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Linienbus kommt nicht bis Bodenengern oder Gut Südhagen / Mit Fahrer Walter Lorenz kommen alle Schüler gut aus

Mit dem "Spezial"-Schulbus fast bis vor die Haustür

Auetal (la). Morgens um 6.33 Uhr, meist zwei Minuten vor der eigentlichen Abfahrtzeit, hält ein Kleinbus vor einem Haus im Piffittich kurz vor dem Gut Südhagen. "Schon wieder zwei Minuten zu früh", schimpft die 13-jährige Franziska Treviranus und kämmt noch schnell ihre Haare, schnappt die Schultasche, und los geht es. "Guten Morgen Franziska. Na, gut geschlafen?" fragt BusfahrerWalter Lorenz. Man kennt sich gut, denn Lorenz fährt seit über 20 Jahren Bus, und seit vielen Jahren "sammelt" er morgens die Auetaler Schulkinder ein, die weit von der nächsten Linienbushaltestelle der Schaumburger Verkehrsgesellschaft (SVG) entfernt wohnen. Zum Beispiel eben die Kinder vom GutSüdhagen.

veröffentlicht am 15.02.2008 um 00:00 Uhr

Umsteigen bitte! Die Schulkinder aus den abgelegenen Orten des A

Von dort fährt Lorenz, der bei den Kindern überaus beliebt ist, nach Rannenberg, Bodenengern bis Poggenhagen. Ingesamt sind es ein Dutzend Kinder, die mit ihm fahren. In Poggenhagen steigen sie dann um in den Linienbus nach Rinteln oder Obernkirchen. Walter Lorenz startet dann seine zweite Tour: In umgekehrter Reihenfolge holt er Kinder aus Rannenberg, Gut Südhagen, Hattendorf und vom "Horn" in Rehren ab und bringt sie zur Grundschule. Mittags um 13.45 Uhr steht er wieder an der Haltestelle in Poggenhagen und erwartet die Schüler, die mit dem Linienbus aus Rinteln und Obernkirchen kommen. Wieder heißt es für sie umsteigen in den Kleinbus. "Die Straßen zwischen Bodenengern, Rannenberg und Gut Südhagen sind für normale Busse einfach zu eng. Deshalb setzen wir dort den Kleinbus ein, der die Kinder zur Linie 2020 bringt", erläutert der Betriebsleiter der SVG, Dirk Nolte. Im Rahmen der Beförderungspflicht muss die SVG diesen Service leisten. Für Walter Lorenz, der für den Busbetrieb von Herbert Müller arbeitet, ist es mehr als eine Pflicht. "Eigentlich bin ich längst Rentner, aber für mich ist das Fahren inzwischen Hobby", sagt der 68-Jährige. Außerdem fände man kaum jemanden, der diesen Job machen will. "Ich bin Frühaufsteher,und außerdem macht mir der Job Spaß", so Lorenz. Und das merkt man ihm an. Er kennt seine Mitfahrer seit vielen Jahren, und egal ob die beiden 16-jährigen Alexander Bär aus Rannenberg und Jan-Niklas Skibba aus Bodenengern oder die Grundschulkinder an seinem Bus stehen, immer hat er ein nettes, persönliches Wort parat, und mit allen kommt er gut aus. "Schaut mal, das hat mir Maximilian heute zum Valentinstag geschenkt", zeigt er den 16-Jährigen stolz eine Karte. "Danke, dass Du uns immer mit Deinem Bus zur Schule bringst", hat der Erstklässer darauf geschrieben und auch etwas gemalt. "Einen ganz persönlichen Kalender bekomme ich von einer Mutter jedes Jahr geschenkt", erzählt Walter Lorenz. Das ist sicher auch ein Dankeschön dafür, dass er die Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten sehr flexibel gestaltet. "Wo soll ich halten - oben oder unten", fragt er die zwölfjährige Constanze. "Heute hier unten, weil doch auch Alexander dabei ist. Ich gehe dann die paar Meter", bekommt er zur Antwort und hält an der gewünschten Stelle. Die zwölfjährige Lisa Dreyer wird in Rannenberg genau vor der Haustür abgesetzt. Dort auf dem Hof kann Walter Lorenz dann auch drehen, um weiter in Richtung Gut Südhagen zu fahren. "Mit Lisa habe ich mal eine lustige Geschichte erlebt", erzählt der Busfahrer. Schon als Grundschülerin fuhr Lisa mit Walter Lorenz zur Schule und nach Hause. Als Lorenz einmal mittags verhindert war und ein Kollege einspringen musste, verweigerte Lisa mit Geschrei und Tränen die Mitfahrt. Da half auch gutes Zureden nicht. Sie stieg nicht in den Bus undmusste schließlich von ihrer Mama abgeholt werden. "Es ist schon klasse, dass der Kleinbus fährt", sind sich Alexander und Jan-Niklas einig. Wenn die beiden Realschüler einmal früher Schulschluss haben, kommen sie zwar von Obernkirchen nach Rehren, aber von dort müssen sie dann laufen. "Das sind knapp 20 Minuten Weg", sagt Alexander. Eine andere Möglichkeit wäre es, zur Grundschule zu gehen und von dort mit den "Kleinen" zu fahren. "Das mache ich aber eigentlich nie", so Alexander. Franziska Treviranus (13), Constanze Stummeier (12) und Lisa Dreyer (12) besuchen in Rinteln das Gymnasium Ernestinum. Oft ist dort auch Nachmittagsunterricht. "Dann fahren wir mit dem Linienbus bis Rehren und steigen dort in den Kleinbus", erzählt Constanze. Um 16.20 Uhr seien sie dann zu Hause. "Das mit dem Schulbus ist schon okay. Nachmittags hat man hier fast überhaupt keine Möglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwo hin zu kommen", erzählen Jan-Niklas und Alexander. Dann sei das Taxi-Unternehmen "Mama" die einzige Lösung.

Franziska ist morgens die Erste, die von Walter Lorenz mit dem "
  • Franziska ist morgens die Erste, die von Walter Lorenz mit dem "Spezial"-Schulbus abgeholt wird.
Constanze und Alexander steigen in Rannenberg aus dem Kleinbus.
  • Constanze und Alexander steigen in Rannenberg aus dem Kleinbus. Fotos: la

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