weather-image
12°
×

Mit Merkel und Hoeneß die Donau hinunter

Abenteuerliche Themenboote machen das Ulmer „Nabada“ zum Event

veröffentlicht am 18.07.2014 um 16:54 Uhr

Ulm. Wenn sich berühmte Akteure aus Politik und Zeitgeschehen in Übergröße auf der Donau begegnen, haben sie meist nicht viel zu lachen. Beim Ulmer „Nabada“ werden die Papp-Doubles der Prominenten auf kreativ dekorierten Themenbooten einmal pro Jahr tüchtig durch den Kakao gezogen. Umso mehr Spaß haben die zahlreich versammelten Zuschauer, die zu diesem Event in die ehemalige freie Reichsstadt reisen.

Am Schwörmontag wird nicht gearbeitet

Der sogenannte Schwörmontag ist ein Ulmer Feiertag und den Bewohnern der Stadt heilig. Zurückgehend auf eine mittelalterliche Tradition, leistet der amtierende Ulmer Oberbürgermeister vom Balkon des Schwörhauses auf dem Weinhof jeweils am vorletzten Montag im Juli den Eid an die versammelte Bürgerschaft. Anschließend steuert das Spektakel auf der Donau dem Höhepunkt zu. Tausende kunterbunte Schlauchboote, witzig dekorierte Flöße und sonstige Schwimmgeräte bevölkern die Donau und sorgen, flankiert von stimmungsvoll schunkelnden Musikschiffen, beim „Nabada“ für Festivalfeeling. Im Prinzip kann jeder, der Lust hat und ein paar Regeln beachtet, als „freier Nabader“ mitmischen. Der persönlichen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Im Zentrum des bunten Treibens stehen die 14 Themenboote, die von kräftigen Männern und Frauen in Zillen genannten Kähnen, stromabwärts gezogen werden. Die detailverliebten Kunstwerke werden in mühevoller Kleinarbeit von verschiedenen Vereinen, Schülergruppen oder Firmen in Eigenregie entworfen und Wochen zuvor zusammengebaut. Es ist durchaus eine Kunst, die voluminösen Themenboote über die Donau zu lenken. Ein mehrtägiges Fahrtraining stellt im Vorfeld sicher, dass die Steuerleute ihre Gefährte sicher durch die Massen schwimmender Kuriositäten hindurch bekommen.

Tausende Besucher säumen die Ufer und verfolgen das Spektakel. Ulm/Neu-Ulm Tourismus

„Wurst-Case“ und Paulchen Panter

Die Mühe lohnt sich, denn beim Anblick der wassertauglichen Umzugswagen bleibt garantiert auch in diesem Jahr kein Auge trocken. Ähnlich dem Kölner Karneval werden hier humoristisch alle aufs Korn genommen, die es sich in den vergangenen Monaten nach Ansicht der Ulmer besonders verdient haben. Nur „Kamelle“ werden nicht geworfen. 2013 war der eigene Oberbürgermeister im Kostüm von Paulchen Panther an der Reihe, der bei dieser Gelegenheit eifrig an der Uhr drehte. Zuvor hatte er die Sperrzeit auf 23 Uhr vorverlegt. Auch Uli Hoeneß war mit von der Partie und durfte bei seinem persönlichen „Wurst-Case“ ein Themenboot zieren. Angela Merkel hingegen bekam ein Totenkopfgesicht verpasst und flüsterte Barack Obama auf einem gemeinsamen Schiff „Du alter Schnüffler“ ins Ohr.

„Im vergangenen Jahr war die Donau so voll, dass phasenweise gar kein Wasser mehr zu sehen war“, erinnert sich Nabada-Organisationsleiter Michael Schwender, der auch 2014 wieder auf strahlenden Sonnenschein und rund 60 000 Zuschauer hofft. Er ist für die Koordinierung der Umzugsabfolge und die Einhaltung des Zeitplans verantwortlich.

Seit 1927 findet in Ulm das alljährliche „Nabada“ statt. In alten Akten ist nachzulesen, dass bereits um das Jahr 1800 „Jugendliche zu den Ausflugsgaststätten der Donau hinunterbadeten und ihre Kleidung in Zubern mitführten“. Nach anderen Berichten soll es Brauch gewesen sein, ein Bauernpaar auf Zillen die Donau hinunterzufahren und anschließend ins Wasser zu werfen. Heute nutzen viele Touristen den „Karneval zu Wasser“, um gleich ein verlängertes Wochenende in der attraktiven Doppelstadt zu verbringen. Schließlich hat die ehemalige Freie Reichsstadt gemeinsam mit Ihrer bayerischen Schwester Neu-Ulm noch viele weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Im Ulmer Münster kann man den höchsten Kirchturm der Welt besteigen, der mit 161,53 Metern selbst den Kölner Dom überragt. Das malerische Fischerviertel, in den siebziger Jahren aufwendig restauriert und bis heute liebevoll gepflegt und erweitert, lädt zum Bummeln und Verweilen ein. Hier lässt es sich vortrefflich speisen und im laut Guinness-Buch der Rekorde schiefsten Hotel der Welt übernachten. Natürlich kommen auch Kunst- und Kulturfreunde auf ihre Kosten: In Ulms „Neuer Mitte“ gibt es die Kunsthalle Weishaupt, das architektonisch interessante Stadthaus sowie das keilförmige Glas-Beton-Kaufhaus Münstertor, das mitten in der City ein anspruchsvolles Shopping-Erlebnis verspricht. Das Einkaufen erledigt man natürlich am besten vor dem „Nabada“, denn an diesem Nachmittag schließen die Läden in Ulm. Wenn die Themenboote auf dem Wasser sind, dann gibt es dort kein anderes Thema mehr: Bis die letzte Kloschüssel den Fluss hinunter getrieben ist.

Das Ulmer „Nabada“ findet am kommenden Montag, 21. Juli, ab 16 Uhr statt. Heute wird mit Einbruch der Dunkelheit ab 21.30 Uhr bei der Lichterserenade die Donau mit Tausenden von Windlichtern hell erleuchtet. Vom 11. bis 21. Juli findet das Volksfest in der Friedrichsau statt.

Ein Wochenende in Ulm: Für Lichterserenade, Schwörmontag und Nabada, aber auch sonst bestens geeignet ist die Wochenend-Pauschale „Ulm spatzial“ – ein bis drei Übernachtungen inklusive Ulm-Card sind ab 59 Euro buchbar bei Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH, 0731 / 1 61 28 30, E-Mail: info@tourismus.ulm.de, Internet: www.tourismus.ulm.de



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige