weather-image
Leiter der Wildnisschule bedauert Abschuss von Bruno / In Wennenkamp kann manÜberleben in der Natur erlernen

Müller ist sicher: Der nächste Bär kommt bestimmt!

Wennenkamp (who). Braunbär Bruno ist erlegt, Ralph Müller, der eine "Wildnisschule" in Wennenkamp betreibt, bedauerte das gestern: "Bären suchen sich halt ihre Beute, um zu leben. Meiner Meinung nach hätte man Bruno am Leben lassen können und einfach nur die Besitzer der Tiere entschädigen, die er gerissen hat."

veröffentlicht am 27.06.2006 um 00:00 Uhr

Klassenzimmer im Freien - und in der Pause wirdüber dem Lagerfeu

Müller ist sich aber ganz sicher: "Es wird nur eine Frage der Zeit sein und der nächste Bär ist da." Er nimmt an, dass weitere Bären aus Osteuropa kommen werden, allein schon wegen der rückläufigen Bejagung und aus Gründen des internationalen Artenschutzes. Ralph Müller ist "Wildnislehrer". In seiner Wildnisschule gibt es nur ein einziges Klassenzimmer - und das ist riesengroß, nämlich die freie Natur unter freiem Himmel. Und die liegt für Müller und seine Schüler genau so in Wennenkamp wie in Kanada oder auch Masuren, wo er gerade fünf Teilnehmer einer 15-tägigen Kanutour begleitet hat. Was Wildnisschule ganz praktisch bedeutet, erklärt Müller am Beispiel seiner letzten Exkursion: "Die Philosophie der Kurse ist es, nicht nur Natur und Landschaften theoretisch kennen zu lernen und dort zumindest eine kleine Weile zu leben. Dazu gehört auch, dass wir zuvor erworbene Fertigkeiten anwenden." Für ihn und seine Schüler bedeutet das: vorbereitendes Training im Wildnislager in Wennenkamp. Dort lernen die Teilnehmer, wie man ohne die Hilfsmittel der so genannten zivilisierten Gesellschaft zurecht kommt: Feuer machen ohne Streichhölzer, Essbares in der Natur finden oder draußen im selbstgemachten Unterstand übernachten. Ebenso gehört dazu, Spuren der Tiere im Wald oder am Bach zu erkennen und deren Verhalten zu deuten. Bei Touren wie zuletzt durch Masuren, erzählt Müller, "fließen erlerntes Wissen und Fertigkeiten wieder zusammen". Eine wunderschöne Landschaft habe die Reisegruppe dort vorgefunden. "Alles ist zwischen 50 und 100 Jahre hinter unseren deutschen Kulturlandschaften zurück, besonders, was Pflanzen- und Tierwelt angeht", schwärmt er. "Wir haben Fisch- und Seeadler beobachtet sowie Biber und Fischotter und Elche gesehen, sogar Wolfsspuren gefunden." Und Bären sind für Müller und seine Schüler auch kein Problem, sonst dürften sie weder nach Kanada noch nach Masuren reisen. Für Ralph Müller hat das Wort "Wildnis" keinen negativen Anstrich - im Gegenteil. "Die Naturvölker dieser Erde haben für Wildnis keinen eigenen Ausdruck, logisch, denn die so genannte Wildnis, wie wir sie verstehen, ist ihre Heimat, in der sie leben - und mit der sie leben." Die Unterscheidung zwischen Zivilisation und Wildnis sei der eigentliche Anfang der Entfremdung von Mensch und Natur gewesen, glaubt Müller. "Wir sollten wieder lernen, wie natürliche Kreisläufe funktionieren." Die zurzeit acht Wildnisschulen in Deutschland haben es sich zum Ziel gesetzt, den Menschen wieder den Blick für ihre Umwelt zu öffnen, so Müller. "Jede Schule hat dabei ihre eigenen Spezialitäten und Reiseziele." Müller orientiert sich am Lehrsystem des Amerikaners Tom Brown, der wiederum Überlebenstechniken wie Naturerleben von dem Apachen Stalking Wolf übernommen hat - Wissen und Erfahrungen, die sonst verloren gegangen wären. Das neueste Angebot des Wahl-Wennenkämpers sind gemeinsame Wochenendkurse für Eltern und Kinder. Beim "Abenteuer Wildnis" im Taubenberg sollen sie sich dem Thema nähern. Schon an diesem Wochenende komme die nächste Gruppe von sieben Erwachsenen und Kindern ins Wildnislager am Wennenkämper Hoppenberg. "Eine gemeinsame Erlebniszeit, die man nicht vergisst", verspricht Müller. Das nächste Erlebniswochenende in Wennenkamp steht auch schon fest, und zwar für die Zeit vom 14. bis zum 16. Juli. Bislang kommen die Schüler aus ganz Deutschland in den Taubenberg. Vielleicht ändert sich das bald. "Denn: Eigentlich gilt der Prophet im eigenen Land ja nichts", weiß Müller, "aber als ich vor einiger Zeit einen Natur-Vortrag im Dorfgemeinschaftshaus angeboten habe, sind um die 40 Leute gekommen und wollten spontan mehr hören." Informationen finden sich auch im Internet unter www.Natur-Wildnis-Schule.de .

Ralph Müller zeigt, wie man fachmännisch mit Pfeil und Bogen umg
  • Ralph Müller zeigt, wie man fachmännisch mit Pfeil und Bogen umgeht.
Feuermachen ohne Streichholz - pusten wichtig.
  • Feuermachen ohne Streichholz - pusten wichtig.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare