weather-image
10°
Vor Gericht: Drei Jahre Haft für Drogenhändler / Zwei Bewährungsstrafen widerrufen

Minderjährige (16) mit Heroin versorgt

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Der letzte Trip führt ins Gefängnis. Für drei Jahre hat das Bückeburger Schöffengericht einen Eilser Rauschgifthändler (24), der überwiegend in Obernkirchen mit der harten Droge Heroin gedealt hatte, aus dem Verkehr gezogen. Und dabei bleibt es nicht: Bereits im Vorfeld des Prozesses waren zwei einschlägigeBewährungsstrafen aus früheren Verurteilungen widerrufen worden, die nun verbüßt werden müssen. Das ergibt zusätzlich noch einmal mehr als zwei Jahre Haft.

veröffentlicht am 06.04.2006 um 00:00 Uhr

Staatsanwalt Frank Hirt sprach von einem "recht schwunghaften Handel", und Richter Dr. Dirk von Behren stellte fest: "Dass er unter Bewährung stand, hielt den Angeklagten nicht davon ab, noch schwerere Straftaten zu begehen." Heroin, so der Vorsitzende weiter, sei die Droge mit dem höchsten Potenzial an Abhängigkeit und Sterblichkeit. Verteidiger Hans-Dieter Liebelt erinnerte daran, dass auch sein Mandant suchtkrank sei. "Dieser Mann ist aufgrund seiner Sucht Delinquent geworden", sagte Liebelt. Wie auch immer:Über mehr als ein Jahr hatte der Dealer drei jungen Frauen jeweils kleinere Mengen Heroin mit Gewinn verkauft oder aus Zuneigung abgegeben, ohne davon zu profitieren. Insgesamt wechselten so rund 300 Gramm "Stoff" die Besitzer. Besonders schlimm: Die jüngste Abnehmerin war erst 16 Jahre alt. "ZumTeil war das Beschaffungskriminalität für den Eigenkonsum", fasste Richter von Behren zusammen. "Einen großspurigen Lebenswandel wollte sich der Angeklagte nicht finanzieren." Irgendwann in seinem Leben, das gewiss nicht leicht war, hat der 24-Jährige den Halt verloren. Zuerst war die Mutter gestorben, dann der Stiefvater, beide innerhalb weniger Monate. Nach dem Tod der Mutter, mit 16, begann der Jugendliche Haschisch zu konsumieren, zwei Jahre später auch Heroin. Und irgendwann hatte er "nur noch mit Drogenleuten zu tun". Zwischenzeitlich hat der Eilser entzogen. Zudem macht er eine Therapie, deren Verlauf ein Therapeut als gut bezeichnet. Trotzdem führt für den Wiederholungstäter (sieben teils einschlägige Vorstrafen) kein Weg an der Haft vorbei. Staatsanwalt Hirt: "Das Argument, dass der Angeklagte eine schwere Jugend hatte, ist verbraucht." Von Behren geht davon aus, dass der 24-Jährige noch dieses Jahr in Haft muss, um zumindest die beiden widerrufenen Bewährungsstrafen zu verbüßen. Das aktuelle Gerichtsurteil ist dagegen noch nicht rechtskräftig.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare