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Unterwegs mit den Schaumburger Kandidaten: Paul-Egon Mense tritt für die FDP an

Mittendrin im Menschlich-Grundsätzlichen

Münte hat ihn in rot getragen, Roland Koch bevorzugt im Wahlkampf die Farbe orange, Paul-Egon Mense hat sich einen supercoolen und superwarmen gelben Schal um den Hals gebunden. Auch der Stargast des Abends trägt gelb, doch für den FDP-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Philipp Rösler, ist der Auftritt in Bückeburg so etwas wie ein Wiedersehen mit seiner Heimat. Der gebürtige Vietnamese wurde im Alter von neun Monaten adoptiert und wuchs in der Residenzstadt, Hamburg und Hannover auf. Für den Rintelner Mense ist der Besuch Röslers auf einer gemeinsamen öffentlichen Veranstaltung mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Joachim Runkel dagegen so etwas wie der Höhepunkt des Wahlkampfes: Viele Termine hat Mense nicht.

veröffentlicht am 18.01.2008 um 00:00 Uhr

"Und hat es den Menschen geschadet?" Paul -Egon Mense (r.) an de

Autor:

Frank Westermann

Und viel Neues gibt es an diesem Abend nicht zu erfahren, das hat auch wohl niemand erwartet. Doch in Bückeburg lässt ein Satz aufhorchen. Im "Ambiente" empfiehlt Rösler, mit der Erststimme Runkel zu wählen und mit der zweiten die FDP. Was in diesem Moment in Mense vorgegangen ist, der neben Rösler sitzt, ist nur zu erahnen, erst auf der Podiumsdiskussion unserer Zeitung wertet er die unerwartete Wahlempfehlung seines Parteifreundes: "Er hat doch Recht." Bitte? "Na, ich habe doch gar keine Chance. Da ist es doch viel realistischer, wenn wir so wählen, wie Rösler es vorschlägt." Einen tieferen Einblick in den Menschen Mense gibt es auf dieser Podiumsdiskussion, wo er ganz rechts sitzt, auch optisch isoliert von den direkten Mitbewerbern. Denn Mense argumentiert auch inhaltlich gänzlich anders. Statt die Ziele seiner Partei herunterzubeten, geht er ins Grundsätzliche: Dass seinen FDP-Ministern abgesprochen wird, ihren Job vernünftig zu erledigen, kann er nicht verstehen: "Will man uns absprechen, dass wir wollen, dass Kinder mehr Bildung bekommen?" Dass der Ton in der Politik deutlich rauer geworden ist, das ist Mense nicht entgangen, aber er, da lässt er keinen Zweifel, wird nicht im gleichen Ton Antworten geben. Dass es Änderungen in der Welt gibt, erklärt er beim Thema Strukturausgleich, "das ist nicht aufzuhalten. Aber hat es den Menschen geschadet?" Ginge es nach Mense, der Umgangston in der Politik wäre ein anderer: nicht so verletzlich, nicht so oberflächlich, nicht so stark ausgrenzend. Ausgleich statt Angriff: Vielleicht ist es seine Arbeit als Kommunikationstrainer, die ihn zu diesen Erkenntnissen kommen ließen, die im Wahlkampf schnell als Schwächen ausgelegt werden können. Auch, dass dem niedersächsischen Ministerpräsidenten jetzt vorgeworfen wird, er sei bei den Themen wankelmütig, sage heute dies und morgen das, findet Mense aus eher menschlichen Gründen nicht in Ordnung: "Man muss sich auch trauen, falsche Entscheidungen zurückzunehmen." Und als er auf den Flächenfaktor beim Streitthema Finanzausgleich angesprochen wird, gibt er ehrlich zu, das Thema nicht "endgültig" beurteilen zu können: "Ich spreche nicht gern über etwas, worüber ich nichts weiß." Fast verloren wirkt er bei diesen Sätzen auf einem Podium voller Politik-Profis. Dass die Landes-CDU den Wahlkreis Schaumburg zerschlagen und neu zugeschnitten hat, weil sich dann die Chance auf drei Mandate bietet, will Mense nicht glauben, wie er auf der Podiumsdiskussion erklärt - es entspricht nicht seinem Verständnis von Politik. Es ist für Mense ein Wahlkampf, in dem die dominierenden Themen von anderen Parteien besetzt werden. Mit dem Mindestlohn will die SPD die CDU ins Abseits der sozialen Kälte stellen, mit der Kriminalität unter jungen Ausländern kontert erst die hessische CDU, ehe die Debatte auch Niedersachsen erreicht.Deutlich über fünf Prozent liegt in den Umfragen die FPD, die von Polit-Dinos in den Wahlkampf geführt wird: Walter Hirche ist 66 Jahre alt, Hans-Heinrich Sander 62, für Schlagzeilen reicht es nur noch, wenn der Wirtschaftsminister im Untersuchungsausschuss zum Tiefwasserhafen vorgeführt wird:"Hirches Name ist Hase", hämt die "taz". Da kann auch Mense wohl nur wenig ausrichten in diesem Winterwahlkampf, aber immerhin hat er sich für den 27. Januar viel vorgenommen. Bei der letzten Landtagswahl lag er fast drei Prozent unter dem Ergebnis seiner Partei, dafür wolle er 2008 ein zweistelliges Ergebnis erzielen, hatte er damals gegenüber der Presse verkündet.

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