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Christa und Reinhard Häsner schließen ihre Bäckerei / Abschlusstour mit dem Verkaufswagen

Mit etwas Wehmut öffnen sie ein letztes Mal

Latferde (gm). Montags ist Bäckersonntag, da wurde sowieso nicht gearbeitet. Aber auch am Dienstag könnten Christa und Reinhard Häsner erstmals ausgiebig bis mittags schlafen. „Wir haben das zwar vor, aber das können wir bestimmt nicht“, schmunzelt Christa Häsner, die seit 30 Jahren an der Seite ihres Mannes für täglich frische Backwaren mitverantwortlich war. 1980 übernahm Bäckermeister Reinhard Häsner den Handwerksbetrieb von seinem Vater Walter Häsner, der bis dahin schon auf eine 32-jährige Bäckereitradition in Latferde zurückblickte.

veröffentlicht am 28.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Latferde (gm). Montags ist Bäckersonntag, da wurde sowieso nicht gearbeitet. Aber auch am Dienstag könnten Christa und Reinhard Häsner erstmals ausgiebig bis mittags schlafen. „Wir haben das zwar vor, aber das können wir bestimmt nicht“, schmunzelt Christa Häsner, die seit 30 Jahren an der Seite ihres Mannes für täglich frische Backwaren mitverantwortlich war. 1980 übernahm Bäckermeister Reinhard Häsner den Handwerksbetrieb von seinem Vater Walter Häsner, der bis dahin schon auf eine 32-jährige Bäckereitradition in Latferde zurückblickte. Morgen ist nun Schluss, denn dann möchten sich die Eheleute Häsner in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden.

„Ein bisschen Wehmut ist schon dabei“, meint Reinhard Häsner, der 1968 seine Meisterprüfung ablegte. „Wir haben viele Stammkunden, die schon seit ewigen Jahren zu uns an den Verkaufswagen kommen“, sagt der Meister. „Und da hat man schon ein schlechtes Gewissen. Aber wenn die Gesundheit nicht mehr mitmacht, sollte man auf seinen Körper hören“, ist sich Häsner sicher.

Die Bäckersleute haben zwei erwachsene Kinder, die beide einen anderen Berufsweg gewählt haben – und daher ist an einen Generationswechsel in der Backstube überhaupt nicht zu denken. Christa Häsner öffnet morgen um 6 Uhr ihren kleinen Laden an der Börryer Straße zum letzten Mal, Ehemann Reinhard startet nach der Produktionsarbeit gegen Mittag zu seiner letzten Tour. „In den sechziger Jahren haben wir uns mit meinem Vater die Tour durch Hagenohsen,

Kirchohsen und Emmern aufgebaut“, erinnert sich Häsner. Vor 10 bis 15 Jahren kamen dann noch Ohr, Daspe und Tündern hinzu. „Das hat uns eigentlich immer noch hoch, gehalten“, berichtet Christa Häsner, die ganz stolz erzählt, dass ihr Reinhard ja auch noch bis zum vorletzten Tag drei Emmerthaler Industrieunternehmen mit frischen Backwaren belieferte.

Fünf Verkaufsfahrzeuge hat Reinhard Häsner in seinen 30 Jahren verschlissen. „Das Haus-zu-Haus-Geschäft ist nicht unbedingt förderlich für einen Motor“, weiß der Bäckermeister, der sich immer Serienfahrzeuge gekauft hat und die dann selbst zum Verkaufswagen umbaute.

Für die beiden Pensionsbetriebe in Latferde ist die Geschäftsaufgabe der Häsners auch ein Verlust. „Die Kunden standen hier morgens um kurz nach 6 Uhr vor der Tür und haben für ihre Pensionsgäste Brötchen geholt“, sagt Christa Häsner. Ihr fällt der Abschied vom Betrieb genauso schwer wie ihrem Mann. An zwei Dinge erinnert sich der in Grohnde geborene Bäckermeister aus Latferde besonders gerne. „Mein Vater hatte 1952 die alte Latferder Grundschule übernommen und sie zur Bäckerei ausgebaut. Später habe ich als Stift meinen ersten Arbeitsplatz an fast der gleichen Stelle gehabt, an der ich als Erstklässler einst gesessen habe“, lacht Häsner und deutet auf das Fenster, das zur Hajener Straße zeigt. „Als ich in der ersten Klasse war, pfiff der Wind da noch durch, Vater hat’s dann später dicht gemacht.“

Und eine weitere schöne Erinnerung liegt erst zwei Tage zurück. „Eine Stammkundin aus Hagenohsen hat mir am Mittwoch zum Abschied ein Gedicht geschrieben“, sagt der Mann, der jetzt so nach und nach sein Backstubeninventar verkauft.

„Schade, mit den Häsners geht ein Stück Latferder Infrastruktur verloren“, bedauert Ortsbürgermeister Andreas Lenk die Geschäftsaufgabe. „Bis 2008 hat Herr Häsner immer noch für unsere Seniorenbetreuung zu Weihnachten die Kekse gebacken. Aber im letzten Jahr konnte er schon aus Gesundheitsgründen nicht mehr für uns produzieren“, verdeutlicht Lenk.

Nach getaner Arbeit geht’s jetzt für das Bäckerpaar in die Unruhe. „Wir haben uns erst im letzten Jahr einen neuen Wohnwagen gekauft und werden zum Frühjahr ein bisschen durch Deutschland und Österreich fahren“, freuen sich die beiden sympathischen Latferder gemeinsam auf die Reisen.



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