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Betrieb läuft weiter / Verwalter sehen Chancen für Lösung

"Mobile Partners": Vier Insolvenzanträge eingeleitet

Landkreis (ugr). Die "Mobile Partners"-Gruppe (MP) steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Beim Insolvenzgericht Bückeburg wurden vorsorglich vier Anträge für unterschiedliche Gesellschaften der Gruppe eingeleitet. An fünf Standorten mit Autohäusern für die Marken VW, Audi und Skoda sind insgesamt 217 Mitarbeiter beschäftigt. Insolvenzverwalter Manuel Sack blickt trotz der angespannten Lage verhalten optimistisch in die Zukunft: "Es geht an allen Standorten uneingeschränkt weiter", betont Sack. Entscheidend für den Fortgang sei jetzt das Verhalten der Hersteller VW und Audi sowie der VW-Bank.

veröffentlicht am 03.05.2007 um 00:00 Uhr

Geschäftsführung, Insolvenzverwalter und Sachverständige, sie alle schauen etwas unsicher in die Runde. Denn auf die entscheidende Frage haben sie keine Antwort: Welches Ziel verfolgen Audi und VW mit dem Standort Schaumburg und der "Mobile Partners"-Gruppe? "Für mich ist das alles völlig unverständlich", sagt Stephan Höltershinken. Der Anwalt, als Verwalter bei zahlreichen Insolvenzen erprobt, ist seit ein paar Wochen Berater der MP-Geschäftsführer Thomas Krömer und Reiner Hase. "Das Sanierungskonzept ist in Arbeit. Bis Mitte Juni hätten wir noch Zeit gebraucht, um alles unter Dach Fach zu bekommen. Und jetzt wird kurzerhand die Kreditlinie aufgehoben", berichtet Höltershinken. Durch den Schritt der VW-Bank sei man am Montag gezwungen gewesen, die Insolvenzanträge einzuleiten. "Dabei sehe ich gute Möglichkeiten zur Rettung", sagt Höltershinken. Und die mittlerweile vom Gericht eingesetzten Verwalter und Sachverständigen pflichten ihm bei. "Wir können die Sicht von Herrn Höltershinken nur uneingeschränkt unterstützen", erklärt Manuel Sack. Der Insolvenzverwalter, der auch den Heros-Skandal abwickelt, hat sich einen ersten Überblick verschafft. "Einen Spieler können wir aber nicht einschätzen", meint er mit Blick auf die Hersteller VW und Audi und deren Hausbank. Er will vor allem, dass bei den Schaumburger MP-Kunden kein negativer Eindruck hängen bleibt. "Es läuft alles uneingeschränkt weiter", sagt Sack. Ein Hauptgrund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sieht Sack auch in dem Druck, den die Hersteller auf die Zulieferer, aber eben auch auf die Händler ausüben, um die eigenen Bilanzen zu verbessern. "Die Restrukturierungskosten der Konzerne werden nach unten weitergereicht", ergänzt Höltershinken, "und das gibt der Markt für die Händler nicht mehr her". Es habe in den vergangenen Jahren etliche Konzern-Entscheidungen zu Lasten der Händler gegeben, sagt Geschäftsführer Reiner Hase. "Der Finanzierungsbedarf ist enorm geworden." Ein Ausbau der ohnehin schon umfangreichen Modellpalette bedeute einen deutlich höheren Aufwand für die Händler. "Und jedes Auto, das vom Werk auf unseren Hof kommt, ist bezahlt", erklärt Hase. "Wir reden hier für Schaumburg von einem Marktanteil von rund 33 Prozent für die Marken VW, Audi und Skoda", sagt Geschäftsführer Thomas Krömer. Während 2004 mit der Marke Audi noch Gewinne eingefahren wurden, gab es 2005 nur noch eine Nullnummer. Im Vorjahr lag das Betriebsergebnis bereits mit einer halben Million Euro im Minus. "Und das bei gleichen Umsätzen und konstanten Verkaufszahlen", erklärt Krömer. "Es bleibt die Frage, was VW und Audi mit dem Schaumburger Markt wollen, damit es hier keinen weißen Fleck auf der Landkarte gibt", fragt sich Höltershinken. Von Seiten der VW-Bank hieß es dazu nur: "Kein Kommentar." Auch VW äußerte sich gestern nur knapp auf eine Anfrage: "Wir haben gerade erst von der Insolvenz erfahren. Wie es mit dem Standort Schaumburg weitergeht, wissen wir noch nicht", sagte Wolfgang Leyer von dem Wolfsburger Autobauer. Gestern Abend wurde die Belegschaftüber die Situation informiert. Für kommende Woche ist die nächste Gesprächsrunde angesetzt. Dann sitzen auch Hersteller und VW-Bank mit am Tisch.



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