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Mühlen, Maschinen, Moneten

Was überwiegt eigentlich: Ist das Weserbergland eine starke Wirtschaftsregion – oder ist diese Region doch eher eine strukturschwache? Sicher ist hier nicht Boomtown, aber dennoch gibt es zwischen Hameln und Bad Pyrmont neben dem so eminent wichtigen Mittelstand auch große und kleine Firmen von Weltruf. Die Dewezet hat sie alle begleitet in den letzten Jahrzehnten.

veröffentlicht am 16.03.2018 um 15:58 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
Ein Rückblick in die Geschichtsbücher: Die Stadt Hameln, und damit auch immer die Region, ist schon in früheren Jahrhunderten relativ gut aufgestellt gewesen. Im Jahr 1426 wird Hameln Mitglied der Hanse – was von äußerst großer Bedeutung ist. Gut 200 Jahre später (1635) wird die erste städtische Mühle gebaut – mit wegweisender Bedeutung. Noch einmal gut 200 Jahre später nimmt Hameln an der Moderne des 18. Jahrhunderts teil: Die Gasanstalt wird gebaut (1861), der Anschluss an das Bahnnetz folgt (1872), die erste Fernsprechleitung wird eingeweiht (1881), schließlich folgt das Wasserwerk (1895). Die innere Infrastruktur stimmt also, und die äußere ist durch die Weser eigentlich immer gegeben. Schließlich darf nicht vergessen werden, was die Weser für Hameln immer bedeutet hat: Sie war Schifffahrts- und damit Transportweg, Hameln war dadurch Ladestation und Umschlagplatz, die Stadt besaß das damals fast unbezahlbare Stapelrecht. Und ohne die Schleuse lief nicht viel auf der Weser – egal, ob es nun um Holz, Getreide oder andere Handelsgüter ging.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurde die Bedeutung der Weser als Wirtschaftsfluss umgewidmet: Heutzutage ist der Fluss kaum noch als Transportweg gefragt, dient aber als Kühlaggregat für das Atomkraftwerk in Grohnde, das mehrfach Strom-Weltmeister gewesen ist und in ein paar Jahren abgeschaltet wird. Nicht zu vergessen ist die Bedeutung des Weserberglandes als Tourismusregion. In den Zeiten des Wohlstandes ist das Geschäft mit den Touristen hierzulande zu einem der wichtigsten überhaupt geworden.

Dabei erklingen in der „Hall of Fame“ der Hameln-Pyrmonter Wirtschaft vor allem viele Namen aus der Industrie und von Dienstleistern: Norddeutsche Automobilwerke, Concordia, AEG, Reintjes, Lenze, BHW, Rigips, Aerzener Maschinenfabrik, ABG (heute Volvo), Vogeley, Stephan-Werke, Arminius-Werft, Wini, Wilkhahn, Haworth (früher dyes), Symrise (früher Dragoco sowie Haarmann & Reimer), Phoenix Contact – um nur einige zu nennen. Einige gibt es nicht mehr, andere unter anderem Namen. Über alle Veränderungen hat die Dewezet berichtet.

Ein eigenes Kapitel schrieb dabei die Hamelner Automobilgeschichte: 1907 wurden die Norddeutschen Automobilwerke (N.A.W.) gegründet. 1908 begann das Werk mit der Produktion des Personenkraftwagens Colibri, ab 1911 kam das Modell Sperber dazu. 1917 übernahm die Firma Selve aus dem Sauerland die N.A.W, stellte aber 1929 die Produktion infolge der Weltwirtschaftskrise ein. Zu Beginn der Nazi-Zeit wurde das Werk als Deutsche Automobilwerke AG reaktiviert, überlebte aber nicht die Konkurrenz aus Wolfsburg – das war das Ende der Hamelner Automobilindustrie.

Die in der jüngsten Geschichte wohl bedeutendsten Wirtschaftsnachrichten waren jene im Jahr 2005 über den Verkauf des BHW. Am 25. Oktober 2005 titelte die Dewezet: „Postbank: BHW-Verkauf ist perfekt.“ Einen Tag vor allen anderen Medien wusste die Tageszeitung im Weserbergland Bescheid – im Übrigen sehr zum Missfallen der BHW-Vorstandsetage. Doch wenn es um Hamelns Arbeitsplätze geht, hört die Dewezet auch ganz spät abends noch das Gras wachsen …



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