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Neuer Vorstand des Heimatvereins will Landesmuseum neu konzeptionieren / Finanzierung ist offen

Modernes Museum - eine Frage desÜberlebens

Bückeburg (wer/gp). Der neue Vorstand des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins will das Landesmuseum gründlich modernisieren. Ein Kurswechsel, der überfällig ist: Die Besucherzahlen sind alarmierend, das Museum kämpft ums Überleben.

veröffentlicht am 22.11.2006 um 00:00 Uhr

Neue Vitrinen konnte der Heimatverein bereits in Empfang nehmen,

Der Handlungsbedarf lässt sich in Zahlen ablesen: In diesem Jahr kamen bis jetzt 1700 Besucher ins Landesmuseum, im vorigen Jahr waren es zur gleichen Zeit noch 2030. Nicht mitgerechnet sind hier die Gäste der "Langen Nacht der Kultur": Geschätzte 800 Interessierte waren es in diesem Jahr - fast die Hälfte der normalen Jahresfrequenz. "Wir müssen unsere kostbare Schatztruhe entstauben und die kulturelle Bedeutung des Hauses für Stadt und Region stärker als bisher ins öffentliche Bewusstsein rücken", ist sich Vorsitzender Dr. Wolfgang Vonscheidt mit seinem Vorstand einig. Das Problem dabei: Für die notwendige Umgestaltung fehlt das Geld. Die Ausarbeitung eines professionellen Konzepts und dessen Umsetzung, dazu bauliche Sanierungsmaßnahnen, würden ein paar Hunderttausend Euro kosten, haben Fachleute vorgerechnet. Selbst die Aufrechterhaltung des augenblicklichen Angebots werde immer schwieriger. "Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Mitgliedsbeiträgen sinken, die Unterhaltungskosten steigen." Nicht ohne "Verwunderung" werde seit langem im Verein registriert, dass das ehrenamtlich und von einer Bürgergemeinschaft getragene Haus - im Vergleich zu den anderen, zumeist kommunalen Schaumburger Einrichtungen dieser Art - mit verschwindend geringenöffentlichen Fördermitteln auskommen müsse. "Rein betriebswirtschaftlich betrachtet müssten wir unser Museum dicht machen", umschreibt Ex-Banker Vonscheidt die Situation. Dabei sprüht der Heimatverein gerade jetzt vor neuen Ideen. Ein "Strategieteam" mit dem Bückeburger Museums-Profi Carsten Reuß an der Spitze hat einen ersten Entwurf für ein neues Konzept erarbeitet. Reuß ist stellvertretender Chef des Mindener Preußenmuseums, weiß, wovon er spricht. Der Historiker fordert in seinem Vorschlag zur Neukonzeption einen radikalen Wandel: Reuß plädiert für eine "grundsätzliche Neuorientierung des Landesmuseums", das nicht länger "Abstellkammer historischer Objekte" sein dürfe, sondern sich als Ort sinnlicher und lebendiger Geschichtserfahrung präsentieren müsse. Geplant ist eine "begehbare Landeskunde", die regionales Kulturgut auch in größere, nationale und europäische Zusammenhänge stellt, um im Vergleich die Besonderheiten der Landesgeschichte deutlich zu machen. Im Erdgeschoss sieht das Konzept die Umgestaltung des Eingangsbereiches vor, der "deutlich attraktiver" werden müsse und, gespickt mit landestypischen Objekten undSymbolen, "Schaumburg-Lippische Impressionen" bieten soll. Außerdem könnten nach Umbauten auch der Kassenraum und der Magazin- und Werkstattbereich in die "Aktions- und Veranstaltungsebene" einbezogen werden. Für das Obergeschoss schweben Reuß drei Schwerpunkt-Themen vor: die Entstehung des Landes Schaumburg-Lippe, Fürst Ernst und das Zeitalter der Renaissance und Graf Wilhelm als Exponent des aufgeklärten Absolutismus. Keine reine Fürstengeschichte soll vermittelt werden, sondern Landes-, Stadt-, Architektur-, Sozial- und Kulturgeschichte am Beispiel der Fürsten. Das Konzept soll in den nächsten Wochen vom Vorstand beraten und als offizielle Zielvorgabe des Vereins verabschiedet werden. Für die Umsetzung indes ist der Heimatverein auf öffentliche oder private Sponsoren angewiesen - Gespräche des Vorstandes in diese Richtung laufen derzeit. Doch auch ohne Finanzspritze soll die Umgestaltung schon jetzt beginnen: in kleinen Schritten, mit Einfallsreichtum und viel ehrenamtlichem Engagement. Auch neue Mitstreiter hat der Verein gewonnen. "Ganz allmählich kriegen wir ein gutes und ehrgeiziges Team zusammen", freut sich Vonscheidt. Zur Unterstützung der Geschäftsführung wurde Petra Vollmann aus Bückeburg engagiert. In die EDV-gestützte Erfassung und Pflege des Ausstellungsbestandes ist Jürgen Schneider (ebenfalls aus Bückeburg) eingestiegen, der sich zudem um den Aufbau neuer Datenbanken kümmern will. Geplant ist unter anderem die Katalogisierung des umfangreichen Bildarchivs und des vielfältigen, vom Verein im Laufe von mehr als hundert Jahren veröffentlichten Schrifttums. "Nur so können wir uns fit fürs Internet-Zeitalter machen", ist der gelernte Pädagoge überzeugt. Als weitere wichtige "Museums-Stütze" wurde Larissa Sakirow aus Niedernwöhren verpflichtet. Hauptaufgabe der Diplom-Dokumentaristin ist es, die schrittweise Umsetzung der vom "Strategieteam" entwickelten Zielvorgaben in Angriff zu nehmen. Arbeitsgrundlage ist ein auf ein Jahr befristeter ABM-Vertrag. Internet: "www.schaumburg-lippischer-heimatverein.de".

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