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Weiterentwicklungen und Fortschritte in der Handchirurgie / Dr. Schönberger in Luxemburg

Miniatur-Anker macht Hände wieder beweglich

Bückeburg (bus). In Zeiten, in denen Superlative gemeinhin - weiter, höher, größer - nur in Richtung Zuwachs als erstrebenswert anmuten, ist mit Winzigkeiten für gewöhnlich kein Blumentopf zu gewinnen. Dennoch gibt es Mitmenschen, denen gerade Klitzekleinigkeiten die Herzen höher schlagen lassen. Was im Endeffekt wiederum, insbesondere auf dem Gebiet der Chirurgie, auch den Zuwachsfetischisten zugute kommt. In der Handchirurgie des Krankenhauses Bethel kommt seit kurzer Zeit ein Anker zum Einsatz, der just mal einen halben Zentimeter misst, sündhaft teuer ist und - auch das noch - sich nach spätestens vier Jahren in Nichts aufgelöst hat.

veröffentlicht am 10.01.2008 um 00:00 Uhr

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Für die nicht mal streichholzkopfgroße (2,3 mal 5 Millimeter) Novität werden im gut sortierten Fachhandel gut und gerne 200 Euro verlangt. Was aber nach Auffassung von Handchirurgiechef Dr. Michael Schönberger angesichts der hohen Entwicklungskosten durchaus seine Berechtigung hat. Schönberger demonstrierte die Bückeburger Erkenntnisse über den "Einbau von Fadenanker dübeln" jüngst während eines international besetzten Kongresses in Luxemburg. Der aus vollständig resorbierbarem (selbstauflösendem) Material gefertigte Anker ersetzt herkömmlichen Dübeln vergleichbare Titan-Nickel-Gerätschaften. In der Handchirurgie dient der Winzling speziell der Fixierung von Nahtmaterial, etwa bei der Wiederbefestigung abgetrennter Sehnen oder Bänder. Beständiges Verwendungsgebiet ist der Handwurzelknochen, wo das Zusammenspiel von Kahn-, Mond- und Dreiecksbein mit Erbsen-, Kopf- und Hakenbein für Beweglichkeit und Stabilität des menschliches Greifapparates zuständig ist. Ein weiteres Thema in Luxemburg war die Anwendung neuartiger Platzhalter aus Silikonkautschuk. Schönberger: "Bei schweren Fingergelenkszerstörungen, etwa durch rheumatoide Arthritis, kann die Beweglichkeit operativ erhalten werden." Die Implantate sind keine Prothesen, sondern flexible Platzhalter ohne Gelenkstruktur, die Distanz zwischen den Fingerknochen herstellen und für die Beweglichkeit der Gelenke sorgen. Sie wachsen nicht fest ein und werden von Bindegewebe umscheidet, was dem Gelenk einen zusätzlichen Halt verleiht. Nach Erkenntnissen der Bethel-Handchirurgen, die zukünftig ein besonderes Augenmerk auf die Behandlung von Rheumapatienten legen wollen, werden bei etwa 95 Prozent aller an Rheuma Erkrankten früher oder später die Hände in Mitleidenschaft gezogen. Die mittels der Weiterentwicklungen von Platzhalter und Anker beförderten Fortschritte verheißen den Zuwachsfreunden weitere schlechte Nachrichten: Die Operationszeiten werden kürzer, die Risiken geringer und die Schmerzen kurzlebiger.

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