weather-image
Heute Diamantene Hochzeit im Hause Kinszorra / Die Jubilarin rettete einen Flüchtlingstreck vor den Russen

Mit Trakehnern aus dem Memelland in den Westen

Heeßen (sig). Geschenkt hat das Leben ihnen nichts, sondern sie schon frühzeitig hart angepackt. Kurt und Elfriede Kinszorra hatten das Licht der Welt erblickt, als der Erste Weltkrieg vorbei war. Und sie waren in der Blüte ihres Lebens, als der Zweite Weltkrieg begann. Mit viel Glück und Gottes Hilfe hatten sie den lebend überstanden und sich wieder gefunden. Am heutigen Donnerstag können sie auf 60 gemeinsame Jahre zurückblicken,

veröffentlicht am 19.04.2007 um 00:00 Uhr

Zwei Generationen lang glücklich verheiratet: Kurt und Elfriede

Wenn die Diamantenen Hochzeiter ihren Lebenslauf in allen seinen entscheidenden Phasen festgehalten hätten, wäre daraus ein dickes Kompendium mit nicht nur glücklich stimmenden Ereignissen geworden. Der Anfang ihrer Liebe zumindest stimmte hoffnungsfroh. Kennen gelernt hatten sich die beiden im Memelland, als ihre Schwester seinen Bruder heiratete. Das geschah 1936. "Wir haben zusammen getanzt, und es war Liebe auf den ersten Blick", sagte uns die Jubilarin, die damals gerade 18 Jahre alt war und ihr Angebeteter sogar erst 17. Kurt Kinszorra erlernte in seinem Heimatort Heidekrug den Beruf eines Lebensmittelkaufmanns; seine Elfriede hieß damals noch Rohde und wurde Krankenschwester. Die Wehrmacht zog den knapp 20-Jährigen gleich nach Kriegsbeginn ein und schickte ihn nach Russland an die Front. Dort wurde er als Kradmelder eingesetzt, mehrfach verletzt und konnte sich beim Zusammenbruch zu Fuß bis nach Deutschland durchschlagen. Währenddessen erhielt seine Elfriede den Befehl, einen Flüchtlingstreck nach Westen anzuführen. Ihr wurde das Schicksal von 46 Frauen und Kindern, von 32 Pferden und elf Wagen anvertraut, die sie heil von Ostpreußen zum Westen bringen sollte. Männer gab es in ihrem Heimatdorf zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Die Jubilarin: "Wir sind gerade nochüber eine Brücke auf die andere Seite der Oder gekommen, dann wurde sie gesprengt. Wir waren fast vier Monate unterwegs. Etliche Frauen und Trakehnerpferde haben diese Strapazen nicht überstanden. Die russische Armee kam zeitweise bis auf 50 Kilometer an uns heran." Mit Hilfe des DRK-Suchdienstes fand Kurt Kinszorra seine Frau, die mit ihrer Mutter in Kirchohsen bei Hameln gelandet war. Geheiratet wurde 1947. Der Jubilar fand einen Arbeitsplatz bei VW. Seine Frau legte noch ein Schwesternexamen im hannoverschen Nordstadtkrankenhaus ab. Später kamen sie ins Schaumburger Land und leiteten 20 Jahre gemeinsam ein privates Seniorenheim an der Friedrichstraße, das heutige "Domicil". Aus der Ehe ist ein Sohn hervorgegangen. Außerdem gibt es noch drei Enkelkinder, die heute zum Kreis der Gratulanten bei der Familienfeier zählen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt