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Österreicher wollen Nenndorf helfen

Moor aus der Tube - Staatsbad legt Kosmetikserie auf

Bad Nenndorf (rwe). Bald gibt es Moor, Schwefel und Sole aus der Tube. Das Staatsbad Nenndorf will im ersten Quartal 2009 eine eigene Serie an Kosmetik-, Wellness- und Gesundheitsartikeln auf den Markt bringen. "Alles 100 Prozent Natur", verspricht Geschäftsführer Peer Kraatz. Der lässt von einer Partnerfirma in Österreich ein Sortiment aus 60 bis 70 Produkten herstellen: Vom Shampoo bist zur Fußcreme ist alles dabei.

veröffentlicht am 20.11.2008 um 00:00 Uhr

Das klingt nach einem Clou, was Staatsbad-Geschäftsführer Peer Kraatz und eine kleine Projektgruppe da austüfteln. Das Unternehmen plant den Einstieg in die Kosmetikbranche. Gemeinsam mit dem österreichischen Hersteller "Alpienne" will Kraatz eine eigene Markenserie aus 100-prozentiger Naturkosmetik anbieten. Ab dem Frühjahr sollen Handcreme, Massage-Öl oder Gesichtspeeling aus den Nenndorfer Rohstoffen Moor, Schwefel und Sole entstehen. Die Idee dazu hatte Kraatz schon kurz nach seinem Dienstantritt vor gut einem Jahr. Schnell sei ihm klar gewesen, dass Nenndorf das Potenzial seiner Naturprodukte "nicht annähernd" ausschöpft. Dabei kamen ihm Kosmetik- und Gesundheitsprodukte in den Sinn. "Das Moor muss in die Tube." Allerdings wollte Kraatz nur Artikel mit dem Gütesiegel "100 Prozent Natur". Dafür fand sich kein Hersteller. Die Industrie setze auf chemische oder synthetische Trägerstoffe. Ein "fauler Kompromiss" kam für den Staatsbad-Chef nicht infrage. So wäre es wohl nur eine Vision geblieben, hätte nicht ein Mitarbeiter bei einer Tour in den Alpen einen äußerst junggebliebenen 101-jährigen Österreicher getroffen, der auf Naturartikel der Firma "Alpienne" schwor. Aus dem neuen Partner machen Kraatz und Christian Hoffmann, Inhaber der beteiligten Marketing-Agentur "A2-Brands", ein Geheimnis, verraten nicht vielüber die Herstellerfirma, die hoch in den Alpen einen Nischenmarkt produziert. "Alle Rohstoffe werden mit großer Sorgfalt von bäuerlichen Familien von Hand geerntet und schonend mit traditionellen Methoden unter Verwendung ausschließlich natürlicher Beigaben verarbeitet", beschreibt "Alpienne"im Internet seine Philosophie. Es gebe nichts, "was wir diesen natürlichen Gaben hinzuzufügen hätten, weil in unserer wundersamen Apotheke Gottes alles vorhanden ist, was uns Menschen guttut." Zur Apotheke Gottes zählen bei "Alpienne" demnächst auch Moor, Schwefel und Sole. DieÖsterreicher, die laut Staatsbad-Chef schon Übernahmeangebote großer Konzerne auf dem Tisch gehabt hätten, kamen nach mehrtägiger Zeit des Überlegens dem Wunsch aus Bad Nenndorf nach und verarbeiten die Naturprodukte zu Cremes und Wässerchen. Wie sie das machen, das bleibt das Geheimnis ihres Chefchemikers Martin Gundolf. Dieser bereitet die Kräuter auf, ist verantwortlich für Mischung und Herstellung und trägt hochachtungsvoll den Spitznamen "Miraculix" - in Anlehnung an den bekannten Druiden aus "Asterix& Obelix", der den Galliern im Comic den Zaubertrank braut. Ein wenig an Zauberei grenzt auch das Ergebnis, von dem sich Kraatz und Hoffmann schonüberzeugen konnten. Obwohl nur aus Naturstoffen hergestellt, duften selbst die Schwefelprodukte frisch und gut. Der Markenname und das Sortiment stehen laut Hoffmann bereits fest, doch bis zur offiziellen Präsentation will er keine Details nennen. Denn noch sind die Produkte nicht getestet. Das geschehe durch ein offizielles Institut in Bayern. Kraatz erwartet keine Probleme, da es sich um rein natürliche Stoffe handele. Die Rezepturen dafür will das Staatsbad später sicher im Tresor verwahren, denn der Geschäftsführer erwartet wegen der Exklusivität einen großen Erfolg für Bad Nenndorf und Schaumburg. Mit Blick auf die steigende Zahl an Allergien sei mit einer wachsenden Nachfrage zu rechnen, so Kraatz. Er hat zwar die Entwicklung medizinischer Naturpräparate schon auf dem Zettel, zunächst beschränkt sich das Staatsbad aber auf Kosmetik und Pflege. Es vertreibt die Produkte in der Landgrafentherme und dem neuen Moorbadehaus, aber auch über das Internet. An den Verkauf in Drogerien oder Apotheken sei nicht gedacht, sagt Hoffmann. Er schwärmtvon der vertrauensvollen und transparenten Zusammenarbeit mit dem Hersteller. Laut Kraatz geht das Staatsbad beim Einstieg in das neue Geschäftsfeld kein Risiko ein. Dank des Know-hows der Partnerfirma müsse er "keine Laborhorden beauftragen und Chemiker finanzieren". Nicht nur das: "Alpienne" verlange für die Nenndorfer Naturprodukte weder eine Mindestabnahme noch Knebelverträge. Kraatz kennt auch den Grund. Die Österreicher haben nicht nur die gleiche Philosophie. "Sie erkennen auch das Potenzial dahinter."



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