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„Falls die Lokalzeitung das erlaubt“ / Bei der Eröffnungsveranstaltung prallt alle Kritik an Sander ab

Minister verspricht Geld auch für Soltec 2010

Hameln (CK). Hans-Heinrich Sander kam gestern bestens gelaunt nach Hameln. Nichts von dem, was ihm in den letzten Tagen im Zusammenhang mit der Soltec entgegengeschwemmt war, hatte die Stimmung des niedersächsischen Umweltministers trüben können. Dabei hatten sowohl der BUND als auch die Grünen ihre Teilnahme an dieser größten Solarmesse abgesagt, weil Sander in ihren Augen nicht gerade ein Befürworter der Solarenergie ist. Und weil auf Betreiben seines Ministeriums Hans-Josef Fell, grüner Bundestagsabgeordneter und Vizepräsident der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien, wieder ausgeladen worden war (wir berichteten).

veröffentlicht am 03.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Die Geothermie soll bei der nächsten Soltec einen besonderen Sch

Die Kritik indessen focht den Minister nicht an. Er sei zum zweiten Mal auf der Soltec, und jedesmal finde sich jemand, dem das nicht passe. „Selbst wenn die Sonne heute nicht scheint, soll ich schuld sein.“ Beim anschließenden Rundgang durch die Reihen der 150 Aussteller – die Mehrzahl davon aus dem heimischen Raum – war ihm seine Verstimmung über den Protest zum Teil aber doch anzumerken: er könne sein Geld, also Fördermittel, durchaus auch woanders ausgeben, sagte Sander. Dem Veranstalter Rainer Timpe (messen&ausstellungen) versprach er dennoch, ihn auch künftig bei der Realisierung der Soltec zu unterstützen – „solange die Lokalzeitung das erlaubt“.

Im Übrigen gab sich Sander als ausgesprochener Freund regenerativer Energien und sagte, das Thema Klimaschutz sei weder eine Modeerscheinung noch ein parteipolitisches Ziel. Vielmehr gelte es, gerade auch im Weserbergland die Stärken zu sehen und keinen Nachbarschaftsstreit auszutragen. Das ISFH am Ohrberg nannte er in diesem Zusammenhang ein „Vorzeigeinstitut“.

„Trotz Störfeuer“ stehe das Land Niedersachsen zum Ausbau erneuerbarer Energien, sagte Sander, schränkte aber gewissermaßen am Rande ein, dass auf die Kernenergie als Übergang in den nächsten Jahren und auch auf fossile Energieträger nicht ganz verzichtet werden könne. „Nach vorne bringen“ möchte der Umweltminister das Thema Geothermie, vielleicht schon bei der nächsten Soltec. Und „sehr enttäuscht“ ist er nach eigenem Bekunden davon, dass für das Förderprogramm des Landes fürs Energiesparen bei Straßenlampen kein einziger Antrag aus den Landkreisen Hameln-Pyrmont oder Holzminden eingegangen ist.

Mit den Vakuumröhrenkollektoren (Vordergrund) lässt sich auch be
  • Mit den Vakuumröhrenkollektoren (Vordergrund) lässt sich auch bei bedecktem Himmel Wasser für den Hausgebrauch erwärmen.
„Noch Platz für Preissenkungen“: Prof. Rolf Brendel
  • „Noch Platz für Preissenkungen“: Prof. Rolf Brendel vom ISFH.

Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann, die in ihrer Begrüßung ausdrücklich den „lieben Herrn Minister“ willkommen geheißen hatte, führte den Gästen der Eröffnungsfeier drastische Zahlen vor Augen. Jeden Tag, so die OB, schmelze eine Eisfläche von der Größe Deutschlands. „Mit unserer Energieverschwendung steuern wir direkt auf eine Katastrophe zu“, sagte sie. Es dürfe deshalb kein „Weiter so!“ geben, denn der Klimaschutz sei ein Wettlauf gegen die Zeit.

Die Stadt Hameln hat sich nach den Worten ihres Oberhauptes denn auch ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, nämlich bis zum kommenden März ein umfassendes Klimaschutzkonzept vorzulegen. Schon jetzt habe Hameln Millionen in seine Schulen investiert, überwiegend in die energetische Sanierung.

Die Solarbranche erlebt weltweit einen Boom. „Leider tritt China aber hier als Produzent und auch als Konkurrent auf“, bedauerte der stellvertretende Landrat Thorsten Kellner. Durch erneuerbare Energien könnten Arbeitsplätze geschaffen und die Lebensqualität verbessert werden, deshalb sei er dankbar, dass die Soltec Anbieter und Nachfrager zusammenbringe.

Prof. Dr. Ing. Rolf Brendel, Geschäftsführer des Instituts für Solarenergieforschung GmbH Hameln-Emmertal, machte den Anwesenden trotz der Konkurrenz aus Fernost und der fallenden Preise Mut. „Die Solarmodule werden immer billiger, allein in den letzten neun Monaten hat es einen Preissturz von 25 bis 30 Prozent gegeben“, sagte er. Das aber sei politisch durchaus gewollt. Und Brendel glaubt, dass es nach wie vor „genügend Platz für weitere Preissenkungen“ gibt, hält außerdem für richtig, dass Forschung und Massenproduktion simultan vorangetrieben werden. Brendel: „Was wir brauchen, ist eine Verlässlichkeit bei Förderung und Innovation.“

Stichwort Innovation: Nach Brendels Worten gibt es auf der diesjährigen Soltec nicht die eine, bahnbrechende Neuerung. Vielmehr handele es sich um ganz viele einzelne kleine Neuentwicklungen, die aber jede für sich genommen Innovation bedeuten. Am Stand des ISFH zum Beispiel wird darüber informiert, wie man mit einer kleinen Weiterentwicklung eine ganze Maschine einsparen und so den Herstellungsprozess preisgünstiger machen kann.

Insgesamt zeigt sich die 14. Hamelner Soltec in den futuristischen Zelten, auf dem Freigelände am Rathaus und im Weserbergland-Zentrum so verbrauchernah wie eh und je. Angesprochen fühlen sollen sich dort vor allem Anwender, also Verbraucher, die über alle Möglichkeiten der Energieeinsparung und ihrer Förderung von Experten umfassend informiert werden und sich auch wieder etliche spezielle Fachvorträge anhören können. Über Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten informieren ferner die Mitarbeiter der KfW. Wobei Veranstalter Timpe bedauert, dass die heimischen Kreditinstitute, deren Kunden es ja zumeist sind, die sich für energetische Maßnahmen und deren Realisierung interessieren, nicht auf dieser Messe vertreten sind.

Service: Die Soltec auf dem Rathausplatz und im WBZ hat ihre Pforten bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr für die Besucher geöffnet.



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