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Mystica Hamelon lockt 100 000 Besucher in die Stadt

Mit Brot, Met und Spielen geht’s ab ins Mittelalter

Einmal einen Bartkauz streicheln – die Falknerei aus dem Aatal macht’s möglich. Auf dem Mittelaltermarkt ziehen die Flugshows mit Eulen und Bussarden Jung und Alt in ihren Bann.  Mittelalterliches Marktleben – mit urigen Instrumenten, Spielen aus alten Tagen, Lagerleben und Feuerkunst. Drei Tage lang führen die Akteure vor, wie’s damals so war bei den Rittersleut und Wikingern.

veröffentlicht am 07.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.04.2010 um 15:17 Uhr

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Autor:

Karin Rohr

Einmal einen Bartkauz streicheln – die Falknerei aus dem Aatal macht’s möglich. Auf dem Mittelaltermarkt ziehen die Flugshows mit Eulen und Bussarden Jung und Alt in ihren Bann.

Mittelalterliches Marktleben – mit urigen Instrumenten, Spielen aus alten Tagen, Lagerleben und Feuerkunst. Drei Tage lang führen die Akteure vor, wie’s damals so war bei den Rittersleut und Wikingern.

Hameln. Brandgeruch liegt über der Altstadt. Vor den Zelten auf dem Pferdemarkt schwelen Lagerfeuer, lodern Holzscheite in Schwedenkörben. Jedes bisschen Wärme tut gut. Es ist bitterkalt in Hameln. Minus 11 Grad werden morgens gemessen. Das geht auch den Maiden, Rittern und Wikingern an die Nieren, die auf dem Mittelalter-Markt von Mystica Hamelon campieren. „Es war noch nie so kalt“, gesteht die lagererfahrene Beatrice vom Wesertal. Gemeinsam mit Eibe von dem Lindenhof, die im wirklichen Leben Diplomverwaltungswirtin ist, schnippelt sie Kohl für eine Mahlzeit, die über dem Feuer zubereitet wird. Für die „Freie Söldnerschaft vom Banner des roten Adlers“ ist das Eintauchen ins Mittelalter eine Passion, die in der Freizeit gepflegt wird. Die Akteure wollen das Leben im späten 12. Jahrhundert geschichtsnah und lebendig darstellen. Waffenkunde und Schaukämpfe gehören dazu, Wundbehandlung und Zahnreißen, aber auch Gesang und Tanz. Und wenn’s nicht gar so eisig wäre, hätte der eine oder andere Ritter gewiss nichts gegen ein Bad im Badehaus gehabt. So aber ist die Taverne der populärere Ort.

Mit Video-Clip-Dancing und Jumpstyle unterhält die Tanzschule Fü
  • Mit Video-Clip-Dancing und Jumpstyle unterhält die Tanzschule Für Sie in der Stadt-Galerie – auch ein Publikumsmagnet. Fotos: Dana
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Mit Video-Clip-Dancing und Jumpstyle unterhält die Tanzschule Fü
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Das mittelalterliche Treiben rund um die Marktkirche und auf der Osterstraße lockt am Wochenende rund 100 000 Besucher in die Hamelner Altstadt. Schnee und eisiger Wind sind vergessen, als am Sonntag die Sonne mitspielt. Ausflügler aus nah und fern zieht es in die Stadt. Gebannt verfolgen Hunderte die Shows der Falkner aus dem Aatal, wollen alles über die zahmen Uhus, den Bartkauz, die kleine Schleiereule oder die stolzen Bussarde wissen. Und den Kauz streicheln. Die Tiere wurden von Menschen aufgezogen, sind an Menschen gewöhnt und nicht nur für die Kleinsten ein Magnet. Wie auch die Spiele aus „alten Tagen“ – das Eierknacken mit Boule-Kugeln oder das Mäuse-Roulette. Für Gilberts Flohzirkus braucht man gute Augen und viel Fantasie. Oder man lässt sich einfach nur verzaubern. Das urige, handbetriebene Riesenrad und das rustikale Kettenkarussell stehen kaum einmal still. Regelrecht umlagert sind Schmied und Böttcher: Selbst mal das Eisen schwingen oder einen Holzeimer herstellen – das hat was. An der Taverne ist schon ab morgens Betrieb. Der heiße Met kommt an. Und auch die „Seelen“ des Bäckers oder Junker Wilfrieds Spanferkel am Spieß munden: Bis zum Nachmittag hat der die vielen hungrigen Mäuler mit neun Schweinen und vier Schinken gestopft. Schaf- und Rentierfelle sind nicht nur bei Besuchern heiß begehrt. Auch die Akteure wissen sie zu schätzen. Der in Lumpen gehüllte Bettler, der die Schaulustigen um milde Gaben anfleht, hat sein Feldbett im Zelt vor dem Hochzeitshaus mit Fellen gepolstert: „Nee“, berlinert er am Morgen nach der eiskalten Nacht: „Ick hab’ nich jefror’n.“

Als abends Wikinger und Rittersleut ihre Zelte ab- und in die Neuzeit aufbrechen, ist Stadtmanager Stefan Schlichte mit dem Erfolg von Mystica Hamelon rundum zufrieden: „Die Idee ist aufgegangen, alle gesteckten Ziele sind erreicht.“ Die Besucherresonanz sei durchweg positiv ausgefallen. „Das Konzept stimmt. Und dass wir keinen Eintritt nehmen, zahlt sich aus“, sagt Schlichte und glaubt anhand von Rückmeldungen, dass auch der Einzelhandel mit dem verkaufsoffenen Sonntag weitgehend zufrieden ist.

„Eine bombige Frequenz“, macht Centermanagerin Kirsten Jackenkroll für die Stadt-Galerie aus, spricht dagegen aber von einem eher durchwachsenen Umsatz.

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