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Lange Staus, genervte Autofahrer, rennende Schüler / Busse mit erheblichen Verspätungen

Morgens um 8 war die Welt nicht in Ordnung

Hameln (kar/wul/mafi/tk). Hupen, wenden, Wutausbrüche am Steuer: Autofahrern brach in Hameln gestern Morgen der kalte Schweiß aus. Ganz so schlimm hatten sich viele Frühaufsteher, die mit dem Wagen unterwegs waren, den zu erwartenden Stau wohl nicht vorgestellt. 7.30 Uhr, Gartenstraße: Von hier aus in die Süntelstraße zu biegen, ist ein Abenteuer. In beiden Richtungen ist sie dicht. 7.45 Uhr, endlich Basbergstraße: Die Ampelanlage am Verkehrsknotenpunkt B 217/B 1 ist in Sicht, Polizisten regeln den Verkehr. Wieder heißt es Warten. Über eine halbe Stunde dauert die Fahrt von der Gartenstraße über die Basbergstraße zur B 217 – sonst keine zehn Minuten.

veröffentlicht am 16.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 18.06.2009 um 11:31 Uhr

8 Uhr, Kaiserstraße: Annalena, Jessica und Michelle gehen zusammen mit zig anderen Vikilu-Schülern die Straße hinunter – und kommen zu spät zum Unterricht. Ihr Bus aus Afferde hatte 25 Minuten Verspätung; bis zu 40 Minuten waren es bei anderen Linien, wie Öffi-Sprecherin Astrid Reinbach angibt, einige Verbindungen seien wegen der Staus ganz ausgefallen. Eltern von Schülern des Schiller-Gymnasiums beschweren sich, dass den Kindern ein Fußweg vom Bahnhof oder von der Deisterstraße zugemutet wurde. „Wir mussten die ganze Strecke sprinten, um nicht zu spät zu kommen“, berichtet ein Siebtklässler des Schiller-Gymnasiums aus Großenwieden. Unsicher habe er den Weg gefunden – der Elfjährige war die Strecke bisher nicht allein gegangen.

Reinbach verweist auf fahrplantechnische und personelle Gründe, die eine Direktverbindung vom Bahnhof zum Schiller-Gymnasium derzeit unmöglich machten. Schulleiter Andreas Jungnitz betont, er halte den Fußmarsch in dieser Situation für vertretbar. Der bis zu zwei Kilometer weite Weg sei per pedes wahrscheinlich schneller zurückgelegt als der mit dem Bus über die Weserbrücken oder die Basbergstraße. Die Schüler seien frühzeitig per Aushang informiert worden. Auf die mündlichen Abiturprüfungen hätten sich die Verkehrsprobleme gestern nicht ausgewirkt, und Klassenarbeiten würden jetzt kurz vor Schuljahresende nicht mehr geschrieben. „Einen Fahrplan-Aushang in der Schule habe ich nicht gesehen“, betont hingegen die 18-jährige Asja Fahlbruch und Gymnasiast Juri Kinderknecht bestätigt: „Informationen habe ich nur von Freunden und der Zeitung. Eine direkte Ansprache hat es nicht gegeben.“ Warum die Infos der Öffis anscheinend nicht angekommen sind, vermag Astrid Reinbach nicht zu sagen.

Auch die Verkehrsführung am Bahnhof ist geändert. Foto: wul

8.10 Uhr Bahnhof: Die Schüler sind inzwischen von der Bildfläche verschwunden, der Stau ist noch da. „Stopp, das ist ’ne Straße!“, ruft die Polizistin in der gelben Warnweste einer Frau hinterher, die gerade mit ihrem Kinderwagen über den Bahnhofsvorplatz Richtung Zebrastreifen schiebt. Als provisorische Kennzeichnung dieser neuen Straßenführung dienen zu diesem Zeitpunkt noch rot-weiße Pylone. Die Fahrbahnmarkierung konnte noch nicht angebracht werden, weil es, so die Begründung, in der Nacht geregnet hatte. Der im Stau stehende Lkw-Fahrer flucht wie ein Rohrspatz über die Verkehrsführung: „Wie kann man so blöd sein?“ Dass all das für den Tag der Niedersachsen passiert und am ersten Tag nicht ganz reibungslos läuft, ist ihm egal. „Ist doch nicht meine Aufgabe, mir darüber Gedanken zu machen – aber das muss doch anders gehen!“ Die Polizisten der Bereitschaftspolizei Osnabrück, die mit zahlreichen Kräften die heimische Polizei unterstützen, müssen sich oft beschimpfen lassen an diesem Morgen und geben geduldig Auskunft, so gut sie es als Externe können. Seit 6 Uhr sind sie im Einsatz, Dienstbeginn: 3 Uhr in Osnabrück.

Dass gemotzt wird über unzureichende Information, kann Thomas Wahmes von der Stadt Hameln nicht verstehen. Es sei mehrfach berichtet worden, regional, im Radio, in den Zeitungen. Sich über die Lage zu informieren, sei einfach auch Aufgabe der Verkehrsteilnehmer. Und dass es zunächst zu Problemen kommt, „das war zu erwarten und nicht zu vermeiden“, sagt er. Das Schlimmste dürfte aber überstanden sein, schätzt Wahmes die Lage ein. 9 Uhr: die Lage entspannt sich.

18 Uhr: Wieder laute Geräusche am Himmel. Über Hameln kreist wie schon tagsüber der Polizeihubschrauber Phoenix 93 aus Langenhagen und liefert Bilder an die Leitstelle. „Sieht sehr gut aus“, gibt Polizeikommissarin Ani-ka Nübel die jüngste Meldung der Kollegen weiter. Für heute werde der Hubschrauber zur Verkehrsüberwachung wohl nicht mehr benötigt…

Die Polizei weist darauf hin, dass in der Kreuzstraße zweispurig gefahren werden soll. Verkehrsteilnehmer werden gebeten, sich rechtzeitig für die Richtungen Hildesheim und Zufahrt „Hefehof“ vor dem Bahnhofskreisel links einzuordnen. Mit Zielrichtung Holzminden/Höxter/Paderborn soll vor dem Kreisel der rechte Fahrstreifen gewählt werden. Außerdem sollten nach Möglichkeit die angebotenen Fernumleitungen genutzt werden sollen. Besonders empfohlen wird die Nutzung der Fluthamelstraße.



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