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Ex-Rintelner und Professor für Elektrotechnik lehrt an der Sommeruni

"Mit Tüfteln allein läuft es nicht!"

Rinteln (cok). "Ein Ingenieur ist immer irgendwie ein Tüftler", sagt Dr.-Ing. Werner Freise (73), der bis zu seiner Emeritierung Professor für Elektrotechnik an der Universität Trier-Kaiserslautern war, als kreativer Forscher, engagiert Lehrender und mit etwa 100 Patenten auch "Erfinder" rund um fast alle Bereiche der elektrischen Energietechnik.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 08:36 Uhr

Dr.-Ing. Werner Freise hat Motoren für Weltraumsatelliten entwic

Wenn er als Dozent zur "Sommeruniversität" nach Rinteln kommt, dann besucht er damit gleichzeitig die Stadt, in der er einst am Ernestinum das Abitur gemacht hat. Werner Freise entwickelte Motoren für Waschmaschinen, Büromaschinen und viele andere Anwendungen bis hin zu Weltraumsatelliten, manche millimeterklein, andere riesengroß. Bereits vor 25 Jahren entwickelte, baute und erprobte er, teils zusammen mit der deutschen Automobil-Industrie, energiesparende, kostengünstige Kraftfahrzeug-Antriebe. "Ja", sagt er, "wir waren damals sehr weit, aber leider werden Hybrid-Antriebe und Starter-Generatoren erst jetzt allmählich für die Produktion übernommen." Das große Interesse an der Elektrotechnik und überhaupt an dem, was die Maschinenwelt im Innersten zusammenhält, wurde angeregt durch den Beruf seines Vaters, der in den dreißiger Jahren für "alles Elektrische" an Flugzeugen in der Zentralen Erprobungsstelle der Luftfahrt in Deutschland zuständig war. Nach dem Krieg, die Eltern lebten damals in Rinteln, bewies er seine Findigkeit, als die Familie, wie viele andere arbeitslose Familien in der Gegend auch, in Heimarbeit Tüten für eine Firma klebte. Mit einer selbst gebastelten Maschine aus Fahrradspeichen und Blechdosen steigerte er das heimische Produktionstempo ganz enorm und wiederholte damit absichtslos im Kleinen, was einst zur Zeit der Entwicklung industrieller Produktion geschah: "Die anderen Heimarbeiter wurden leider arbeitslos..." Diese Erfahrung hielt ihn aber nicht davon ab, weiterhin gerade dort zu arbeiten, wo es um Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Energiesparen geht. "Mit Tüfteln allein läuft das allerdings nicht, man muss die Tüftelei in wissenschaftlich fundiertes und zugleich ingeniöses Arbeiten weiter entwickeln." Und - das betont er sehr - man müsse unbedingt teamfähig sein! "Ein 120-prozentiger Einzelkämpfer ist weniger wert als zwei 80-prozentige Teamworker. Die guten Leute müssen ihr Wissen an die anderen weitergeben, dann können alle zusammen viel mehr leisten!" Während der Sommeruniversität Rinteln bietet er unter anderem ein Seminar mit dem Thema "Hybrid-Antriebstechnik für Kraftfahrzeuge" an, das auch die Frage diskutiert, warum man nicht die eigentlich viel besseren Elektromotoren statt der Verbrennungsmotoren für den Betrieb von Kraftfahrzeugen einsetzt. Außerdem will er den zukünftigen Studenten ein realistisches Bild über die Möglichkeiten eines Ingenieurstudiums vermitteln: "Es muss eine Mischung sein aus dem Mut, eigene Wege zu gehen und fundiertes technisches Wissen einzusetzen. Wenn zu viel gefummelt, gebastelt oder rumgemogelt wird, kommen wir technisch zu langsam voran."



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