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Kleine "Dreizeher" noch nicht enträtselt / Morgen erste öffentliche Grabung dieses Jahres

Mit der Wurzelbürste auf den "Dino-Wechsel"

Münchehagen/Hannover (jpw). Ein "Dino-Wechsel" mit 14 Saurier-Fährtenzügen und zum Teil bis zu 57 Einzeltrittsiegeln von Pflanzenfressern und Raubsauriern in ungewöhnlicher Länge und hervorragendem Erhaltungszustand: Das ist das bisherige Ergebnis der Grabungen im Steinbruch Wesling in Münchehagen.

veröffentlicht am 22.07.2006 um 00:00 Uhr

Große, gut erhaltene Trittsiegel haben Grabungsleiterin Ute Rich

Die Experten des Niedersächsischen Landesmuseums und vom Dinopark Münchehagen vermuten auf der rund 1200 Quadratmeter messenden Fläche noch viele weitere Abdrücke. Einige von ihnen könnten schon morgen, Sonntag, von 10 Uhr bis 16 Uhr, bei der ersten öffentlichen Grabung dieses Jahres freigelegt werden. "Wir stellen gerne Wurzelbürsten und Getränke", sagt Annette Broschinski vom Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover, "doch zusätzliche Bürsten sind willkommen." Morgen, Sonntag, werden im Steinbruch - rund 150 Meter nordöstlich vom Dinopark Münchehagen - zwar nicht so viele Menschen erwartet, wie bei der ersten öffentlichen Grabung des vergangenen Jahres, doch: "Einige scharren schon mit den Hufen", sagt Broschinski. Ihre Kollegin, die Paläobiologin und Grabungsleiterin Ute Richter, ist davon überzeugt, dass sich noch viele weitere 140 Millionen Jahre alte Spuren aus der Zeit der Unterkreide auf dem rund 1200 Quadratmeter großen Areal finden lassen. Hand in Hand arbeiten dort die Wissenschaftler mit den Mitarbeitern des Steinbruchbetreibers. Die Hoffnung der Experten besteht darin, bis zum Ende des Sommers einen komplettenÜberblick über das gesamte Gebiet zu bekommen. Bereits jetzt sind einige, kleine, bisher noch rätselhafte Spuren von "Dreizehern" freigelegt worden. "Diese können wir noch keinem Saurier zuordnen", meint Richter. Alle Fährten stammen aus einem Gebiet mit Flachwasserzonen und Inseln, zwischen denen die pflanzenfressenden Saurier hin- und hergezogen sind, um neue Weidegründe zu suchen. Im vergangenen Jahr legten die Wissenschaftler unter anderem die Spuren eines Muttertiers mit drei Jungtieren unterschiedlichen Alters frei, die immer wieder die Spur des erwachsenen Sauriers kreuzen. Direkt neben einem Saurier-Trittsiegel findet die Ausgrabungsleiterin einen gut ein Meter langen, versteinerten Baumstamm. "Das ist ein Zeichen dafür, dass damals Tropenstürme geherrscht haben müssen." Wahrscheinlich sei, dass die Sedimentfläche schon kurz nachdem die Saurier sie durchquert haben, zügig von Sandmassen bedeckt worden ist. So sind die so genannten Rippelmarken, die Spuren, die Wind und Wasser vor 140 Millionen Jahren in den Sand gezeichnet haben, stellenweise hervorragend erhalten. "Überall dort entdecken wir viele Siegel", erläutert die Paläobiologin, die gemeinsam mit ihrem Team die Fläche für die morgige Ausgrabung vorbereitet. Öffentliche Grabungstermine sind für den 23. 7., 28. 7., 6.8., 13.8., 20.8., 2.9. und 3.9. jeweils in der Zeit zwischen 10 und 16 Uhr angesetzt. Gegraben wird auch bei feuchterem Wetter, nur nicht bei Dauerregen.

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