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"Schwalbenkrieg" in der Kendalstraße / Bewohner gespalten / Nabu rät: Bretter anbringen

Mit Hochdruckreiniger gegen Schwalbennester

Rinteln (who). In der Kendalstraße entwickelt sich ein Schwalbenkrieg: Es gibt Anwohner, die sich über die Meisterflieger und Insektenfänger vor ihrer Haustür freuen, andere, die sie bekämpfen, mit Stöcken die Nester abschlagen und schon mal den Hochdruckreiniger einsetzen.

veröffentlicht am 12.06.2008 um 00:00 Uhr

Die Schwalbennester am Feuerwehrgerätehaus Möllenbeck sind noch

Ein Schwalbenfreund aus der Kendalstraße, der seinen Namen nicht nennen will, weil er den Zorn anderer Anwohner fürchtet, erzählte, er habe selbst beobachtet, wie Bewohner eines Mehrfamilienhauses sich bemüht hatten, "eine entstehende Schwalbenkolonie zum Weiterziehen zu bewegen". Offenbar hätten die Vögel aber nicht verstanden, was in der Menschensprache heißt: Keine Wohnung frei und Anbauten an dieses Haus bedürfen der behördlichen Genehmigung. Denn: Die ungebetenen gefiederten Häuslebauer haben ihre Nestbau-Anstrengungen weiter fortgesetzt und versucht, neue Nester anzukleben. Dass Schwalben nichtüberall gern gesehen sind, liegt hauptsächlich daran, dass sie nicht nur ihre Nester an Hauswände kleben, sondern um ihre Kinderstube auch großräumig Kot verteilen. Besonders ärgerlich, wenn, wie in der Kendalstraße, direkt unter den Nestern eine weiße Hauswand in Rauputz, Fenster und Rollläden liegen. Anders beim Feuerwehrgerätehaus in Möllenbeck. Dort dürfen die Verwandten der Kendalstraßen-Schwalben wohl augenblicklich bauen, wie der Blick hinauf unters Dach auf die lange Reihe der Nester auf rotem Klinkermauerwerk zeigt - darunter liegen keine Wohnungsfenster. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises sieht die Situation so: Das Gesetz schreibe zwar eindeutig vor, die Fortpflanzungsstätten beziehungsweise Nester wild lebender Tiere seien zu schonen, deshalb dürfen beispielsweise in der Brutzeit auch keine Hecken geschnitten werden. Das Gesetz sage dagegen nichts Eindeutigesüber im Bau befindliche Brutstätten aus, so Auskunft von Martina Voigt. Sie empfiehlt als altes, wirksames Mittel, Bretter unterhalb der Nester zum Auffangen des Vogelkotes anzubringen. Für Nick Büscher als Aktiven des Naturschutzbundes in Rinteln sind Bretter als Schmutzfänger ebenfalls das geeignete Mittel. Er verweist darüber hinaus auf die nützlichen Eigenschaften der Schwalben, die als Kulturfolger stets in der Nähe von Menschen gelebt hätten. Schwalben, so Büscher, vertilgten enorme Mengen an lästigen Insekten. Er könne nicht nachvollziehen, dass sich Stadtbewohner einerseits über zu wenig Natur in ihrem Umfeld beklagten, "und sie andererseits mit dem Hochdruckreiniger wegwaschen wollen, wenn sie einmal da ist".



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