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Vor Gericht: Sieben Monate Haft auf Bewährung für reuigen Bad Nenndorfer

Mit Kinderpornographie aus der Krise

Stadthagen/Bad Nenndorf (men). Nachdem sich seine Freundin getrennt hatte, hat sich ein Bad Nenndorfer auf sexuelle Abwege begeben. Vor dem Amtsgericht Stadthagen ist der Mittdreißiger jetzt wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornographie zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

veröffentlicht am 07.12.2007 um 00:00 Uhr

Der Angeklagte kam mit einem Strafmaß davon, das Amtsrichter Kai-Oliver Stumpe als "milde" bezeichnete. Den Angeklagten habe nicht die "volle Härte des Gesetzes" getroffen, weil er kooperativ und geständig gewesen sei - wobei leugnen auch zwecklos gewesen wäre. Bei einer Haussuchung im September letzten Jahres wurde ein Computer beschlagnahmt mit Tausenden von kinderpornographischen Bildern und Videos. Sein Mandant distanziere sich heute "von so schrecklichen Sachen", hatte der Verteidiger gleich zu Beginn der Verhandlung erklärt. Der Angeklagte bekräftigte, dass er sich "sowas eigentlich nicht" anschaut, aber in der "schlechten Phase" ohne Freundin habe sich die "Neugier verselbständigt". Kinderpornographie quasi als Krisenbewältigung. Heute wolle er "damit nicht mehr in Berührung kommen", beteuerte der Angeklagte. Zur Vorbeugung nahm der gelernte Handwerker an einer Therapie für pädophile Männer teil. Diese freiwillige Maßnahme hat ihm Kredit verschafft, sie wirkte "deutlich positiv" auf das Strafmaß. Der Angeklagte sei damit "gut beraten gewesen" kommentierte der Richter in der Urteilsbegründung. Strafverschärfend machte sich die Vielzahl der Bilder und Videos bemerkbar, die in der Anklageschrift mit rund 3400beziffert wurde. "Normalerweise" finden die Ermittler "ein paar hundert Dateien", weiß Strafrichter Stumpe aus anderen Verfahren wegen Kinderpornographie. Darüber verhandelt er "öfters", und er hat dabei die Erfahrung gemacht, dass sich Konsumenten von Kinderpornographie gern als letztes Glied einer langen Kette sehen und auf die Produzenten als die "wahren Verbrecher" verweisen. Der Bad Nenndorfer flüchtete sich nicht in diese Erklärung. "Zum Glück", wie der Richter meinte. Die moralische Schelte musste sich der Angeklagte trotzem anhören. Stumpe strich heraus, dass jeden Konsumenten "ganz unmittelbar" die Schuld daran trifft, dass Kinder "zu furchtbaren Dingen gezwungen werden". Die Nachfrage bedingt das Angebot.



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