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Vor Gericht: 23-Jähriger erzielt Teilerfolg

Minderjährige mit Haschisch versorgt

Rinteln/Bückeburg (maf). In einem Drogenprozess um die Abgabe von Haschisch an Minderjährige hat ein Arbeitsloser (23) einen Teilerfolg erzielt: Vom Amtsgericht Rinteln in erster Instanz nach allgemeinem Strafrecht zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, erkannte das Landgericht Bückeburg nun auf die Anwendung von Jugendrecht. Die 1. Große Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Börries Freiherr von Hammerstein stellte zugleich die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe zurück.

veröffentlicht am 23.08.2006 um 00:00 Uhr

Das bedeutet: Wenn sich der 23-Jährige in den nächsten beiden Jahren ordnungsgemäß verhält, wird der Schuldspruch getilgt. Bewährt er sich dagegen nicht, wird eine Jugendstrafe verhängt. Aufrechterhalten bleibt der Bewährungsbeschluss des Amtsgerichtes, wonach der Rintelner 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten muss. Der Fall: Von Januar bis April 2004übergab der Angeklagte alle zwei Wochen mindestens ein Gramm Haschisch an einen damals 16 Jahre alten Schüler. Die beiden warfen häufig Geld zusammen und kifften gemeinsam, wobei der Arbeitslose jeweils das Rauschgift besorgte. Der gravierendste Fall ereignete sich im Oktober desselben Jahres: Weil der von Rechtsanwalt Gunter Mücke verteidigte Mann inzwischen 21 Jahre alt war, erfüllte er durch eine weitere Drogenabgabe einen Verbrechenstatbestand. Diese letzte Tat geschah in einer Wohngemeinschaft eines Jugendhofes, in dem der Schüler mittlerweile lebte. Dort legten der 16-Jährige undein gleichaltriger Bekannter 15 Euro zusammen. Nach einem Anruf kam der Rintelner in die Außengruppe, nahm das Geld und kehrte eine Stunde später mit drei Gramm Haschisch zurück. Diesmal wurde aber nicht gemeinsam gekifft. "Wir können uns kein klares Bild von Ihnen machen", wandte sich der Vorsitzende Richter an den heute 23-Jährigen. Ob in der Tat des Rintelners, dessen Leben mehrere Brüche aufweist, derart schädliche Neigungen hervorgetreten sind, dass eine Jugendstrafe notwendig ist, konnte die Kammer abschließend nicht sicher beurteilen. So kam es letztlich zu dem selten praktizierten Ausspruch, die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe zurückzustellen.

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