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"Göttinger" und Star-Pianist Paul Badura-Skoda brillieren bei ausverkauftem Konzert im Schloss

Mit fein ziseliertem Spiel Gefühlen auf der Spur

Bückeburg. Mit seinem von Brahms, Beethoven und Mozart geprägten Programm und dem Pianisten Paul Badura-Skoda hat das bestens aufgelegte Göttinger Symphonie Orchester seinem Publikum im Festsaal des Schlosses einen anregenden, ungewöhnlich langen Abend beschert.

veröffentlicht am 15.10.2007 um 00:00 Uhr

Das Göttinger Symphonie Orchester (großes Bild) hat den Zuhörern

Autor:

Dietlind Beinßen

Die einleitenden Haydn-Variationen von Brahms ertönten selbst in ihren lebhaftesten Momenten gebändigt, allerdings nicht gebremst. Dirigent Christoph Mueller nahm sich Zeit für koloristische Formulierungen. So geriet der erste Giocoso-Teil präzise, aber drängend genug, und atmete Sommernachtstraum-Atmosphäre. Wenn das Finale ein wenig "zackig" anmutete, gab es doch keine herausposaunte Virtuosität, sondern ein fein ziseliertes Spiel. Anschließend öffnete sich der Vorhang für den großen Auftritt von Paul Badura- Skoda, einer gefeierten Klavier-Legende, die bei der Abschiedstournee zur Freude der Zuhörer und des Hausherrn, Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe, in Bückeburg Halt machte. Der Altstar trug Mozarts A-Dur-Konzert (KV 488) in einer Weise vor, die zu Herzen ging. Es gefiel die hochexpressive Art, in der der Künstler den melodiösen, thematisch schlichten Kopfsatz formte. Hier bestach sein Vortrag durch entspannte Klarheit. Im arienhaften Adagio, das zu den berückendsten Tonschöpfungen Mozarts zählt, blühten die melodischen Schönheiten in vokaler Anmut. Die Anschlagskultur steigerte sich im Schlussteil zu scheinbar müheloser pianistischer Feinarbeit. Christoph Mueller tat das Seine zum Gelingen, denn er animierte die konzentrierten "Göttinger" zu behutsamer Begleitung. Für lang anhaltenden Stehbeifall dankte das Tastengenie übrigens mit Mozarts flottem "Türkischen Marsch". Die "Pastorale" steht oft auf des Messers Schneide zwischen dahinplätschernder Tonmalerei und in Spannung gehaltener Idylle. Unter der Stabführung ihres Schweizer Chefs ließen die Symphoniker keinen Zweifel daran, wie man Beethovens Sechste von Konventionen befreit und dabei ganz auf Farben und Stimmungen setzen kann. Mueller hielt einige Rezepte parat: Er gestaltete luftig-luzid und blieb den Gefühlen auf der Spur, ohne ihnen auf den Leib zu rücken. Zudem erwiesen sich seine Instrumentalisten als Meister spannungsvoller Verknüpfungen - eine nachhaltige Aufführung, die nicht nur bei der Fürstenfamilie große Zustimmung fand. Apropos: Auf diese ist beim Orchester gewiss auch die Hochzeitsfotografie gestoßen, welche Fürst Alexander und Gattin Nadja Anna dem Dirigenten als Dankeschön für die musikalische Umrahmung bei ihrer Trauung in der Stadtkirche überreichten. Trotz fortgeschrittener Zeit hielten die Gäste aus Göttingen ihrerseits noch ein Geschenk parat: zwei Sätze aus der Mozart-Sinfonie KV 184.

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