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Schaumburger Messingenieur bei Rekordfahrt / Eckhard Friebel prüft Bremsen für die Bahn

Mit 357 Sachenüber die Schienen gedonnert

Stadthagen (cst). Eckhard Friebel heißt er, ist Schaumburger, arbeitet in Minden und fährt ab und zu in extrem schnellen Zügen - ohne Fahrschein. Das ist für den Messingenieur nichts Außergewöhnliches, denn sein Arbeitgeber ist ein Prüfinstitut der Deutschen Bahn. Auf seiner Visitenkarte steht "Leiter Bremstechnische Prüfungenvon Schienenfahrzeugen" .

veröffentlicht am 02.01.2008 um 00:00 Uhr

Bei 357 km/h war Schluss: Bei der Rekordfahrt zwischen Ingolstad

Eines von Friebels Projekten hat den Namen "Vmax 357" getragen. "Bei einer ganz normalen Zulassungsfahrt haben wir geschaut wie schnell es geht", beginnt er von einem Höhepunkt seines bisherigen Berufslebens zu erzählen, der Weltrekord-Fahrt mit einer Serien-Elektrolok. "Vmax" steht dabei für die maximale Geschwindigkeit. Und 357 Kilometer in der Stunde sollten mit der Lokomotive erreicht werden. Das sind 26 km/h über dem bisherigen Rekord. Dieses Geschwindigkeitsziel war dann auch für jeden sichtbar in großen Lettern auf die Lok geklebt. An der Lok und der Strecke zwischen Ingolstadt und Nürnberg wurde nichts verändert, versichert Friebel, der bei der Rekordfahrt Versuchsleiter war. "Wir haben die Schnellfahrt einfach zwischen zwei planmäßigen ICE-Zügen gemacht." Die Lok hat ein bayerisches Unternehmen zur Verfügung gestellt. Der Auftrag an die Mindener Bahn-Ingenieure, die betriebliche Leitung und die Messungen zu übernehmen, kam von Siemens. Das Problem war, so Friebel, bei dieser besonderen Fahrt alle unter einen Hut zu bekommen: das Eisenbahnbundesamt, die DB Netz, die das Schienennetz betreibt, die Firma Siemens und das bayerische Unternehmen, das die Lok stellte. Ein Problem, das der Schaumburger löste. "Sogar das Eisenbahnbundesamt wollte sich das nicht entgehen lassen", erinnert sich der Ingenieur und schickte einen Vertreter auf die Rekord-Lok. Alles sei bei Versuchsbeginn auf 350 km/h eingetaktet gewesen. Friebel: "Wir wollten aber nicht bei 350 Schluss machen." Da alle Verantwortlichen auf der Lok waren, konnte schnell entschieden werden: "Wir machen mehr." "Zwei Kilometer Strecke waren noch da", erzählt Friebel, als die Lok die 357 km/h erreicht hatte. "Es wäre vielleicht noch mehr drin gewesen, aber nicht mehr viel." Die Lauftechniker, die Experten, die den Lauf der Lok auf den Schienen überwachen, hätten "Schluss" gesagt. "Hätten wir einen 80 Kilometer langen schnurgeraden Schienenstrang gehabt...", träumt Friebel von noch höheren Geschwindigkeiten und gibt dann zu: "Für eine Serienlok wäre da aber fast Schluss gewesen." Eins ist Friebel nicht mehr zu nehmen: Mit der rasanten Fahrt der Serien-Elektrolok ist der 1955 in Frankreich mit einer speziell hergerichteten Lok aufgestellte Rekord von 331 km/h geknackt worden.

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