeburg. Sie sind rar, diese Augenblicke, in denen einfach alles stimmt. Dann wird es ruhiger als gewöhnlich. Die Menschen vergessen, dass sie husten oder mit ihrem Programmheften rascheln könnten. Es ist diese konzentrierte, diese knisternde Stille. Die Stille, nach der sich jeder Künstler sehnt. Ja, es gab sie, die vollkommenen Momente und zwar in einem insgesamt gesehen ansprechenden Konzert, das die "Thüringer Philharmonie Gotha-Suhl" unter Leitung von Herrmann Breuer für den Kulturverein im gut besetzten Rathaussaal bestritten hat. Besagte Momente waren kostbar genug, um der ganzen Veranstaltung, die mit der "Sinfonia d-Moll" vom Bückeburger Bach, dem Mendelssohn Bartholdy-Konzert für Violine, Klavier und Orchester sowie Tschaikowskis "Serenade für Streicher" aufwartete, etwas Denkwürdiges zu verleihen.

veröffentlicht am 13.02.2007 um 00:00 Uhr

Mit viel Beifall bedanken sich die Zuhörer bei der Thüringer Phi

Autor:

Dietlind Beinßen

Streicheleinheiten fürs Gemüt lieferte zum Auftakt Johann Christoph Friedrich Bachs Sinfonia, deren Cembalo-Part Friedhelm Wörmann übernahm. Mit einer ausgewogenen Mischung von kantabler Linienführung und spielerischem Elan pflückten die Instrumentalisten die motivischen Details genussreich vom Bach´schen Melodienbaum, um sich danach Mendelssohn Bartholdy zuzuwenden. Die Skala der Satzfolgen, die sich der damals erst 14-jährige Komponist für sein stimmungsvolles Doppelkonzert ausdachte, verlangt von den Interpreten viel Einfühlungsvermögen, über das die edel intonierende Violinistin Melina Mandozzi und die feinfühlige Pianistin Ulrike Payer aufs Schönste verfügten. Die charakteristische Atmosphäre wurde von den Solistinnen in deren divergierenden Partien mit schwungvoller, getragener und zierlicher Ausdruckskraft voll erfasst, zumal Geigen- und Klaviertimbre in harmonischer Einheit verschmolzen. Obendrein begleitete das Orchester die lebhaften Wechselgespräche wachsam auf jede Nuance bedacht. Kurz gesagt: Das Ensemble musste diese Seelenmassage im deutschen Schmuddelwinter nicht erst erobern, sondern ließ sie klingen und setzte die thematischen Stimmungskontraste gespürvoll in Szene. Mit seinem sparsamen, aber präzisem Dirigat hielt Hermann Breuer alle Fäden in der Hand. Der große Applaus erwirkte die Zugabe von einem temperamentvollen Piazolla-Leckerbissen. Der Abend endete mit Tschaikowskys Serenade, die man hier mit besonders viel Pathos und einschmeichelnder Eleganz realisiert hörte. Der Vortrag wirkte ansteckend und sorgte dafür, dass der Walzer beschwingter als sonst durch den Raum schwebte und die anschließende Elegia nicht von Schwermut erdrückt, sondern nur von einem wehmütigen Hauch gefärbt wurde. Diese musikalischen Vitamine gegen jede Art von Februar-Depression lösten reichlich Beifall aus, für den die Gäste aus Thüringen noch einmal den Walzer spendierten.

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