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Bewährungsstrafe, Geldbuße und Führerscheinsperre für Alkoholiker / Berufung zurückgezogen

Mit fast drei Promille in den Gegenverkehr

Selliendorf/Bückeburg (ly). Auf einem Firmenfest nimmt das Unheil seinen Lauf. Der Chef (44), ein Alkoholiker, greift zum Mixgetränk und kann nicht mehr aufhören zu trinken. Vor Gericht wird er später beteuern, nicht gewusst zu haben, dass in dem scheinbar alkoholfreien Drink auch Sekt gewesen sei. An jenem Abend im Februar jedenfalls, einige Stunden nach der Feier, finden Polizisten den Eilser in einem Graben am Rande der Bundesstraße 83, wohin er sich in der Dunkelheit verkrochen hat, volltrunken und kaum ansprechbar.

veröffentlicht am 02.11.2006 um 00:00 Uhr

Kurz zuvor ist er mit seinem Auto bei Selliendorf in den Gegenverkehr geraten und hat dabei einen Zusammenstoß verursacht. Ergebnis der Blutprobe: fast drei Promille. Recht ernüchternd wirkt in solchen Fällen die anschließende Gerichtsverhandlung. Vom Amtsgericht hat der bereits zuvor einschlägig in Erscheinung getretene Angeklagte im Sommer acht Monate Freiheitsstrafe bekommen, ausgesetzt zur Bewährung, dazu 2000 Euro Geldbuße sowie das drei Jahre währende Verbot, mit seiner tschechischen Fahrerlaubnis in Deutschland unterwegs zu sein. Und dabei bleibt's, denn in zweiter Instanz vor dem Landgericht zog der 44-Jährige seine aussichtslose Berufung jetzt zurück. Der Schuldspruch lautet auf fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit fahrlässigem Fahren ohne Fahrerlaubnis und Entfernen vom Unfallort. Die Verteidigung wollte auf Unzurechnungsfähigkeit hinaus, auf eine Verurteilung nach dem Vollrausch-Paragraphen und eine Geldstrafe. Denn der Eilser lebt gefährlich: Beim nächsten Rückfall könnte es Gefängnis geben und obendrein die Bewährung widerrufen werden. "Hoffentlich motiviert den Angeklagten diese Drohung, künftig die Finger von der Flasche zu lassen", sagte der Vorsitzende Richter Friedrich von Oertzen. Seine Firma, die der 44-Jährige durch die eigene Suchtkrankheit beinahe ruiniert hätte und die nun wieder im Aufwind scheint, ginge sonst womöglich Pleite. Schuldunfähigkeit sah ein Rechtsmediziner, vom Gericht als Gutachter bestellt, ohnehin nicht. Nach dem Crash auf der Bundesstraße, der mit Sachschaden relativ glimpflich ausgegangen war, hatte der Eilser seinem Unfallgegner Geld angeboten, damit dieser ihn nach Hause fahre. "Dazu gehört ein gehöriges Maß an Einsichts- und Steuerungsfähigkeit", so der Sachverständige. Zu trinken begonnen hat der Alkoholiker nach eigenen Angaben vor knapp 20 Jahren in einer Lebenskrise, zwischenzeitlich will er zehn Jahre trocken gewesen sein. Bei oder nach jenem Firmenfest im Februar ist die Sache wohl wieder einmal vollends außer Kontrolle geraten. Auf dem Heimweg soll der 44-Jährige im Auto weitergetrunken haben. Aus den Gerichtsakten geht hervor, dass im Wagen drei leere Schnapsflaschen lagen. Nur zwei Monate danach wurde der Eilser erneut betrunken am Steuer erwischt, diesmal mit 2,64 Promille auf der Autobahn. Mittlerweile scheint es beruflich und privat wieder aufwärts zu gehen. "Seit drei Monaten ist mein Mandant absolut trocken", versicherte Verteidiger Hans-Dieter Schreckenberg.

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