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Rodenberger Wahrzeichen bekommt neues Dach / "Erhabenes Gefühl" für Vereinsvorsitzenden

Mühle ist endlich wieder unter der Haube

Rodenberg (bab). Das Wahrzeichen von Rodenberg ist wieder komplett. Begleitet vom Glockengeläut aus der Stadt ist die Mühle am Mittwoch um Punkt zwölf Uhr unter die neue Haube gekommen. Anschließend wurden die Flügel in Zentimeterarbeit anmontiert.

veröffentlicht am 01.08.2008 um 00:00 Uhr

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"Ich hatte schon Angst, dass das nichts wird", sagt Marion Oberheide und verteilt Kaffee an die Handwerker. Die Schwester von Heinrich Krone, ehemaliger Besitzer der Mühle und Wirt der angrenzenden Gaststätte, war besorgt. Der Regen vom Vortag barg die Gefahr, dass der 60 Tonnen schwere Kran auf dem unebenen Gelände an der Mühle einsinkt. Und Wind hätte auch Schwierigkeiten gemacht. Es läuft aber alles hervorragend. Der Kranführer muss zuerst die rund 15 Tonnen schwere Haube auf das gerodete Feld nebenan hieven, damit er mit dem Kran näher an die Mühle heranfahren kann. Erst nachdem er die ideale Position gefunden hat, kann die Kappe in die Höhe gehoben und auf das Mauerwerk gesetzt werden. Schaulustige, die zwischen neun und zehn Uhr gekommen sind, haben mit langen Wartezeiten gerechnet und sich Stühle und Decken mitgebracht. Einige nutzen das Spektakel, um zu picknicken. Mit Stullen verköstigen Oberheide und Krone die Handwerker. Diese befestigen die schweren Ketten, die an der Traverse hängen, an den Stahlträgern, die unter der Kappe liegen und diese sicher in die Höhe tragen sollen. Nicht nur die Glocken läuten, als die tonnenschwere Last um 12 Uhr auf die Mühle gelassen wird. Auch der Nebel löst auf und die Sonne lässt sich blicken. Sogar aus Hannover sind Zaungäste angereist. "Ich kenne die Mühle seit 61 Jahren", sagt der 81-jährige Otto Ledowski, der damals mit 20 Jahren "zur Sommerfrische" nach Rodenberg gekommen ist. Seitdem liegt ihm der Platz über der Stadt am Herzen. Gespannt wirkt vor allem Heinrich Grabemann, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft zum Erhalt der Rodenberger Windmühle (IG Windmühle). Trotzdem findet er noch Zeit, dem Radiosender NDR 1 Interviews zu geben. Als das Dach endlich oben ist, befällt ihn ein "erhabenes Gefühl", wie er dem Radioreporter und der Lokalpresse gesteht. Gerade, wenn man so viel Zeit und Arbeit in den Wiederaufbau gesteckt habe, sei man froh, dass der Zeitpunkt endlich da ist. Vor einigen Tagen hat Grabemann zusammen mit seiner Frau Annemarie noch die Windmühlenflügel lackiert. Am Rande muss er zugeben, dass er von den Vereinsmitgliedern mehr Hilfe erwartet hätte. Zum Verschnaufen kommt der Vorsitzende, als die Haube sicher aufliegt. Auch die Handwerker machen Pause und stärken sich mit Erbsensuppe, die Krone gekocht hat. Anschließend ist Zentimeterarbeit in schwindelerregender Höhe gefragt. Die Flügel müssen von den Arbeitern der Rodenberger Dachdeckerfirma Hartmann und der Firma Pätzmann aus Winsen/Luhe mit jeweils vier Bolzen an der Nabe befestigt werden. Der Kranführer, der die Flügel positioniert, braucht Augenmaß. Auch der stellvertretende Vorsitzende der IG, Helmut Weikert, ist mit Gerät angerückt. Er hatte aus dem Rest des Stammes für die Flügelwelle noch einen Block für einen Tisch gefertigt, der vom Kran zur Mühle transportiert wird. Die Montage der Flügel beschert den Zuschauern ein einmaliges Erlebnis. Sie sehen, wie das Flügelkreuz gedreht wird. Danach werden die Attrappen für immer gesichert und festgestellt. Ende August wird es ein Windmühlenfest geben. Mit einem Tag der offenen Tür und einer Ausstellung soll das Ereignis gefeiert werden.

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