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Walter Ostermeier und Tochter beim Vasa-Lauf / Ilka Ostermeier beste deutsche Teilnehmerin

Mit Blaubeersuppe zum Siegüber sich selbst

Vehlen (sig). Während andere sich nach Frühlingssonne und Spaziergängen in freier Natur sehnen, schnallten sich Walter Ostermeier und seine Tochter Ilka noch einmal die Skier unter, um eine große sportliche Herausforderung zu bestehen. Beide starteten beim längsten und schwersten Skirennen der Welt, dem berühmten Vasalauf, der über eine Strecke von 90 Kilometer führt. Und sie kamen an - die Tochter etliche Zeit eher, aber das steht einer Weltmeisterin im Rollski-Sprint auch zu.

veröffentlicht am 27.03.2006 um 00:00 Uhr

Am Ende war Walter Ostermeier drei Stunden schneller als bei sei

"Mit einem Sprint hatte diese Herausforderung allerdings nichts zu tun, denn die Teilnehmer benötigen im Durchschnitt fast achteinhalb Stunden für diesen Lauf", berichte Ilka Ostermeier, die als Stabsärztin bei den Heeresfliegern ihren Dienst tut. Sie schaffte es in sechs Stunden, 41 Minuten und 13 Sekunden und landete damit auf dem 48. Platz unter 1400 Frauen. Damit war sie die beste deutsche Teilnehmerin. Aber auch die Leistung ihres Vaters istüber jeden Tadel erhaben. Unter den über 18 000 Startern aus 30 Nationen lag er am Ende mit sieben Stunden, 21 Minuten und 21 Sekunden auf Rang 4275, nachdem er bei einem zwischenzeitlichen Zeitvergleich schon mal 700 Plätze weiter vorn war. "Am Schluss waren wir eigentlich nur noch froh, die Ziellinie erreicht zu haben; man spürte bei der Kälte die Fingerkuppen nicht mehr, sie waren nahezu erfroren", erinnert sich Ilka Ostermeier. Und dennoch möchte sie dieses Erlebnis nicht missen. Den Gedanken, nicht mehr beim Vasalauf zu starten, hat sie inzwischen bereits verworfen. Beim nächsten Mal möchte sie unter sechs Stunden kommen. Es habe zwei Gründe für das gute Abschneiden gegeben, erzählt das Duo. Zum einen hat sich Walter Ostermeier zu einem Spezialisten in Sachen Wachstechnik entwickelt. Genau die richtige Mischung zu finden, ist eine Kunst für sich. "Es gibt so viele Wachssorten wie Kosmetika; schließlich muss man sich auf die jeweilige Art des Schnees, auf die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit einstellen", philosophierte der Vehlener. Ostermeier hatte offensichtlich in seinem Materialkoffer passendes Wachs zum Steigen und Gleiten mitgenommen. Neben Bürsten und Spachtel war auch ein Bügeleisen dabei, das dann aber nicht mehr zum Einsatz kam. Der zweite Grund dafür, dass Walter Ostermeier bei seinem zweiten Vasalauf drei Stunden (!) schneller war als bei seinem ersten Versuch im Jahre 1975, hat mit der deutlich besseren Vorbereitung zu tun. "Wir haben jede Woche bis zu fünf ausgedehnte Waldläufe absolviert und auch auf dem Bückeberg viel Rollski gefahren", berichtet Tochter Ilka. Dazu habe es ab November schon auf dem Kammweg des Bückeberges ausreichend Schnee für den Langlauf gegeben. Zusätzliche Übungswochenenden wurden außerdem im Harz und in Ruhpolding eingelegt. Urkunden, Medaillen und die Laibchen mit den Starnummern bekommen jetzt einen Ehrenplatz im Vehlener Eigenheim. Bis zum nächsten Start im kommenden Jahr gibt es noch etwas, was Vater und Tochter sowie die im Begleitteam mitfahrende Mutter Brigitte an den "Sieg über sich selbst" erinnert: Das ist die leckere Blaubeersuppe, die es zur Stärkung und Erwärmung während des Skimarathons gab. Über 80 000 Liter haben die Aktiven unterwegs getrunken. Bei Ostermeiers hat diese flüssige Nahrung jetzt Kultstatus.

Ilka Ostermeier vertrat die deutschen Farben bestens: Sie wurde
  • Ilka Ostermeier vertrat die deutschen Farben bestens: Sie wurde 48. unter 1400 Frauen. Fotos: sig

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