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Heimische Firma baute einst das Instrument in Salzhemmendorf / Aufwendige Restaurierung kostet insgesamt 260 000 Euro

Mit der Orgel bewahrt die Kirchengemeinde ein Stück Geschichte

Salzhemmendorf (gök). Sie hämmern und schrauben, arbeiten am Orgelprospekt und hantieren mit den Pfeifen: Mit Hochdruck arbeiten die Orgelbauer der Firma Seifert aus Kevelaer im Kreis Kleve in der Salzhemmendorfer St.-Margarethen-Kirche. Die Fachfirma ist mit der Restaurierung dieser altehrwürdigen Orgel beauftragt. 1870 war sie in ihrer ursprünglichen Form durch die ortsansässigen Orgelbauer August und Heinrich Faber erstellt worden. Da dieser immer Neuerungen ausprobierte, gilt die Salzhemmendorfer Orgel als Unikat, welche mit einigen technischen Überraschungen für die Experten aus Nordrhein-Westfalen aufwarten konnte.

veröffentlicht am 15.08.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 03:41 Uhr

Die Orgel in der St.-Margarethen-Kirche wird restauriert. Foto:
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Ein Blick in die Vergangenheit: Fünf Jahre zuvor hatte August Faber mit seinem Sohn Heinrich die Firma in der Flöthstraße gegründet. Die fünf Söhne von Heinrich Faber, welche später auch in die Firma eintraten, sorgten für allerlei technische Neuerungen und patentierte Konstruktionen im deutschen Orgelbau. In den ersten Jahren wurden gerade im Umland etliche Orgeln ausgeliefert. So entstanden etwa in Thüste, Weenzen oder Bisperode Faber-Orgeln. Anfang des 20. Jahrhunderts lieferte die Firma sogar bis nach Asien oder Amerika. Im Ersten Weltkrieg war die Produktion lahmgelegt worden und der Orgelbau lief nur schleppend wieder an.

Hauptsächlich wurde dann der Export bedient, da aufgrund der Inflation in den zwanziger Jahren die Aufträge aus dem eigenen Land fehlten. Als Ergänzung wurden in der Fabrik nun auch Kaffeemühlen hergestellt. Mit der Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre ließ die Orgelproduktion deutlich nach, ehe sie 1945 komplett eingestellt wurde. Unter den Namen Faber und Söhne, Faber und Greve und Faber und Dienes wurden insgesamt über 200 Orgeln hergestellt und an zahlreichen anderen Instrumenten mitgearbeitet.

Das Instrument in Salzhemmendorf war eine pneumatische Orgel, welche über luftgesteuerte Ledertaschenrelais gesteuert wurde. 1912 wurde die Orgel das erste Mal überarbeitet, in den sechziger Jahren das zweite Mal. Fachleute wiesen bereits Ende der neunziger Jahre darauf hin, dass sie aufgrund der porösen Lederbeutel jederzeit ausfallen könnte. Daher begann die Kirchengemeinde bereits 1998 damit, Spendengelder für die Sanierung zu sammeln. Da die Orgel aber für ansprechende moderne Musikstücke zu träge war, entschied man sich im Sanierungsfall für eine mechanische Version.

Bei der in den letzten Tagen begonnenen Restaurierung können immerhin 95 Prozent der bestehenden Pfeifen wiederverwertet werden. Die restlichen Pfeifen kaufte man der Kirchengemeinde in Bisperode ab, welche ihre Orgel vor Kurzem auch restauriert hatte und diese nicht mehr benötigte. Aufgrund der Besonderheit der Salzhemmendorfer Orgelbaugeschichte war es natürlich ein Ziel der Gemeinde, die Orgel zu erhalten und damit auch ein Stück Geschichte zu bewahren. Nach Gesprächen mit sechs verschiedenen Firmen entschied man sich dann für die Zusammenarbeit mit der Firma Seifert.

Als Kosten für die Restaurierung wurden etwa 260 000 Euro angesetzt, wovon die Kirchengemeinde selber 127 000 Euro aufbringen musste. Durch die Landeskirche wurde das Vorhaben mit 85 000 Euro und durch den Kirchenkreis Hildesheimer Land mit 50 000 Euro bezuschusst. Neben einer Einzelspende von 8000 Euro halfen neben den örtlichen Kreditinstituten vor allen Dingen die örtlichen Vereine der Kirche. Sie veranstalteten zusammen mit der Kirche die Orgelfeste. Von diesen Festen zeigte sich Pastor Thomas Müller so begeistert, dass sie auf jeden Fall fortgesetzt werden sollen. Anfangs gingen noch 100 Prozent des Gewinns zugunsten der Orgel. Danach teilte die Kirche aufgrund des großen Engagements der Vereine das Geld aber auf.

Die reinen Sanierungsarbeiten an der Orgel sollen zwar Ende nächster Woche abgeschlossen sein, aber die Einstellung des Instruments soll dann noch wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Die Einweihung ist für den 3. Oktober zum Erntedankfest geplant, an der das Kirchenschiff auch seinen 400-jährigen Geburtstag feiert. Die Predigt soll dann von Bischof Janssen gehalten werden, ehe Prof. Hans Christoph Becker-Foss der Orgel die ersten offiziellen Töne entlocken wird.



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