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So findet man den richtigen Kinderschlitten

Mit Karacho in die Kurve

Zugegeben, noch mangelt es an der weißen Voraussetzung fürs Schlittenfahren, aber irgendwann wird der Schnee kommen – und dann gibt es nichts Besseres, als mit dem Schlitten den Hügel herunterzujagen. Käufer haben dabei die Wahl zwischen klassischen Holzschlitten, schnellen Rodeln oder Bobs. Vor allem für kleine Kinder ist nicht jedes Modell geeignet.

veröffentlicht am 18.11.2014 um 00:00 Uhr

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Holz oder Plastik, mit Lenkung oder ohne? Der Po sinkt bei einigen Modellen auf einen leicht gepolsterten Gurtsitz, bei anderen wird er unerbittlich gegen harte Holzstreben gepresst. Bei Schlitten ist aber nicht nur der Komfort wichtig. Entscheidend ist auch: Wie schnell bin ich damit unten? Auf der Suche nach dem richtigen Modell sind neben Gewicht und Körpergröße auch Geschick und Koordinationsfähigkeit relevant.

Bei der Wahl des richtigen Materials sollten Eltern das Alter des Kindes im Blick haben. Bei Kindern unter sechs Jahren sind Modelle empfehlenswert, die gut gedämpft sind. „Außerdem sollten die Kleinen erhöht sitzen, damit sie vor Unterkühlung geschützt sind“, rät Ralf Diekmann vom TÜV Rheinland. Ideal ist deshalb der klassische Schlitten aus Holzlatten, genannt Davoser. Da kleine Kinder noch nicht alleine den Abhang herabsausen sollten, wählen Eltern am besten ein großes Modell, auf dem auch sie Platz finden.

Ein Nachteil des Davoser Schlittens: Er ist eher sperrig. „Das kann hinderlich sein, wenn man mehrere Geräte ins Auto laden möchte“, erklärt Diekmann. Mittlerweile gibt es den Davoser aber auch als Klappmodell. In dem Fall sollten Erwachsene darauf achten, dass Kinder nicht in die Lücken greifen und ihre Finger gequetscht werden können.

Kinder ab sechs Jahren können auf Rodel umsteigen. Dabei handelt es sich nicht um ein Synonym für Schlitten: Rodler ziehen am Steuerseil oder treten auf die Kufen, um so elegant um die Kurven zu kommen. Denn die Kufen sind anders als beim Schlitten beweglich und stehen schräg. Schlittenfahrer bremsen dagegen mit den Füßen im Schnee.

Einer, der den Bau von Rodeln zu seinem Beruf gemacht hat, ist Marcus Grausam. Der Bayer tritt seit seinem elften Lebensjahr bei Europa- und später bei Weltmeisterschaften im Naturbahnrodeln an. Sein größter Erfolg war ein zweiter Platz beim Weltcupfinale in Garmisch-Partenkirchen 2010. Mittlerweile produziert Grausam Freizeitrodel in Serie. „Wichtig ist, dass der Rodel sauber verarbeitet ist.“ Er kauft dafür Eschenholzstämme bei Bauern in der Umgebung ein, die er zwei Jahre vor dem Verarbeiten lagert.

Für die schnellen Rodel brauche man ein gutes Lenkgeschick. Außerdem empfiehlt Grausam für den Anfang nicht zu steile Pisten, einen Sturzhelm, feste Handschuhe und gutes Schuhwerk. Der Unterschied zwischen Rodeln und fest verschraubten Schlitten sei enorm: „Das merkt man spätestens auf einer kurvenreichen Strecke. Die mit dem Davoser stehen schnell doof da, weil sie geradeaus gefahren sind“, erzählt er. Seine Rodel verkauft er aber nicht nur an Familien. Eine große Nachfrage gebe es gerade bei Älteren, die aus Nostalgiegründen wieder einmal auf die Rodelbahn wollten.

Ebenfalls eher für größere Kinder kommen die kleinen Pfannen- oder Tellerschlitten infrage. Bei diesen Modellen gibt es keine Führung, deshalb können Fahrer keine Richtung bestimmen. Das Gleiche gelte für aufblasbare Reifenmodelle, sagt Diekmann. Als weitere Möglichkeit, um den schneebedeckten Hang herunterzukommen, bieten sich Bobs an. Sie haben meist ein Lenkrad oder einen Steuerknüppel und sind aus Kunststoff. Bei diesem Material sei das grundsätzliche Problem, dass es spröde werden und brechen kann. Bobs sollten deshalb immer kühl und trocken gelagert werden, rät der TÜV. Zuletzt hatte die Stiftung Warentest im Dezember 2013 zwölf Schlitten, Rodel und Bobs geprüft. Sechs Modelle bekamen dabei ein „gut“, nur eines war „mangelhaft“. Am kritischsten war bei den Modellen die Stabilität. Der Preis war dagegen weniger entscheidend, erläutert Herbert Noll von der Stiftung. Im Labor hielten einige Geräte keinen hohen Lasten stand. In der Regel gilt bei Schlitten: „Ein Sitz aus Gurtbändern ist bequemer, der Lattensitz ist aber stabiler.“

Auf einem guten Schlitten finden Verbraucher Herstellerangaben zum maximalen Tragegewicht. „Daran sollte man sich halten und sich nicht an der Körpergröße orientieren“, warnt Diekmann. Weiterhin sollten Käufer auf das Zeichen für geprüfte Sicherheit (GS) achten. Auch der Name des Herstellers oder Importeurs sollte klar auf dem Schlitten zu lesen sein – für eine eventuelle Reklamation.

Das Problem beim Kauf: Wer nicht gerade in einer schneesicheren Gegend wohnt, kann das Wintersportgerät so gut wie nie sofort ausprobieren. Wer direkt beim Hersteller oder einem Händler kauft, kann sich aber zumindest beraten lassen, Probe sitzen und die Verarbeitung prüfen. „Bei einer Bestellung im Internet geht das natürlich nicht“, sagt Grausam.

Die Preisspanne beim Schlittenkauf ist groß: Im Test der Stiftung Warentest gab es die günstigsten Modelle ab 38, die teuersten für um die 260 Euro.



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