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Wie Hermann Meyer aus Tuchtfeld den höchsten Berg Österreichs mit dem Traktor bezwingt

Mit dem Bulldog auf den Großglockner

Tuchtfeld / Großglockner. Während sich im Mai 2013 Wilfried Langner aus Lauenförde – besser bekannt unter dem Namen „Deutz-Willi“ – unter großem Medienrummel auf den Weg nach Mallorca gemacht hatte, träumten auch andere Einwohner aus dem Weserbergland von einer Herausforderung mit einem alten Traktor.

veröffentlicht am 05.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:36 Uhr

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Viele Bergsteiger haben die verschiedenen Gipfel der Alpen bereits bestiegen. Hermann Meyer aus Tuchtfeld und Heinrich Reisige aus Halle hatten es sich da bequemer gemacht: Mit dem Traktor auf den Großglockner hieß ihr Motto. Zusammen mit dem Coppenbrügger Gerhard Schwickert und Hans-Heinrich Brammel aus Celle meldeten die vier sich zu der 13. Oldtimer Traktor Weltmeisterschaft auf der Hochalpenstraße an. In der Anmeldung war dann auch der Name „Weserberglandteam Schwickert - Meyer“ zu lesen. „Leider hatten wir die Ausschreibung falsch interpretiert. Nicht die Anzahl der Teilnehmer, sondern die der Traktoren war für eine Teilnahme als Team erforderlich gewesen“, bedauerte Meyer.

Die Idee, an der Traktor-Weltmeisterschaft am Großglockner teilzunehmen, war vor rund drei Jahren entstanden. Damals hatte Hermann Meyer einen historischen Lanz Bulldog in Andalusien gefunden und ersteigert. „Ein Spanier mit deutschen Wurzeln“, erklärt Meyer schmunzelnd dessen Herkunft. Sein Geschäftsfreund Schwickert hatte bereits viermal an der Traktoren-WM teilgenommen und ihn auf diesen einzigartigen Event neugierig gemacht, meint Meyer.

Aber zuerst musste der Bulldog mit dem historischen Kennzeichen HOL-HM 12H noch an einigen Stellen restauriert und für die Tour in Schuss gebracht werden. Neben einem Originaldach und Lackierarbeiten wurde bei dem fast 60 Jahre alten Traktor auch die gesamte elektrische Verkabelung erneuert. Der 6-Gänge-Oldtimer aus dem Jahr 1957 hat 40 Pferdestärken und wurde durch Hinzufügen eines weiteren Schnellganges von 22 Stundenkilometern auf eine Geschwindigkeit von 33 Km/h „hochgepimpt“. Auch eine geteilte Rückbank für zwei Personen wurde eingebaut. Die ganzen zusätzlichen Arbeiten haben zwar noch einmal rund 15 000 Euro verschlungen. Nun konnte Hermann Meyer aber sicher sein, dass sich sein historisches Schätzchen in einem Top-Zustand befindet.

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Auf eine Panne war das Team mit einer Abschleppstange vorbereitet.

Anders als bei „Deutz-Willi“ wurden die beiden Traktoren von Gerhard Schwickert und Hermann Meyer mit einem Speditions-Lkw die 860 Kilometer zum Startort nach Bruck transportiert. Über 500 Teilnehmer hatten sich dieses Jahr zur 13. Traktor-WM am Fuße des Großglockners eingefunden; mittendrin das Duo Meyer-Reisige mit der Startnummer 329.

Gewertet wurde allerdings bei diesen alten Schätzchen nicht, wer wie bei der Formel 1 als Erster über die Ziellinie fuhr. Vielmehr war hier gefragt, wie nahe die Oldtimer die für jede Klasse vorgegebene Zeit einhalten konnten. Um zum Ziel zu gelangen, musste eine Steigung von überwiegend 15 bis 19 Prozent, eine „Rennstrecke“ von rund 20 Kilometern und letztendlich ein Höhenunterschied von 1674 Metern von den Traktoren überwunden werden. „Schalten war da eine Herausforderung. Bei mir war auch immer die Angst mit dabei, ob ich den nächsten Gang hereinbekomme und ob der 57 Jahre alte Traktor die Fahrt unter Vollgas auch durchhält“, meint Meyer. Und kaputte Oldtimer-Traktoren, die von örtlichen Landwirten abgeschleppt werden mussten, gab es dann auch reichlich. „Unser Lanz hat aber die rund zweistündige Fahrt bis zum Ziel, dem in 2460 Metern Höhe liegenden Restaurant ,Füschertörl‘, durchgehalten“, freut sich der ehemalige Haller Bürgermeister. „Obwohl die Luft in dieser Höhe schon reichlich dünn war“, ergänzt Heinrich Reisige.

Bei der Rückfahrt erwischte es die beiden Weserbergländer dann aber doch noch. Plötzlich kam Qualm aus dem Motor, es klapperte gewaltig und eine rote Lampe blinkte auf. Bei einem kurzen Stopp kam dann schnell die Bescherung ans Tageslicht: Die Lichtmaschine hatte ihren Geist aufgegeben – Lagerschaden. Mit Bordmitteln war das nicht zu reparieren. „Aber da wir außer der Zündung keine weiteren Stromverbraucher benötigten, haben wir es noch bis zum Start zurück ohne fremde Hilfe geschafft“, erklären die beiden WM-Teilnehmer nicht ohne Stolz.

Nach dem Motto „Dabei sein ist alles“ war das Team Meyer-Reisige zur Traktoren-WM aufgebrochen. „Dass wir dann auch noch von den 150 Teilnehmern der Klasse den 16. Platz erreichen konnten, setzte dem Ganzen auch noch die Krone auf“, freuten sich die beiden 71- und 70-Jährigen. Auch der 68-jährige Schwickert und der 73-jährige Brammeln konnten in ihrer Klasse mit ihrem Schlüter Super 1250 aus dem Jahr 1973 Platz 13 von rund 50 Teilnehmern belegen.

„Für uns ein unvergessliches Wochenende mit einem tollen Rahmenprogramm, bei dem wir viele nette Leute kennengelernt haben.“ Wiederholung? „Wir werden sehen“, meint Meyer und überlegt nun, an welcher Stelle seines Lanz er die silberne Medaille anbringen kann. bor

Traktoren werden im großartigen Panorama der 48 Kilometer langen Hochalpenstraße verschwindend klein wie Ameisen.



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