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Kutscher Reinhold Hahler spannt vor seinen Bierwagen zwei Kaltbluthengste / In Rinteln auf dem Bauernmarkt bestaunt

Mit Hero und Nepomuk im Wiehengebirge bergauf, bergab

Rinteln (cok). Groß, stark und manchmal durchaus wild sind die beiden westfälischen Kaltblutpferde, die die Bierkutsche von Barre-Bräu tapfer durch die Fußgängerzone bugsierten, damit das "Hotel Stadt Kassel" und der "Stadtgarten" mit Nachschub versorgt würden.

veröffentlicht am 09.06.2007 um 00:00 Uhr

Reinhold Hahler: "Den Hengsten in die Augen sehen." Foto: cok

"Es sind Hengste", sagt Kutscher Reinhold Hahler. "Natürlich sind es Hengste! Ich will doch nicht mit Wallachen fahren!" Kastrierte Wallache könnte man zwar auch ganz allein irgendwo warten lassen, statt das ständig jemand zum Aufpassen in der Nähe sein muss. "Die stehen auch ruhig zwei Stunden vor der Kneipe!" Aber Reinhold Hahler würde seine prächtigen Hengste niemals gegen ruhigere Wallache eintauschen wollen. "Sie sind viel eigenwilliger, ja, aber die beiden haben absolutes Vertrauen zu mir und überhaupt zum Menschen", sagt er. "Gut, man kann nicht weggehen - soll man ja auch nicht!" Ihm liegt der Umgang mit Pferden von jeher im Blut. Bereits sein Vater war Pferdezüchter auf einem kleinen Hof in Stemwede am Dülmer See, und auch er selbst, der die Landwirtschaft übernahm, verlegte sich bald auf die Pferdezucht, westfälische Warmblüter, die zu guten Spring- und Dressurpferden werden. Mit den ausgewachsen Hengsten als Zugpferden der Bierkutsche hat der Vielseitigkeitsreiter und Turnierrichter alsoüberhaupt kein Problem. "Ich habe die beiden ausgesucht, als sie zweieinhalb Jahre alt waren", sagt er. "Man erkennt an den Augen, was Pferde für einen Charakter haben - genauso wie man das bei den Menschen erkennt!" Nepomuk, 10 Jahre alt, ist so sensibel, dass er schon "Gewehr bei Fuß" steht, wenn sein Meister etwas lauter mit ihm redet. Hero arbeitet bereitwillig "wie ein Pferd" und ist eigentlich nur aus der Ruhe zu bringen, wenn der Wagen, wie in Rinteln, Station an der Reithalle macht, wo der Duft der Stuten in der Luft liegt. Wenn aber ihr Erzieher und Meister bei ihnen ist, dann kann nichts passieren. "Hengste hören richtig nur auf denjenigen, der sie auch ausgebildet hat", so Hahler. Vor 17 Jahren bewarb sich der Landwirt bei der Privatbrauerei Barre in Lübbecke um die Stelle eines Gabelstaplerfahrers. Wenig später dann übernahm er zur Freude aller die Aufgaben rund um die Bierkutscherei. Vier Mal in der Woche spannt er an, um in der im Wiehengebirge liegenden Stadt bergauf, bergab den im beladenen Zustand sechseinhalb Tonnen schweren Wagen zu kutschieren, zusammen mit seinem Kollegen Kurt Mansfeld. Und bei den vielen Werbeaktionen, wie jetzt in Rinteln, erobern sie auch andere Städte. "Da muss man natürlich vorausschauend fahren", erklärt der Kutscher. "Wenn man mit dem Gespann erst mal in einer engen Gasse ohne Wendemöglichkeit gelandet ist, dann sieht es schlecht aus..." Sowas kommt aber kaum vor. Stattdessen staunen die Menschenüber Pferd und Wagen, bleiben stehen, streicheln die schönen Tiere, riechen den Pferdeduft und manches kleine Kind darf auch mal auf dem Kutschbock sitzen. Wenn man Reinhold Hahler danebenstehen und lächeln sieht, weiß man, dass er den Beruf seines Lebens gefunden hat.



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