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Seit zehn Jahren diskutiert der Ortsratüber ein Baugebiet - jetzt zeichnet sich endlich eine Lösung ab

Mittmann: "Wir wollen in Krainhagen keinen Ort im Ort"

Krainhagen (rnk). Sanft in der Stimme, leise im Ton, unmissverständlich in der Botschaft: Der Ortsrat habe es selbst in der Hand, um auf dem Grundstücksmarkt ein familienfreundliches, weil durchaus bezahlbares Angebot zu schaffen, erklärt Detlev Sassenberg den Mitgliedern des Ortsrates. Der Schlüssel dazu sei die Ausweisung eines Baugebietes, in dem auf kleinen Grundstücken gleich neun finanzierbare Einfamilienhäuser gebaut werden könnten. Sassenberg hat ein veritables Interesse, den Ortsrat zu überzeugen: Das künftige Baugebiet gehört ihm.

veröffentlicht am 11.01.2007 um 00:00 Uhr

Für den Ortsrat liegt das abschreckende Beispiel vor den Toren B

Es ist keine unendliche Geschichte, aber eine, die sich hinzieht: Seitüber zehn Jahren bemüht sich Sassenberg um die Ausweisung des Baugebietes an der Straße "Zur Bombeeke". Jetzt ist er seinem Ziel ein deutliches Stück näher gekommen: Die Pläne sollen in den Fraktionen beraten werden, in der nächsten Sitzung könnte der Ortsrat eine (empfehlende) Entscheidungtreffen. Allerdings wird Sassenberg mit seinem Architekten Andreas Pisarsky die Pläne überarbeiten: Zwei versetzt nebeneinander stehende Häuser wertete vor allem die SPD als Doppelhäuser, und die, so Ortsbürgermeister Thomas Mittmann, "wollen wir im Ort nicht". Einen Platz, an dem Familien mit Kindern und Tieren ein Zuhause finden würden, einen Platz, der bezahlbar, weil recht klein geschnitten sei, einen Platz, der die örtliche Infrastruktur deutlich unterstütze: Sassenberg stellte erst sein Projekt vor, ehe er dem Ortsrat in die Realitäten des Jahres 2007 blicken ließ. So laufe das Baugebiet "Beckmarhau" nicht voll, weil derartig große Grundstücke nicht mehr in die Zeit passen würden; sie seien schlicht nicht bezahlbar, meinte Sassenberg. Seine Planung sei die Antwort auf die finanzielle Lage der Familien, erklärte er. Geplant sei eine "homogene Keimzelle", ein Baugebiet mit einem einheitlichen Erscheinungsbild. Genau hier lag dann für Mittmann und manch anderem Ortsratsmitglied der Hase im Pfeffer: Einen Ort im Ort wolle man nicht, mehrmals wurde auf das vor den Toren der Stadt Bückeburg liegende Bergdorf verwiesen - so eng, dass man dem Nachbar in die Küche gucken können, wolle man in Krainhagen nicht bauen, erklärte Mittmann auch mit Blick auf die das mögliche neue Baugebiet umgebenden und deutlich größeren Grundstücke. Das sah Sassenberg anders: "Attraktivität schaffen Sie durch eine homogene Bebauungsstruktur", erklärte er. Und: Die Preise in anderen Baugebieten würden durch Banken gestaltet, "das kann doch Ihr Interesse nicht sein". Der Ortsrat schaffe durch ein positives Signal die Vorraussetzungen, dass Krainhagen ein lebendiger Ort bleibe, in dem man gerne wohne: "Oder wollen Sie, dass in einigen Jahren Herbert Röhrkasten durch eine längst geschlossene Grundschule läuft und Besuchern erzählt, wie das damals war, als es hier noch Schüler gab?" Röhrkasten selbst ist nicht mehr im Ortsrat vertreten, meldete sich aber in seiner Eigenschaft als Ortsbeauftragter zu Wort: Er plädierte für eine abgespeckte Lösung, sprich: ohne Doppelhäuser. Da auch die Zufahrtsstraße mit einem Wendehammer versehen werden soll, werden die nächsten Pläne wohl eine geringere Bebauung vorsehen. Nur Wolfgang Schmidt (CDU) konnte nicht nachvollziehen, warum bei den beiden versetzt nebeneinander stehenden Häuser von Doppelhäusern gesprochen wurde. Und: "Wenn zwei Familien sich einig sind, was spricht dann gegen diese Lösung?" Konkrete Zahlen, was die Häuser inklusive Grundstücke kosten sollen, wurden nicht genannt, Probleme mit der Entwässerung sah Architekt Pisarsky nicht: "Alles lösbar."

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