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Inventur im Einzelhandel: Einmal im Jahr beginnt das große Zählen - auch im Ratio-Markt

Mit 160 Leuten, Grünkohl und Exaktheit

Stadthagen (sk). Das Handelsgesetzbuch schreibt es vor: Einmal im Jahr muss in allen Einzelhandelsgeschäften der gesamte Warenbestand aufgenommen werden. Läden schließen für die Inventur. Das große Zählen mit Hilfe von Schülern, Rentnern, Hausfrauen und Studenten lief dieser Tage bei Ratio genauso wie im Extra-Markt, im WEZ und bei Expert ebenso wie in kleinen Geschäften.

veröffentlicht am 31.01.2008 um 00:00 Uhr

Zur Inventur treten im Ratio-Markt 160 Zähler, Datenerfasser und

Am Inventurtag schließt der Ratio-Markt bereits um 18 Uhr. Die letzten Kunden verlassen das 9000 Quadratmeter große Geschäft. Dafür treten 160 Zähler, Datenerfasser und Kontrolleure an, rekrutiert aus Ratio-Mitarbeitern und angeworbenen Helfen. Alle folgen jetzt einem generalstabsmäßigen Plan. Von allen 80 000 Ratio-Artikeln müssen in möglichst kurzer Zeit und präzise die Stückzahlen ermittelt werden. Dazu reicht die Zeit von 18 bis 21 Uhr nicht aus. Am Folgetag rückt die ganze Truppe noch einmal an. Rolf Harkopf (53) hockt am Sonnabend gegen 19 Uhr vor einem Regal im Heimwerkerbereich. Der Helfer zählt die Schraubenpäckchen, ruhig und aufmerksam. Der Job nervt den 53-jährigen keineswegs. "Lust am Zählen", begründet Harkopf seine Zufriedenheit beim Inventurjob und außerdem verdiene er sich ein gutes Taschengeld damit. 6,15 Euro gibt es pro Stunde. Der Stadthäger nimmt die Sache genau -anders kann und darf es nicht laufen. Unlust am Zähljob, die laut Ratio-Verwaltungsleiter Andre Lange durchaus bemerkt würde, ergibt Fehler, kostet Zeit. Gezählt wird nicht nach Augenschein der Verpackungen. Aufgrund der enormen Produktvielfalt, in der es von einem Artikel häufig zahlreiche Nuancen gibt, zum Beispiel im Bereich Körperpflege, darf sich der Zähler nur an der Produktnummer orientieren. Diese ist unter dem Strichcode (siehe "Fakten") aufgedruckt. Gezählte Mengen notiert Harkopf auf Haft-Notizzetteln, die er jeweils auf ein Exemplar der betreffenden Artikeleinheit klebt. Etliche Regalmeter entlang prangen die gelben Zettelchen bereits an Schraubenpackungen, immer exakt an der gleichen Stelle der Packung - neben dem Strichcode. Im zweiten Inventurschritt erfassen Marktmitarbeiter per mobiler Datenerfassung die Codes und deren zugehörige Anzahlen. Die Daten gelangen in den Computer, Listen werden ausgedruckt, Stichproben in den Regalen nachgezählt. Eine junge Frau klebt im Sortimentsbereich Kosmetik die Haftzettel einfach irgendwo auf die Shampooflaschen - nicht neben dem Strichcode. Das erschwert später die Erfassung. Lange schreitet ein, erklärt das Prozedere noch einmal. Klappe es nicht, "werde die Schülerin nach Hause geschickt", so der Verwaltungsleiter. Inventur in einem großen Warenhaus muss effektiv laufen. Keine Probleme hat Ergotherapeutin Felicitas Zechel (18) aus Bückeburg, die bereits zum vierten Mal bei der Ratio-Inventur hilft. Mit-Zählerin Jane Zander (20) ist zum dritten mal dabei. Die gebürtige Stadthägerin studiert in Paderborn für Haupt- und Realschullehramt und findet den Inventur Job "toll". Damit hat das gewählte Hauptfach Mathematik wenig zu tun. Vielmehr sei bei Ratio die Stimmung gut, und "es gibt gute Verpflegung", so Zander. Andre Lange zeigt auf Bierzeltgarnituren im Eingangsbereich des Marktes. Am Sonntagmittag kommt hier deftiger Grünkohl auf den Tisch, und Kuchen wird später auch gereicht. Und es ist dabei eines garantiert: Niemand zählt den fleißigen Zählern, Erfassern und Kontrolleuren die Bissen in den Mund.



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