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Enthusiasten am Steuer: Elektroauto-Rallye „Wave“ macht Werbung für klimafreundliche Mobilität

Mit der Solarzelle auf dem Dach durch Europa

Bad Pyrmont (uk). Elektroautos sind beileibe keine neue Erfindung. Der kleine Peugeot von Jaromir Vegr hat bereits 17 Jahre auf dem Buckel. Der Tscheche, Präsident des Tschechischen Clubs für Elektromobilität, hat den Wagen seinerzeit in Belgien gefunden. „Das Auto hat dem damaligen belgischen Premierminister gehört und hatte gerade einmal 1500 Kilometer auf dem Tacho“, erzählt er. Vegr ist einer der Teilnehmer der „Wave Trophy 2012“, die in Genua gestartet ist und gestern im Pyrmonter Kurpark Station machte.

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Das Auto des Tschechen löst Staunen aus,– zumal es mit einer Akkuladung eine Reichweite von über 500 Kilometern hat – 380 mehr als es die Regeln der World Advance Vehicle Expediton (kurz Wave) fordern. Der Strom dafür wird von Photovoltaikmodulen produziert, die die Solarteure, wie sie sich nennen, zu Hause auf ihren Dächern montiert haben und der ansonsten ins Stromnetz eingespeist wird. „Darum braucht es auch keine zusätzlichen Kernkraftwerke, um Elektroautos zu betreiben“, betont der Tour-Direktor Louis Palmer. „Uns geht es darum, Aufmerksamkeit zu erregen und zu zeigen, was mit einem Elektroauto alles möglich ist“, sagt der Solarpionier und fügt hinzu. „Elektroautos sind nicht nur klimafreundlich, sondern auch günstig zu betreiben.“ Der derzeit noch hohe Anschaffungspreis werde sich umso mehr reduzieren, je höher die Zahl der produzierten Wagen sei, prognostiziert der Schweizer. Die Politik könne noch mehr für die Verbreitung von Elektroautos tun, meint er. „Nicht mit Geld, sondern zum Beispiel mit eigens ausgewiesenen Fahrspuren.“

17 Solarmobile haben Bad Pyrmont erreicht und damit bislang mehr als 2000 Kilometer auf dem Weg nach Amsterdam geschafft. 18 statt der angekündigten 20 Wagen waren gestartet, bislang musste nur ein Dreirad vorgestern mit technischem Defekt aufgeben. Etwas haben alle gemeinsam: Sie rollen sehr leise an, selbst solche Boliden wie der luxuriöse Lotus, den Studenten der Hochschule Luzern umgebaut haben. Er ist auch in Bad Pyrmont ein Blickfang fürs Publikum, unter ihnen auch viele Schüler aus Lügde. Zwei mächtige, 300 Kilo schwere Batterien können den Wagen bis auf Tempo 240 vorantreiben. „Anders als beim Verbrennungsmotor wird die Energie zu fast 100 Prozent in Bewegung umgesetzt“, unterstreicht Teammitglied Roger Staubli die Effizienz von Elektromotoren. Nicht weniger schnittig und flott ist der Tessla Roadster vom Team Austria‘s Greensportcars, der bei moderatem Tempo bis zu 400 Kilometer weit kommt. Auf dem Hard-Top des Wagens wurde eine Solarzellenfolie angebracht. „Theoretisch könnten damit pro Tag 1,6 Kilowattstunden Strom produziert werden“, so der Fahrer Manfred Hillinger.

„So ein Sportwagen, das wäre was für mich“, bekennt Bürgermeisterin Elke Christina Roeder. „Natürlich nur für meinen privaten Gebrauch.“ Für den Fuhrpark der Stadt wäre etwas weniger Rasantes angebracht. „Wir werden uns Gedanken machen, ob ein Elektroauto für uns infrage kommt“, kündigte sie an. Gemeinsam mit Roland Bent von Phoenix Contact, Kurdirektor Hans-Hermann Blome und Stadtwerkechef Dieter Boldt hatte sie die Solarteure begrüßt. Und gemeinsam mit allen Besuchern folgten sie eifrig der Einladung von Palmer, mit ausgestreckten Händen eine Welle (Wave) für ein Video zur formen, das demnächst bei „YouTube“ im Internet zu sehen sein wird.

  • So dick müssen die Stecker zum Aufladen der Akkus dann doch nicht sein. Dieser dient als Hingucker.

„Ein Gefühl wie im Flugzeug“: Solarteur Wolfgang Möscheid erklärt Schülern aus Lügde enthusiastisch die Technik seines Twike, das er aus einem Liegefahrrad entwickelt hat. Bei Bedarf (oder nach Lust und Laune) können die Insassen in die Pedale treten.

Fotos: uk

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