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Motiv der Auseinandersetzung am Pferdemarkt unklar / Tatwaffe nicht gefunden

Mordkommission: Messerstiche in Hals und Lunge waren tödlich

Rinteln (wm). Die Mordkommission der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg hat gestern die tödliche Auseinandersetzung zwischen zwei Asylbewerbern am Pferdemarkt weitgehend aufgeklärt.

veröffentlicht am 19.10.2006 um 00:00 Uhr

Spurensicherung noch am Dienstagabend durch die Polizei.

Unklar sei nach wie vor das Motiv, die Frage, worüber sich die beiden Männer so gestritten haben, dass es zu einer tödlichen Auseinandersetzung habe kommen können, schilderte der Leiter der Mordkommission, Manfred Kesselring, den Stand der Ermittlungen. Der 33-jährige Iraker, der einen 21-jährigen Mann aus Serbien-Montenegro tödlich verletzt hat, schweige sich darüber zurzeit noch aus. Da der Mann, der als Asylbewerber in dem Asylbewerberheim an der Waldkaterallee lebt, nur gebrochen Deutsch spricht, habe man inzwischen einen Dolmetscher hinzugezogen. Für die naheliegende Vermutung, es könnte sich um Drogengeschäfte gehandelt haben, gebe es keinerlei Hinweise, erklärte Kesselring. Der 21-Jährige aus Montenegro sei von mehreren Messerstichen getroffen worden. In der Rechtsmedizin Hannover sei bei einer Obduktion festgestellt worden, zwei Stiche davon in Hals und Lunge seien tödlich gewesen. Die Polizei sucht nach wie vor Zeugen der Bluttat, die sich am Dienstag gegen 17.45 Uhr auf dem Gehsteig vor dem Bekleidungshaus "Bruno Kleine" ereignet hat (wir berichteten). Wie Kriminaloberkommissar Andreas Schmidt vom Kommissariat Rinteln erläuterte, gebe es zwar inzwischen eine der Polizei namentlich bekannte Zeugin, aber er könne sich nicht vorstellen, dass sonst niemand die Auseinandersetzung beobachtet habe. Um 17.45 Uhr seien noch viele Menschen auf der Straße gewesen, die Geschäfte waren noch geöffnet, der Tatort sei von überall her gut einsehbar. Zumindest alle Leute, die an der Fußgängerampel am Pferdemarkt gewartet haben, müssten etwas gesehen haben. Der Schwerverletzte aus Montenegro wurde von seinen Eltern ins Rintelner Krankenhaus gebracht. Die seien zufällig auf dem Weg vom Einkaufen mit dem Auto über die Weserbrücke gekommen, schilderte Pressesprecherin Gabriela Mielke, und hätten ihren Sohn gesehen, der bereits schwer verletzt auf ihr Auto zugelaufen sei. Dr. Dietmar Nolting, der als Verteidiger den 33-jährigen Iraker vertritt, schilderte gestern am Telefon, sein Mandant habe nach seinen Informationen die Polizei über Handy angerufen, und zwar als er von dem Mann aus Montenegro angegriffen worden sei, also zu einem Zeitpunkt als der später Getötete noch gelebt habe. Der Iraker wurde mit Platzwunden im Gesicht und Prellungen mit einem Rettungswagen ebenfalls ins Rintelner Krankenhaus eingeliefert. Dort hat ihn die Polizei noch am Dienstagabend vorläufig festgenommen. Der irakische Staatsangehörige habe in der ersten Vernehmung geschildert, den von ihm getöteten jungen Mann aus Montenegro aus dem Asylbewerberheim Deckbergen gekannt zu haben, wo beide eine Zeit lang zusammen gewohnt haben. Bereits dort habe er sich mehrfach mit dem jungen Mann gestritten. Warum, habe der 33-jährige Asylant aber nicht verraten wollen, sondern einen Anwalt gefordert, schilderte Gabriela Mielke. Einen dritten Mann, der nach einer ersten Meldung ebenfalls in die Schlägerei verwickelt worden sein soll und den die Mutter des Getöteten gesehen haben will, habe man nicht ermitteln können, so Mielke. Noch am Dienstagabend hatte die Polizei den Tatort weiträumig abgesperrt und von der Feuerwehr ausleuchten lassen. Die Tatwaffe, vermutlich ein Messer, ist aber nicht gefunden worden. Gestern durchsuchten 30 Beamtinnen und Beamte der Bereitschaftspolizei nochmals die Umgebung des Tatortes, unter anderem den Blumenwall. Die Tatwaffe wurde nicht gefunden. Jetzt soll der Müll aus den Abfallbehältern im Bereich des Tatortes noch durchsucht werden.

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