weather-image
10°
Stets tolle Ausblicke hoch zu Ross

Mit Suchtgefahr: Der Ritt durch Wald und Flur

Weserbergland (fh) . Wenn es um den Ritt durchs Weserbergland geht, gerät Andreas Bohne aus Springe ins Schwärmen: "Man hat immer wieder tolle Ausblicke. Vom Ith aus kann man zum Beispiel bei passendem Wetter das Sauerland und den Harz sehen", erzählt er. Das Weserbergland sei überhaupt "eine der schönsten Mittelgebirgs- und Flusslandschaften, die wir in Deutschland haben", ist er überzeugt. Bohne bietet seit Jahren unter dem Namen "Weserberglandreiter" ein- oder mehrtägige Wanderritte durch die Region an.

veröffentlicht am 01.09.2008 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:49 Uhr

Ausritt mit Ausblick: Wanderreiter im Weserbergland. Foto: pr.
Frank Henke

Autor

Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite

Ganz so leicht wie etwa den Wanderern fällt den Reitern die Runde durch die reizvolle Landschaft dann aber nicht: Schließlich ist nicht jeder Pfad durchs Grüne auch gleich für Reiter geeignet. Zunächst einmal wären da die rechtlichen Einschränkungen: Laut dem "Niedersächsischen Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung" ist das "Reiten auf gekennzeichneten Reitwegen und auf Fahrwegen gestattet". Fahrwege sind alle Wege, die von "zweispurigen, nicht geländegängigen Kraftfahrzeugen ganzjährig befahren werden können". Will heißen: Für Wanderer freigegebene Trampelpfade sind für Reiter noch lange nichts. Wer sichnicht daran hält, riskiert Ärger mit dem Förster. "Das ist eine Ordnungswidrigkeit", erklärt Christian Weigel, Leiter des Forstamtes in Hessisch Oldendorf. Grundsätzlich könnten Bußgelder verhängt werden. Grundsätzlich - denn in der Praxis bleibt es im Allgemeinen bei der mündlichen Verwarnung. "Bei uns lief deswegen noch nie ein Bußgeldverfahren", berichtet Hamelns Stadtsprecher Thomas Wahmes. Dennoch ist Respekt gegenüber der Natur und anderen Waldnutzern angebracht: "Ein gutes Verhältnis zu den Jägern ist wichtig", betont Ralf Krupski von "Horse Paradise" in Laatzen und setzt auf Beziehungspflege. Wenn er auf einem Ausritt sähe, dass Tiere den Zaun zu einer Schonung durchbrochen hätten, gäbe er den Jägern einen Tipp. "Es hat niemand etwas gegen Reiter, wenn sie auf den Wegen bleiben", berichtet Annette Voß vom "Reiterverein Bisperode und Umgebung". Ritte quer durch den Wald oder über bestellte Felder müssten tabu sein. Ein Problem anderer Art bedeutet der Untergrund: Die meisten Wege durch Wald und Flur sind geschottert. "Längere Ausritte nur mit Eisen oder Hufschuhen", empfiehlt deshalb Sabine Bolm von der "Lucky-Rider-Ranch" in Segelhorst. Doch auch wer mit Hufeisen unterwegs sei, könne auf Schotterwegen meist nur Schritt gehen. Gute Galoppstrecken sind hierzulande verhältnismäßig selten. Dennoch lohnt sich der Ritt durchs Weserbergland, findet zum Beispiel Uwe Hausmann vom Wanderreitquartier Rinteln in Strücken. Auch er bietet geführte Touren über mehrere Tage an. Gemeinsam mit anderen Wanderreitern arbeitet er zudem daran, die Wege der Region aus dem Dornröschenschlaf zu wecken: Langfristiges Ziel seiner Arbeitsgemeinschaft sind ausgeschilderte und auf Karten verzeichnete Wanderreitwege. "Dazu wollen wir auch die Städte mit ins Boot holen." Kartenmaterial oder zuverlässige Schilder gibt es bisher nämlich nicht. Also machen sich Reiter mit topografischen Karten - erhältlich im Buchhandel - oder Wanderkarten auf den Weg durch die Wälder. Als ein beliebtes Ausreit-Areal wird oft der Süntel genannt. Weiter südlich gelten Vogler und Solling mit zum Teil spektakulären Ausblicken als Hits. Der "Weserberglandreiter" Bohne hat aber auch noch andere Tipps. So empfiehlt er den Grohnder Forst oder die Strecke am Waldrand bei Friedrichshagen - mit Weserpanorama. Über die Region verstreute Wanderreitquartiere (siehe Karte), die Pferden und Reitern Unterkunft und Verpflegung bieten, ermöglichen es, einen mehrtägiger Reitausflug selbst zu planen. Aber Achtung: "Das Reiten von einer Station zur nächsten macht süchtig", gesteht Hausmann. "Nach ein paar Tagen Pause will man am liebsten gleich wieder los."

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare