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Hinreißendes Musikkabarett in der "Nachtausgabe" / Wunschtitel auf Zuruf

Multitalent Armin Fischer bietet Kur für Trommel- und Zwerchfell

Bückeburg (dis). Es hätte gutes Musikkabarett werden können. Aber es wurde mehr: ein außerordentliches, amüsantes und überraschendes Erlebnis. Gemeint ist die von unserer Zeitung und der Volksbank in Schaumburg organisierte jüngste "Nachtausgabe" mit dem Pianokünstler und charmanten Entertainer Armin Fischer in der ausverkauften Schalterhalle des Kreditinstitutes.

veröffentlicht am 08.03.2007 um 00:00 Uhr

Klaviervirtuose mit viel Sinn für Humor: Armin Fischer überzeugt

Autor:

Dietlind Beinßen

Ein Klavier, eine Melodika und einen hinreißenden Interpreten - mehr brauchte es nicht für eine Show, die jedermanns Nerv treffen musste. In den ersten Minuten durften die Zuhörer noch ein bisschen skeptisch bleiben, weil der befrackte Armin Fischer seine Klangfarben zum Thema "Mozarts Liebeskugeln" nur ganz dezent tupfte, doch dieses war absichtsvoll inszeniert. Dass man jedoch nicht immer die ganze Schießbude auspacken muss, um Volltreffer zu erzielen, bewies das witzige und geistreiche Tasten-, Sprach- und Gesangsgenie auf wohltuend subtile Art gemessene zweieinhalb Stunden lang - aber gefühlt viel kürzer. Eine Kur für Trommel- und Zwerchfell gab´s an diesem Abend übrigens gratis: denn nichts, was das Allroundtalent anpackte, entsprach der Norm. Da wurden - aufgezogen an Mozarts drollig erzählter Lebensgeschichte - bekannten Melodien des Komponisten und seiner Kollegen wie Chopin oder Bach hemmungslos verfremdet, Rhythmen in neue Bahnen gelenkt, die sich mit anderen überschnitten und ein kurioses Eigenleben begannen. Erstaunlich, was der sympathische Profi aus dem "Wohltemperierten Klavier", der durch Feuerwehrsignale ins Leben gerufenen "Kleinen Nachtmusik" und den mit zwei Fingern zelebrierten Schmuse-Hits des "Schmalspurvirtuosen" Clayderman herauszukitzeln vermochte. Armin Fischer veralberte Herz-Schmerz-Gesänge wie "Ach, ich hab´in meinem Herzen", verstand sein Handwerk beim Vogelgezwitscher im "Mozart-Wellnesbad" aus dem Eff-eff und verlieh der "Schlagloch-Arie" der "Königin der Nacht" - Mozart verbrachte ein Drittel seines Lebens in der Kutsche - eine genauso verblüffende Interpretation wie Schuberts übersäuerter "Forelle". Besonders nett fielen die Schlenker zu den reizend realisierten Musette-Walzern und der umwerfend komisch vom Solisten selbst "gestreckten" Oper "Zauberwald" aus, der Mozart nur ein paar Takte gewidmet haben soll. Der zwischendurch als Barpianist auftauchende Meisterhatte sein dankbares Publikum fest Griff, zumal es sich durch Wunschtitel-Zurufe immer wieder einmischen durfte. Was der Lippstädter dann anschließend daraus improvisierte, war wundertütenbunt und herrlich klangvoll. Imponierend fiel auch der Zugabenreigen aus, der mit seiner deklamierten imposanten Löwen-Ballade endete.

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