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Keinen Nachfolger gefunden / "Walliser Kanne" und "Realschul-Filiale" bleiben

Mit 72 Jahren im besten Rentenalter: Schnittger's Feinkostgeschäft schließt

Rinteln (wm). Seine Stammkunden wissen es bereits: Horst Schnittger will sein Spezialitätengeschäft in der Engen Straße Ende dieses Monats schließen. Beschäftigungslos würde er dadurch aber nicht, verrät Schnittger: In der "Walliser Kanne" nebenan will er seine gute Mannschaft weiterhin tatkräftig unterstützen.

veröffentlicht am 06.01.2007 um 00:00 Uhr

Dabei ist er eigentlich mit 72 längst im Rentenalter, "doch die Arbeit", sagt er, "ist auch mein Leben". Auch wenn er nach überstandener Krankheit jetzt kürzer treten müsse: "Eine Doppelschicht kann ich nicht mehr fahren." Einen Nachfolger für das Spezialitätengeschäft habe er nicht gefunden, seinen Kindern wiederum habe er das nicht "antun" wollen, so denke auch seine Frau Margot, denn alle drei hätten einen Beruf, in dem sie zufrieden sind. Ein Sohn arbeitet als Vertreter für eine große Firma, der zweite ist an einer Bank beschäftigt, die Tochter, in der Altenpflege tätig, hat im Herbst in Rothenburg ob der Tauber geheiratet. Selbstverständlich wäre ein Nachfolger für Feinkost und Weine die ideale Lösung, denn die Ladeneinrichtung in dem historischen Haus auf den zwei Etagen - "alles Massivholz", so Schnittger - sei für diese Branche maßgeschneidert. Wo finde man schon sonst im ersten Stock eine so schöne "Weinprobier-Theke" aus rustikalem Eichenholz. Doch Schnittger kann sich eher vorstellen, dass in das Haus, günstig am Markt um die Ecke gelegen, ein Steuerberater, Arzt oder Friseur einzieht - Feinkost sei ein schwieriges Geschäft geworden, seit jeder Supermarkt seine eigene Delikatessenabteilung habe. Vermissen werden die Schnittger-Kunden vor allem auch seine Präsentkörbe - allein über Weihnachten und Neujahr habe er 50 verkauft - denn Horst Schnittger hatte dafür eine besondere Philosophie: "Die Leute haben doch alle ihre Kühlschränke voll. Wenn sie da jemanden noch überraschen wollen, müssen sie schon etwas ganz Besonders bieten." Horst Schnittger, gelernter Einzelhandelskaufmann aus dem Lipper Land, der sich 1961 in der Klosterstraße selbstständig gemacht hat, 1981 das Haus in der Engen Straße gekauft und umgebaut hat, ist zwar stolz auf den Ruf seines Geschäftes, den er sich erarbeitet hat, kann sich aber "im nächsten Leben" auch etwas ganz anderes vorstellen: Innenarchitekt zum Beispiel oder einen handwerklichen Beruf. Bleiben wird auch das Geschäft in der Klosterstraße, das Hans Heinemeier führt und das auf die Schüler der benachbarten Realschule als treue Kunden zählen kann - das ist schon seit 40 Jahren so. Möglicherweise, so Schnittger, werde hier das Angebot noch etwas aufgestockt. Zumindest auf die berühmten Frikadellen und den Schafskäsesalat werden seine Kunden auch künftig nicht verzichten müssen: Das gibt es dann in der "Waliser Kanne".



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