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Beim Schülerrudern hatte Hameln einst die Nase vorn

Mit Kraft, Schnelligkeit und Grazie über das Wasser

Hameln. „Schülerrudern damals – das war schön und streng“, erinnert sich Margret Franz. Die Ehemalige, Jahrgang 1935, hat bis zur 10. Klasse im RVO, dem „Ruderverein des Oberlyzeums“ (heute Viktoria-Luise-Gymnasium), gerudert. Unvergesslich ist ihr das alljährliche „Anrudern“ zur Saisoneröffnung am 1. Mai. „Da ging es erst aufs Wasser – und hinterher mussten wir ins Wasser springen. Eiskalt war es, aber damals konnte man in der Weser noch gefahrlos baden.“ Den Takt im Boot, einem Vierer mit Steuerfrau, gab seinerzeit „Miss Fischer“ an.

veröffentlicht am 08.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 04.12.2009 um 16:30 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf

Hameln. „Schülerrudern damals – das war schön und streng“, erinnert sich Margret Franz. Die Ehemalige, Jahrgang 1935, hat bis zur 10. Klasse im RVO, dem „Ruderverein des Oberlyzeums“ (heute Viktoria-Luise-Gymnasium), gerudert. Unvergesslich ist ihr das alljährliche „Anrudern“ zur Saisoneröffnung am 1. Mai. „Da ging es erst aufs Wasser – und hinterher mussten wir ins Wasser springen. Eiskalt war es, aber damals konnte man in der Weser noch gefahrlos baden.“ Den Takt im Boot, einem Vierer mit Steuerfrau, gab seinerzeit „Miss Fischer“ an. „Das war eine ganz junge Englischlehrerin, die wir deshalb Miss nannten“, so Margret Franz.

Als im Juni 1909 Schüler der damaligen Oberrealschule Hameln (heute Schiller-Gymnasium) den ersten Hamelner Schülerruderverein gründeten, ahnte niemand, welche Bedeutung dieses Ereignis für das Rudern in Hameln und vor allem an den Schulen haben würde. Schon bald existierten auch am gymnasialen Zweig der höheren Jungenschule (Schiller-Gymnasium) und an der höheren Töchterschule (heute Vikilu) Schülerrudervereine, die mit Unterstützung ihrer Ehemaligen eigene, moderne Bootshäuser samt Bootsmaterial anschaffen konnten. In den späten 20er und frühen 30er Jahren galt Hameln als Hochburg des Schülerruderns in Deutschland. 1973 gingen die alten Clubs im „Ruderverein der Hamelner Gymnasien“ (RCGH) auf.

Von den Nazis 1935 verboten, Bootshaus und Boote gegen Kriegsende zerstört, gestohlen und von den Engländern beschlagnahmt, konnten das RVO-Domizil und das neue Boot „Viktoria-Luise“ erst 1959 wieder eingeweiht werden. Das Hamelner Schülerrudern startete in eine neue Ära. „Es ging wie heute immer die Weser hinauf bis Ohr und dann zurück“, erinnert sich die Hamelnerin Gudrun Lohmann an die damalige Zeit. „Alles war ganz toll. Von den Jungs mussten wir allerdings nicht nur auf dem Wasser großen Abstand halten. Darauf wurde durch die Lehrer genau geachtet“, erinnert sie sich. „Stimmt. Die haben aufgepasst wie die Schießhunde. Aber die Jungs standen hinterher immer draußen und haben uns eingeladen“, fügt Margret Franz hinzu. Man habe beim Rudern schon einige nette Kontakte gehabt. Und dann habe es ja noch die Ruderbälle und andere Festivitäten gegeben. Kameradschaft und Disziplin seien ganz groß geschrieben worden. Charakterbildung und Gemeinschaftssinn seien wichtige Unterrichtsziele gewesen. Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, aber auch Anmut und Grazie sollten durch das Schülerinnen-Rudern gefördert werden. „Mir hat das sehr viel Spaß gemacht“, so Margret Franz. Aber sie durfte nicht weiter am Rudern teilnehmen. „Meine Mutter hatte Angst, dass ich zu breite Schultern bekäme“, bedauert die 73-Jährige und schmunzelt. „Ja, so war das damals.“

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Solche Erinnerungen werden am kommenden Freitag und Samstag, am 11. und 12. September, gepflegt, wenn im Schiller-Gymnasium und am Bootshaus des RCGH unterhalb von Fort Luise das Jubiläum „100 Jahre Schülerrudern in Hameln“ gefeiert wird. Am Freitag findet um 19.30 Uhr im Forum des Schiller-Gymnasiums ein Sektempfang statt. Dabei präsentiert der Sporttheoriekurs des 11./12. Jahrgangs unter Leitung von Martin Sprang eine Ausstellung zum Schülerrudern in Hameln. Am Samstag lädt der RCGH ab 15 Uhr zum bunten Nachmittag am Bootshaus ein. Bei Kaffee und Kuchen und musikalischer Untermalung durch Schüler des Schiller-Gymnasiums wird eine Jubiläumsregatta gestartet, anschließend gibt es ein Grillbuffet. Bei beiden Veranstaltungen sind Ehemalige, Schüler, Eltern und Gäste willkommen.



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