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Vor Gericht: Drei Wochen Dauerarrest / Unterschrift gefälscht

Mit fremder EC-Karte im Kaufrausch

Bückeburg (ly). Er hat gestohlen, betrogen, Urkunden gefälscht, Gewalt angewendet und noch Einiges mehr. Trotz seiner Jugend ist dieser Bursche (18) schon ein schlimmer Finger, wovon etwa ein halbes Dutzend Vorstrafen künden. Richtig übel nimmt Jugendrichter Dr. Dirk von Behren dem Bückeburger aber dies: "Nur wenige Tage nach der letzten Verurteilung wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zieht er los und dreht das nächste Ding."

veröffentlicht am 14.04.2007 um 00:00 Uhr

Das war im November des vergangenen Jahres, und jetzt hat der Fall das Amtsgericht beschäftigt. Wegen sechsfachen Betruges und Urkundenfälschung verurteilte von Behren den Heranwachsenden zu drei Wochen Dauerarrest. Darüber hinaus muss der 18-Jährige, der bisher keinen Schulabschluss geschafft hat, an einem sozialen Trainingskurs teilnehmen. "Wenn er dort nicht hingeht, gibt es vier Wochen Dauerarrest oder 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit", warnte der Richter bereits vorsorglich. Irgendwie hatte der junge Mann einen Kumpel (18) aus Bückeburg dazu gebracht, dass dieser seine EC-Karte samt PIN-Nummer rausrückte. Mit welchen Mitteln, wurde vor Gericht nicht mehr geklärt, das entsprechende Verfahren eingestellt. Ursprünglich hatte die Anklage auf Raub gelautet. Mit massiven Drohungen sollte der Täter den Schüler in dessen Zimmer gefügig gemacht und die Karte genommen haben. Das wäre ein Verbrechen gewesen. Nach der Beweisaufnahme ließ sich dieser Vorwurf jedoch nicht länger halten. Als erwiesen gilt, dass der Angeklagte mit der Scheckkarte seines Bekannten erst einmal nach Herzenslust einkaufen gegangen war und jeweils per Lastschrift gezahlt hatte, wobei die Unterschriften gefälscht wurden. Eine Play-Station, noch 'ne Play-Station, Schuhe, Klamotten, Handykarten, Zigaretten: Insgesamt sechsmal stattete der Betrüger, möglicherweise begleitet von Komplizen, Kaufhäusern in Obernkirchen, Rinteln und Hannover innerhalb weniger Tage einen Besuch ab. Klarer Fall von Kaufrausch. Waren im Wert von rund 600 Euro wechselten so den Besitzer. Dass auf dem Konto nur 22 Cent waren, spielte dabei überhaupt keine Rolle. Wegen Verdunkelungsgefahr hatte der Heranwachsende bis zur Verhandlung in Untersuchungshaft gesessen. Im Vorfeld des Prozesses soll er versucht haben, das Opfer zu bedrohen und von einer wahrheitsgemäßen Aussage abzuhalten. Durch die U-Haft ist der jetzt verhängte Dauerarrest bereits abgegolten. "Die Zeit im Gefängnis hat meinen Mandanten beeindruckt", versicherte Verteidiger Oliver Theiß.



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