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"Flautando Köln" widerlegt alle Vorurteile gegen Blockflöten

Mit aberwitziger Fingerfertigkeit

Kathrinhagen. Musikalisch unterwegs auf den Spuren des Jakobswegs nach Santiago de Compostela war die vorzügliche Blockflötengruppe Flautando in der fast schon überfüllten Katharinenkirche. Am Ende des langen Pilgermarsches ( Bericht rechts) durften sich die Wanderer im stimmigen Ambiente des Gotteshauses an einem außerordentlichen Flötenkonzert laben. Hinter Flautando stecken Kerstin de Witt, Katharina Hess, Susanne Hochscheid und Ursula Thelen. Nicht zu vergessen Thorsten Müller, der an Schlaginstrumenten für den Rhythmus sorg te.

veröffentlicht am 23.09.2008 um 00:00 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

Die Blockflöte besitzt das Image einer biederen älteren Tante. Aber wer sie bisher für behäbig und die Töne für langweilig gehalten hat, machte an diesem Abend ein endgültiges Erweckungserlebnis durch. Das Quartett nahm die "alte Dame" mit auf eine Achterbahnfahrt und überrumpelte das Publikum keck, beweglich und völlig klischeefrei. Dass es das unscheinbare, in der Erinnerung stets mit grausigen Schulorchestern verknüpfte Holzblasinstrument durchaus mit Saiteninstrumenten aufzunehmen vermag, verdeutlichten die Spielerinnen eindrucksvoll. Das Spektrum reichte nämlich von der hell und munter zwitschernden Sopraninoflöte über die Sopran-, Alt- und Tenorflöte bis zur nobel timbrierten Großbassflöte. Ständig wechselnd, durchmaßen die Solistinnen die weitläufigen Ausdruckswelten von Praetorius, Ortiz, Festa, Escobar, de Victoria und anonymen Komponisten nicht nur mit "Santiago im Herzen", sondern zudem mit wahrer Hexenmeisterschaft und oft aberwitziger Fingerfertigkeit. Die Vielfalt der Möglichkeiten konnte nicht treffender ins Licht gerückt werden. Das Auditorium zeigte sich beeindruckt von der Technik und der Geläufigkeit bei weichem, runden Ansatz. Es feierte die Künstlerinnen zum Schluss so enthusiastisch, dass "Flautando Köln" zwei Extravorträge beisteuern musste. Vor lauter Euphorie darf Kerstin de Witt nicht vergessen werden, die zwischendurch den Gedanken von Paolo Coelho Rechnung trug, indem sie aus dessen Schrift "Auf dem Jakobsweg - Tagebuch einer Pilgerreise" anschauliche drei Abschnitte zum Besten gab.

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